Mit Feuer gegen die Schweinepest bei Neuzelle - Drei Monate nach der Aktion bewertet die Naturwacht den Schilfbrand als positiv

Neuzeller Niederung nach dem Schilf-Brand durch die Untere Naturschutzbehörde
Audio: Antenne Brandenburg | 15.06.2021 | Michael Lietz | Bild: Michael Lietz/rbb

Im März brannte im Kerngebiet der Afrikanischen Schweinepest bei Neuzelle eine Schilf-Fläche lichterloh. Laut Naturschutzbehörde war die Aktion ein Erfolg und das Gebiet erholt sich. Kritiker sehen dagegen nach wie vor Folgeschäden für die Natur.

In Sachen Afrikanischer Schweinepest ist die Lage in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Die Zäune zur Eindämmung entlang der Kernzonen und der Oder stehen und die Jäger sind in den betroffenen Gebieten für den Abschuss unterwegs. Allerdings jagt es sich schlecht, wenn die Wildschweine sich im Schilf verstecken. In der Neuzeller Niederung an der Oder (Oder-Spree) wurde deswegen Anfang März das Schilf auch abgebrannt. Weithin sichtbar stiegen die Schwaden gen Himmel auf.

Das Feuer war absichtlich gelegt worden. Man wollte auf zwei Hektar Schilffläche testen, ob man Verstecke von Wildschweinen ausräuchern kann. Viel Kritik haben deshalb Naturschutzbund und die untere Naturschutzbehörde einstecken müssen. Gründe dafür waren damals die Brutzeiten der Vögel und die Belastungen für die Umwelt.

Untere Naturschutzbehörde: Abgebrannte Flächen erholen sich

Nun hatte die Naturschutzbehörde erneut geladen, die Flächen zu inspizieren. So führten die Naturwächter Ines Friedel und Nico Brunkow am Dienstag mit dem Sonnenaufgang durch die Neuzeller Niederungen und lauschen, wie die Natur erwacht. "Wir haben hier jetzt Teichrohrsänger, Schilfrohrsänger und drei Rohrammern. Auch eine Grauammer ist da und sitzt hinten auf dem Baum, und der Kiebitz hat dieses Jahr auch vier Junge bekommen."

Brusthoch steht inzwischen das Schilf auf der Fläche des Naturschutzbundes - mittendrin zwei Bäume, die den Brand wohl nicht überlebt haben. Meterhoch schossen dort Anfang März die Flammen. Ein Test, um Wildscheinverstecke zu vernichten und zu zeigen, dass das Abbrennen von Schilf ökologisch sinnvoll ist. Der Test, sagt Ines Friedel, sei gelungen: "Wenn man jetzt diese Schilfbrand-Maßnahme mit einer kurzfristig verstärkten Jagd - bevor das Schilf wieder hochwächst - kombiniert hätte, dann hätte man eine Chance das frei von Wildschweinen zu bekommen."

Kritiker sehen langfristige Schäden

Viele hatten sich damals daran gestört, dass ausgerechnet die untere Naturschutzbehörde dem Abbrennen außerhalb der Schonzeit für Gehölze zugestimmt hatte. Ines Friedel begründet die Ausnahme mit dem langen Winter in diesem Jahr, plädiert aber bei einer weiteren Aktion auf den Herbst und damit außerhalb der Brutsaison.

Jagdpächter Danny Wittchen ist dagegen nach wie vor skeptisch, dass Aktionen wie die Feuersbrust etwas bringen. Er sieht auch über drei Monate nach dem Brand gravierenden Folgen für die Natur. "Kraniche und Schwäne, die früher hier mal drinnen waren, sind bis heute nicht zurückgekehrt. Auch die Bäume sind schwarz geblieben und Schwarzwild gibt es hier auch nicht mehr."

Die Naturwacht hält dagegen und gibt an, es seien noch genug Wildschweine in der Niederung. Sind die bis in den Herbst nicht weg, könnten wieder bis zu 30 Hektar Schilf in Flammen aufgehen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2021, 16:40 Uhr

Mit Material von Michael Lietz

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