Beeskow (Landkreis Oder-Spree) - Fabrikmitarbeiter fordern im 24-Stunden-Warnstreik Angleich der Ost-West-Löhne

Warnstreik Kunststoffhersteller Linpac in Beeskow mit IG BCE
Audio: Antenne Brandenburg | 06.05.2021 | Tony Schönberg | Bild: Tony Schönberg/rbb

In Beeskow haben die Fabrikmitarbeiter des Kunststoffwerks für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine Lohnangleichung an die der westlichen Bundesländer. Langfristig könnte es sonst an Fachkräften fehlen. Von Tony Schönberg

Die Beschäftigten des Kunststoff-Hersteller Linpac in Beeskow (Landkreis Oder-Spree) sind am Donnerstagmorgen in einen 24-Stunden-Warnstreik getreten. Dafür hat die Frühschicht ab sechs Uhr die Maschinen zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen etwa für Fleisch und Käse heruntergefahren.

Gewerkschaft fordert Lohn-Angleichung

Zum Streik hatten sich etwa 15 Beschäftigte und Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) vor den Werktoren zusammengefunden. Sie fordert für die rund 60 Festangestellten eine Lohnerhöhung von 600 Euro. Damit sollen die Gehälter annähernd an die Verdienste der Partnerbetriebe etwa im niedersächsischen Ritterhude bei Bremen angeglichen werden. Wie Gewerkschaftssekretär Anis Ben-Rhouma dem rbb am Donnertag gegenüber äußerte, verdienen Angestellte dort bei gleicher Tätigkeiten im Schnitt zwischen 700 und 800 Euro mehr. Am Beeskower Standort bewege man sich hingegen knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn. "Es sind 31 Jahre seit der Deutschen Einheit und da kann es nicht sein, dass die Löhne so auseinandergehen", sagt Ben-Rhouma. "Hier sind Leute, die haben nicht mal mehr erlebt, dass es die DDR gab. Die fragen sich, warum sie bei gleichen Kosten so viel weniger verdienen."

Kollegen an anderen Standorten zeigen sich solidarisch mit den Beeskowern. So sammeln die Beschäftigten am Werk in Ritterhude seit Donnerstag Unterschriften.

Neben einer Lohnerhöhung fordern die Beschäftigten zudem einen Corona-Bonus. Während der Pandemie gebe es in der Produktion keine Einschränkungen. Die Nachfrage sei sogar gestiegen, da Viele sich zu Hause mit Lebensmitteln eindecken, so ein Mitarbeiter.

Kampf um Fachkräfte

Laut IG BCE könnte das niedrige Lohnniveau zukünftig auch weitere Probleme für das Werk mit sich bringen. So fehle es bereits jetzt an Nachwuchs und Fachkräften. Die Konkurrenz in der Region etwa durch das Reifenwerk in Fürstenwalde sei groß. Auch die Ansiedlung des US-Autobauers Tesla in Grünheide erhöhe den Druck. "Die haben zwar keinen Tarifvertrag, stellen aber höhere Löhne in Aussicht", so Gewerkschafter Ben-Rhouda. "Wie soll ich einem Kollegen hier erklären, nicht zu Tesla zu gehen, wenn er ein Angebot bekommt?"

Keine Einigung über Tarifvertrag

Der Streik in Beeskow ist Teil eines grundsätzlichen Konfliktes zwischen der Gewerkschaft und dem Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband der Kunststoff Verarbeitenden Industrie Berlin-Brandenburg (AKB). Die IG BCE hatte einen Flächentarifvertrag gekündigt. Unterdessen forderte der AKB am Donnerstagnachmittag ein Ende der Streiks und rief zu neuen Verhandlungen auf. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber mit beispielsweise zwei Mal 2,5 Prozent mehr Lohn und einer Erhöhung der Nachzuschläge von 20 auf 25 Prozent sei angemessen. AKB-Geschäftsführer Nils Schuster teilte mit: "Angesichts von Pandemie und großer Unsicherheit gehen die Arbeitgeber damit an die Grenze des Leistbaren. Die Gewerkschaft darf den Boden der Realität nicht verlassen."

Gewerkschaftssekretär Anis Ben-Rhouma lehnte das Angebot ab. Sollte es keine Fortschritte geben, droht er mit weiteren 24-Stunden-Warnstreiks bereits in der kommenden Woche. Auch längere Arbeitsniederlegungen seien denkbar. Zunächst soll ab Freitagmorgen der Betrieb in Beeskow wieder anlaufen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.05.2021, 16:40 Uhr

Beitrag von Von Tony Schönberg

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ja und welche der Parteien interessiert sich ernsthaft dafür ?

  2. 1.

    Es ist eine Schande, was die Bundesregierung aus unseren hochqualifizierten Fachkräften in den 30 Jahren der Beitrittszeit gemacht hat. Billiglöhner. Das sollte man bei der Bundestagswahl im September nicht vergessen.

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