Haus der Naturpflege in Bad Freienwalde gibt Wissen weiter - Mulchen als Gartenturbo im Gemüsebeet

Mulchen Bad Freienwalde
Bild: Isabell Röder/rbb

Das Frühjahr war feucht und kalt – doch jetzt können Zucchini und Tomate durchstarten. Wenn es im eigenen Gemüsegarten noch etwas kümmerlich aussieht, könnte diese Gartentechnik Abhilfe schaffen: das Mulchen.

Andere Gärten sind immer grüner als der eigene, meinen viele Hobbygärtner, wenn sie verstohlen auf die Beete ihrer Nachbarn schauen. Doch Mulchen, also das klein- oder großflächige Bedecken des Bodens mit verrotteten organischen Materialien, kann da schnell Abhilfe schaffen, denn hiermit kann langfristig der Untergrund fruchtbarer werden. In Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) im Haus der Naturpflege gab jetzt Gärtner Kai Merten sein Wissen an Interessierte weiter.

Mulchen Bad Freienwalde
Wunderkraft durchs Mulchen. | Bild: Isabell Röder/rbb

Mulchen ist eine echte Gartenphilosphie

Dabei sind Kiefernzapfen für den Mann mit den grünen Daumen das ideale Mulchmaterial. "Ich habe gesehen, wie sich die Erdbeerpflanze komplett in diesem Zapfen verwurzelt hat. Das hat mir gezeigt, nimm das Zeug und schmeiß‘ es auf den Boden, die Erdbeeren lieben das", erklärt Merten im Freienwalder Haus der Naturpflege hält. Hier wird die Gartenphilosphie des Mulchens gelebt und der Garten im Sinne der Gründer - Erna und Kurt Kretschmann - weitergeführt. Anfang der 1990er Jahre haben die Kretschmanns hier das Verfahren ausprobiert – und mit einem der ersten Standardwerke als Gartentechnik salonfähig gemacht.

Taugliches Mulchmaterial

Als Material eignet sich alles, was die Natur anbietet: angewelkte Gräser, Stroh, Kräuter, Nadeln, vermodertes Holz. Gemüse freue sich dann besonders, wenn es in trockenes Gras, Stroh und Kräuter eingepackt werde. Himbeeren und Erdbeeren nähmen auch gerne die Nadelhölzer, die ein saures Milieu im Boden bilden, sagt Kerstin Götter, Geschäftsführerin am Haus der Naturpflege. Falsch machen - etwa mit einer zu dicken Schicht an organischem Material könne man auf sandigen Böden kaum etwas, versichert Götter.

Schutz vor Austrocknung und Erosion

Der bedeckte Boden im Gemüsebeet schützt die Erde vor dem Austrocknen, bei Starkregen ist der Boden vor Erosion geschützt und auch Unkraut fällt es schwerer sich durch Stroh und Nadeln ans Licht zu kämpfen. Ein weiterer Vorteil liege im verbesserten Nährstoffangebot, sagt Kerstin Götter. "Wenn das Material langsam zersetzt wird, werden Nährstoffe freigesetzt und die ernähren erstmals die Mikroorganismen im Boden.“ Anschließend bereiteten diese die Nährstoffe für die Pflanze auf, so Götter.

Von der Wunderkraft des Mulches ist auch Rudolf Behm überzeugt. In grüner Hose, Hemd und Pullunder breitet der 90-jährige Chemiker Fotos vor den Seminarteilnehmenden aus. Zu sehen sind darauf steigende und abfallende Kurven, die für den Feuchtigkeitsgehalt im Boden stehen. Während die Kretschmanns vor etwa 30 Jahren das Mulchen als Praktiker in ihrem Garten ausprobierten, habe er den Effekt wissenschaftlich untersucht. Im Labor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde habe sich dann gezeigt, dass die Werte für Kalium, Stickstoff und Phosphor, die wichtigsten Pflanzennährstoffe, deutlich besser seien, erzählt der Wissenschaftler.

Überrascht habe ihn das keineswegs, sagt er mit wachen Augen. Denn schon der erste Griff in den Boden von Kretschmanns Garten sei vielversprechend gewesen: "Der Boden war locker, eine gute Eigenschaft. Er hatte Krümmel, eine zweite wertvolle Eigenschaft. Und dann habe ich daran gerochen. Er hatte einen guten Geruch nach lebendigem Boden." Die Ergebnisse fassten die Beiden Anfang der 1990er Jahre im Buch "Mulch total" zusammen. Die inzwischen fünfte Auflage des Standardwerks hat Behm noch mit Ende 80 überarbeitet. Am Haus der Naturpflege wird dieses Wissen regelmäßig weitergegeben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.06.2021,16:40 Uhr

 

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