"Schwapp" in Fürstenwalde - Bürger kämpfen um den Erhalt ihrer Schwimmhalle

Kommt es zum Bau des Surf-Parks muss das Fürstenwalder Schwapp abgerissen werden.
Audio: Antenne Brandenburg | 06.05.2020 | Eva Kirchner-Rätsch | Bild: rbb / Eva Kirchner

Zwei Berliner Jungunternehmer planen in Fürstenwalde einen überdachten Surfpark für Wellenreiter zu errichten. Dafür muss jedoch das Schwimmbad "Schwapp" weichen. Bürger setzen sich für den Erhalt des Gebäudes ein.

 

Surfen nicht unter Palmen, sondern unter Brandenburger Eichen oder Linden – es sind ehrgeizige Pläne, die da zwei Berliner Unternehmer in Fürstenwalde haben. Dort wo heute noch das Spaßbad "Schwapp" zum Toben und Baden einlädt, soll nach ihren Plänen ein gigantischer Surf-Park entstehen. So groß wie acht Fußballfelder. Die Stadtpolitik hat dem bereits grundsätzlich zugestimmt. Doch die alte Schwimmhalle müsste dafür abgerissen werden. Dagegen regt sich Widerstand.

Ein Wahrzeichen der Stadt

Wenn der Fürstenwalder Klaus-Dieter Franz nur daran denkt, dass das "Schwapp" samt Spreeschwimmhalle verschwinden soll, macht ihn das traurig und wütend. Dieses Gebäude hat eine besondere Bedeutung für ihn und die Stadt: Er wer mit seinen Kindern öfter dort und nimmt die Halle als Wahrzeichen der Stadt wahr.

Die Spreeschwimmhalle wurde Anfang der 1970 Jahre gebaut. Möglich wurde das, weil viele Bürger den Bau Stadtintern gegen den Willen der politischen Organe organisiert hätten, erzählt Marko Bartusch.

 

Klaus Dieter Fran (l.) und-Marko-Bartusch (r.)

Kunst am Bau

Und noch etwas macht die Fürstenwalder Schwimmhalle zu etwas Besonderem. Die Außenfassade ziert eine Kupferplastik des Fürstenwalder Künstlers Gerhard Gossmann. Eine riesige Sonne die zusammen mit der Plastik "Erdball" an der benachbarten Gagarin-Oberschule eine Einheit bildet. Klaus-Dieter Franz betont, dass die Sonne sich nicht einzeln woanders hinstellen lasse und alles zusammengehöre.

Offener Brief an den Bürgermeister

Im Januar äußerte der Bürgermeister Matthias Rudolph (Bündnis Fürstenwalder Zukunft) gegenüber dem rbb, dass ein Abriss des Gebäudes Sinn machen würde. Denn das sei sanierungsbedürftig und die Sanierungskosten sollen bei 20 bis 30 Millionen Euro liegen.

Klaus-Dieter Franz hat einen Verein zur Erhaltung der Schwimmhalle gegründet. Unter dem Motto "Sanieren statt Eliminieren" wolle man sich für den Gebäudeerhalt einsetzen. In einem offenen Brief – gerichtet an den Bürgermeister und die Stadtverordneten – fordern die Vereinsmitglieder nun weitere Gespräche und eine Einbeziehung der Bevölkerung zu diesem durchaus emotionalen Thema. Eine erste Reaktion auf den offenen Brief gab es bereits, der Bürgermeister hat Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.05.2021, 16:40

7 Kommentare

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  1. 7.

    Es geht hier nicht um Ehrenamt, sondern um Bürgerbeteiligung. Die Bürger machen sich Gedanken um Preisgestaltung, Angebot und Betrieb gemeinsam mit den jetzigen Betreibern und Angestellten sind alle am wirtschaftlichen Erfolg, aber auch Misserfolg beteiligt. Sollte dieses ausschließlich im Ehrenamt zu betreiben möglich sein, spräche jes a eher dafür, dass es hier keine ausreichende Nachfrage gibt, dann sollte man es den 2 Berliner Jungs verkaufen.

  2. 6.

    Also lassen wir jetzt für ein paar zahlungskräftige Surfers die Schüler der Region bis nach Frankfurt(Oder)oder Eisenhüttenstadt die Tagesreise mit dem Bus antreten ? Die Jungunternehmer könnten doch eine andere Fläche in Fürstenwaldes Norden nutzen, ist genug vorhanden. Wenn das Schwapp eh abgerissen werden muss, wäre es doch günsteünstiger, anderswo neu zu bauen. Wird ja wohl nicht am fehlenden Wasseranschluss mangeln. Denn im schlimmsten Fall geht der Surfpark in die Insolvenz und der Stadt bleibt gar nix.
    Nebenbei wird das Schwapp auch von reichlich Berlinern mitgenutzt, da durch die RE-Anbindung der Weg nach FW nicht so weit ist.

  3. 5.

    So eine Schwimmhalle lässt sich aber auch nicht ehrenamtlich verwalten, da es Fachleute braucht, um juristisch und wirtschaftlich keinen Schiffbruch zu erleiden. Die Zahl der Ehrenamtler nimmt stetig ab, u.a. weil man im seltensten Fall Dank und Anerkennung erhält. Was glauben Sie denn, wie eine Bürgerverwaltung funktioniert ? Solche Gremien können noch leichter von Inkompetenten und Krawallmachern gesprengt werden als eine Kommunalverwaltung.
    Und ich bin sehr wohl für mehr Eigenverantwortung der Bürger - aber gewiss nicht gleich mit einem derart großen risikobehafteten Projekt. Auf dem Schwapp liegen noch reichlich Verbindlichkeiten, u.a. weil sich FW damit arm gerechnet hat. Hier hilft nur Druck auf die Stadt auszuüben.

  4. 4.

    Ja, ich weiss, immer nur fordern statt selbst verantwortlich zu sein ist viel leichter. Aber wenn es hier eine Nachfrage in der Region gibt sollte man das Bad den Bürgerinnen und Bürgern "übergeben". Eigenverantwortlich funktioniert das auch in anderen Bereichen meistens besser als wenn es der Staat, das Bundesland oder die Gemeinde macht. Das hat übrigens nichts mit links zu tun, sondern mit weniger all-inclusive-Staat und mehr Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Schließlich ist es unser Staat, den wir dann tagtäglich ein Stückchen mit gestalten können.

  5. 3.

    Hier geht es aber nicht um linke Phantasien, sondern schlicht und ergreifend um den Erhalt der einzigen Schwimmhalle zwischen Eisenhüttenstadt und Wildau !

  6. 2.

    Wenn Fürstenwalde 20 bis 30 Millionen Euro übrig hat, um ein weit in die Jahre gekommenes Schwimmbad zu restaurieren, dass danach wahrscheinlich weiterhin defizitär arbeiten und auf Dauer Zuschüsse aus dem Steuersäckel benötigen wird: Dann mal los!

    Stattdessen könnte man auch - mit den Berliner Jungunternehmern - versuchen, ein neues, über die Stadtgrenzen hinauswirkendes Fun- und Freizeitzentrum aufzubauen und so mehr Touristen (und somit Geld) in die Gemeinde zu holen... (ein passender Platz für die Sonne würde sich da vielleicht auch finden lassen?)

    Aber dass würde wahrscheinlich auch zu mehr Fahrzeugverkehr und zur Zerstörung der ländlichen Idylle im stillen, ruhigen Berliner Umland führen...

  7. 1.

    Macht die Bevölkerung der Region und die Mitarbeiter zu Miteigentümern. Das wäre mal ein spannendes Modellprojekt.

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