ArcelorMittal Eisenhüttenstadt - Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock zu Besuch im Stahlwerk

Annalena Baerbock steht in Schutzkleidung im Stahlwerk von ArcelorMittal
Audio: Antenne Brandenburg | 18.06.2021 | John-Alexander Döring | Bild: John-Alexander Döring/rbb

Mit Wasserstoff statt Kohle will ArcelorMittal bald grünen Stahl produzieren. Die Farbe passt bereits zur Partei von Kanzlerkandidat Baerbock, doch die Mitarbeitenden sind schwer zu überzeugen. Von John-Alexander Döring

Noch vor 2030 sollen in den beiden Flachstahlwerken Bremen und Eisenhüttenstadt rund 3,5 Millionen Tonnen Stahl klimaneutral produziert und so 30 Prozent weniger CO2-Emissionen ausgestoßen werden. In spätestens fünf Jahren soll bereits Schluss sein für die Hochöfen, obwohl sie noch funktionieren. Dann soll grüner Wasserstoff eingesetzt werden.

Mitarbeitende machen sich Sorgen

Für Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) ist das der richtige Weg, um auch in Zukunft international mithalten zu können. "Wenn in Zukunft Automobilhersteller und Kühlschrankhersteller sagen, tut mir leid, ich kann den Stahl nicht einbauen, weil die Vorgaben weltweit klimaneutralen Stahl verlangen, dann hat man auch mit Zitronen gehandelt", sagt die Kanzlerkandidatin der Grünen. Eingepackt in dicke Jacke, Schutzhelm und Brille lässt sie sich durchs Stahlwerk führen.

Die Mitarbeitenden von ArcelorMittal hören der grünen Kanzlerkandidatin bei ihrem Besuch am Freitag aufmerksam zu. Einer von ihnen ist Chris Rücker. Er arbeitet am Hochofen, der in wenigen Jahren abgeschaltet werden soll. Die Forderungen nach grünem Stahl seien gut und schön, doch er kritisiert den Zeitraum. "Keiner weiß, wie es weiter gehen soll. Ich mach mir richtig große Sorgen." Das aktuelle Konzept greife für ihn nicht.

Klimaneutraler Stahl bis 2050

ArcelorMittal will bis 2050 klimaneutralen Stahl produzieren, die Bundesregierung hat eine Förderung des Unternehmens auf dem Weg dorthin zugesagt. Doch die Genehmigung der Förderprojekte benötigt noch die Zusage der Europäischen Union, diese soll laut Auskunft des Unternehmens bis Anfang 2022 vorliegen. Auch über die Höhe der Förderung gibt es bisher keine Angabe.

Am Freitag äußern weitere Mitarbeitende ihre Sorgen. Fallen Arbeitsplätze weg? Können die Löhne erhalten bleiben? Und wird das Stahlunternehmen bei den Plänen finanziell ausreichend von der Politik unterstützt? Die Investitionen kosten schließlich. Die Grünen-Kanzlerkandidatin antwortet, sie will einen Pakt zwischen Industrie und Politik schaffen: "Aus meiner Sicht ist es so wichtig, dass Politik und Unternehmen zusammen mit Beschäftigten und den Gewerkschaften sich an einen Tisch setzen und beraten, wie wir diesen Wandel im Sinne der Beschäftigten schaffen können."

Mit gezielter Förderung wollen die Grünen den Mitarbeitenden Sicherheit für den Umbau geben. Hochofenmitarbeiter Chris Rücker konnte Annalena Baerbock die Sorgen mit ihren Aussagen allerdings nicht nehmen – für ihn ist das noch zu unkonkret. "Wir wollen, wir wollen – wir wollen alle", sagt Rücker, doch was schließlich herauskomme, das sei doch die Frage.

Beitrag von John-Alexander Döring

6 Kommentare

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  1. 6.

    Klar die Jobs und Steuereinnahmen schafft dann die Radfahrerindustrie. Der Wandel wird kommen, so oder so und ohne Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand wenn es nach ihnen geht.

  2. 5.

    Bei der Hitze war es sicherlich anstrengend, der Wasswrstoffstrategie der Bundesregierung hinterher zu hecheln.

  3. 4.

    Da waren die Beschäftigten bestimmt ganz aus dem Häuschen... LOL

  4. 3.

    Selbst Pflaumenmus wird in Deutschland "klimaneutral" hergestellt!
    Wer das Kleingedruckte aber liest, dem wird klar, dass das nur deshalb "klimaneutral" funktioniert, weil der Hersteller CO2 - Zertifikate in Ländern kauft, die wenig CO2 produzieren, zumindest offiziell.
    Alles ein Teil der großen Ökolüge, die der Verbraucher mit seinem schlechtgeredeten Gewissen teuer bezahlt.

  5. 2.

    Wenn ich immer von „klimaneutral“ lese, dann muss ich immer lachen…

    Die neue Steigerungsform ist ja „klimapositiv“…

    Genau so falsch und irreführend.

    Klingt alles nach dem alten Werbespruch: Mars bringt verbrauchte Energie zurück.

    Letztlich alles nur eine reine schönrechnerei und Begründung die Abgaben und Endpreise zu erhöhen.

  6. 1.

    Der Wandel wird kommen, so oder so und ohne Rücksicht auf "German Angst"
    Nur die Befürchtung das es der Michel wie bei der Autoindustrie versemmelt ist real.

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