Niederfinow | Barnim - Diskussion um Schiffshebewerk als Weltkulturerbe dümpelt vor sich hin

Innenansicht vom Schiffshebewerk Niederfinow in Brandenburg (Quelle: dpa/Ingo Schulz)
Sendung: Antenne Brandenburg | 24.06.2021 | Helge Oelert | Bild: dpa/Ingo Schulz

1934 ging das Schiffshebewerk Niederfinow ans Netz. Damit ist es eines der ältesten noch arbeitenden Deutschlands. Während man für Magdeburg-Rothensee kämpft, damit es auf die Welterbeliste kommt, macht man im Barnim kaum Anstalten. Von Helge Oelert

Auf die Liste der Weltkulturerbestätten zu kommen, ist so etwas wie eine Adelung. Wer den Titel trägt, zieht auch Touristen von weither an. Eigentlich würde man erwarten, dass sich alle Regionen den Kopf darüber zerbrechen, mit welchen Magneten sie in diese höchste Klasse aufsteigen könnten. Aber hierzulande scheint dies nicht der Fall zu sein, wie man an der Gegend um Eberswalde merkt. Dort liegt die Wiege der Preußischen Industrialisierung mit vielen einzigartigen Meilensteinen der Industriekultur. Doch in Nachbar-Bundesländern begreift man offenbar besser, welches Potential in dem Status als Weltkulturerbe liegt.

Details

Das Schiffshebewerk in Niederfinow im Barnim. (Quelle: rbb)
rbb

Bauzeit: 1927 bis 1934

Höhe: 60 Meter

Länge: 94 Meter

Breite: 27 Meter

Höhenunterschied: 36 Metern

In fünf Minuten gehts hoch oder runter. Der gesamte Schleusungsvorgang dauert 20 Minuten.

Es besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren und mit fünf Millionen Nieten zusammengehaltenen Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht, die 22 Meter ins Erdreich hinragen.

"Unbedingt" auf die Welterbeliste

Heute begeistert Hellmut Kluge als Pensionär Touristen von seinem ehemaligen Arbeitgeber. 50 Jahre lang kümmerter er sich als Elektromeister umd das Schiffshebewerk Niederfinow, ein Wunderwerk der Ingenieurkunst. Er ist klar der Auffassung, dass die Verantwortlichen es versuchen sollten, Niederfinow auf die Liste der Weltkulturerbestätten zu bekommen. "Unbedingt! Das Werk ist eine Leistung, die erbracht wurde, eine technische Errungenschaft, die nicht zu toppen ist", schwärmte Kluge.

Sachsen-Anhalt kämpft für sein Hebewerk um Aufnahme

Während man beim Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee (Sachsen-Anhalt) bereits für eine solche Aufnahme kämpft, scheint sich für Niederfinow niemand ernsthaft für den Welterbe-Eintrag zu engagieren. Dabei ist das Schiffshebewerk am Havel-Oder-Kanal vier Jahre älter, nahm am 21. März 1934 den Betrieb auf, schwärmt der Leiter des Kulturamts Eberswalde, Normen Reichelt. "Das ist ein richtig großes Technisches Denkmal, das bis heute im Betrieb. Hier laufen noch heute dieselben Räder. Das sind noch die gleichen Seile, die noch verwandt werden - Stahlseile. Ich wäre für einen Antrag", betonte Reichelt.

"Der Tourismus ist unser Tesla!"

Vor allem böte so ein Schritt enormes touristisches Potential. Man müsse das im Zusammenspiel mit den einzigartigen Meilensteinen der preußischen Industrialisierung am alten Finowkanal betrachten, betont auch Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). "Ich bin felsenfest davon überzeugt: Der Tourismus ist unser Tesla", sagt er. Wenn andere sich eine riesige Autofabrik bauten, dann wären das für Eberswalde und den Barmin nur die Touristen, so Boginski weiter. "Steck Dir große, weite Ziele! Wer nicht große Visionen hat, dann läuft ja auch nichts", erklärte er sein Mantra. Allerdings koste so ein Aufnahmeantrag viel Geld und sei sehr aufwendig. Daher scheint so etwas noch nicht in die Wege geleitet zu sein, hieß es.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.06.2021, 14:10 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Die Hindenburg Schleuse in Hannover ist noch älter und ebenfalls in Betrieb.
    Seinerzeit die Größte.

  2. 2.

    Es sollte dabei bedacht werden, dass Welterbetitel ein zweischneidiges Schwert sind. Ja, Touristen lockt so ein Titel
    an und zwar viele. Die Anwohner des Grumsin können das wohl bestätigen. Es braucht also auch die entsprechende
    Infrastruktur für die zu erwartenden Touristenströme. Die massive Zunahme touristischer Infrastruktur verändert wiederum die gesamte Region und das leider sehr oft zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. Also keine teure Bewerbung
    ohne Folgenabwägung und vernünftigte Steuerung zum Nutzen aller Akteure der Region und auch nicht ohne die lokale Bevölkerung nach ihrer Meinung zu fragen!

  3. 1.

    Diese Chance sollte auf jeden Fall genutzt werden.
    Es ist schließlich immer noch ein imposantes Bauwerk.

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