LGBTQI Brandenburg - Queerer Stammtisch sucht Austausch mit Polen

Viele tausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen des CSD Berlin beim Beginn der Demonstration (Bild: rbb/Brandenburg)
Bild: rbb/Brandenburg

Ein Stammtisch im Landkreis Märkisch-Oderland will homosexuelle Menschen in Brandenburg zusammenbringen. Und sucht dabei auch grenzüberschreitend den Austausch mit der queeren Szene in Polen. Von Uta Schleiermacher

Anlaufstellen für queere Menschen sind auf dem Land noch immer eher eine Seltenheit. Dabei ist der Beratungsbedarf für schwule und lesbische Jugendliche laut der Landeskoordinierungsstelle Queeres Brandenburg in den letzten Jahren gestiegen.

"Schwule und lesbische Jugendliche haben ganz häufig das Gefühl, keinen persönlichen Austausch haben zu dürfen", sagt Jirka Witschak, Projektleiter bei der Landeskoordinierungsstelle. "Aus solchen Situationen versuchen wir, die jungen Menschen zu befreien, in dem wir ihnen sagen: Hier kannst du Menschen treffen, die genauso fühlen wie du."

Offenheit in Ostbrandenburg

Gegründet wurde der queere Stammtisch von Gabriel, der seinen echten Namen nicht veröffentlichen möchte, im Oktober 2020. Als Gabriel vor einigen Jahren mit seinem Mann aus dem Prenzlauer Berg in Berlin nach Müncheberg (Landkreis Märkisch-Oderland) zog, war er eigentlich positiv überrascht von der Offenheit der Menschen in Ostbrandenburg. In Berlin habe er als schwuler Mann mehr Anfeindungen erlebt. "Selbst in den sicheren Ecken in Berlin gab es oft kleine Aggressionen oder komische Blicke, wenn man sich küsst oder händchenhaltend durch die Straßen läuft." In Müncheberg sei es anders gewesen. Das hat Gabriel selbst überrascht: "Bei der Nähe zu Polen und den vielen AfD-Wählern in der Region hätte ich mehr Probleme erwartet."

Queerer Stammtisch in Märkisch-Oderland

Ein solcher Treffpunkt ist der vor kurzem gegründete Stammtisch für queere Menschen in Märkisch-Oderland. Er richtet sich nicht nur an Jugendliche, sondern schwule und lesbische Menschen und Transpersonen aus allen Altersgruppen in Brandenburg. Die Koordinierungsstelle Queeres Brandenburg unterstützt den Stammtisch. Einmal im Monat finden die Treffen statt, bislang nur online.

 

Anlaufpunkt für homosexuelle Menschen

Trotz seiner positiven Erfahrung war es Gabriel wichtig, einen Anlaufpunkt für homosexuelle Menschen zu schaffen. Und den gab es in der Gegend nicht, die nächsten queeren Stammtische waren erst in Cottbus oder Berlin. "Das fand ich schade, wenn die Leute immer erst dorthin fahren müssen für den Austausch", sagt Gabriel. Ein Ziel für seinen Stammtisch wollte er nicht vorgeben. "Es gibt einige Mitglieder, die zusammen politische Aktionen mit Polen organisieren und es gibt andere, die sich einfach zum Kaffeetrinken treffen wollen. Es ist irgendwie alles dabei."

 

Vernetzung mit Polen

Ein Thema sei bei den Onlinemeetings aber auch besonderes Interesse gestoßen: Die Vernetzung mit der LGBTQ-Szene in Polen. "Wir haben festgestellt, dass die Menschen in Polen durchaus den Austausch mit Deutschland suchen. Und es gibt bei uns viele, die die Leute dort unterstützen wollen, weil die Situation für queere Menschen in Polen eine Katastrophe ist. Es gibt also den Wunsch von beiden Seiten, etwas zu verändern."

 

Gabriel kann sich vorstellen, dass sich auf Dauer in dem Stammtisch verschiedene Gruppen organisieren: Einerseits, um für die Rechte homosexueller Menschen in Polen zu demonstrieren, aber auch für gemeinsame Spaziergänge, fürs Kaffeetrinken oder Spieleabende.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.05.2021. 16.40 Uhr.

Beitrag von Uta Schleiermacher

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