Alt Rosenthal (Märkisch-Oderland) - Verein lässt vergessene Gemüsesorten wieder neu aufleben

Gemüse säen (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.06.2021 | Isabel Röder | Bild: rbb

Gärtner und Gärtnerinnen schließen sich in einem Netzwerk zusammen, um Pflanzen Gemüsesorten neu anzubauen, die längst aus den Standartgärten verschollen sind. In Zusammenarbeit mit der HNEE und Humboldt Universität wollen sie die Sorten wieder in die Läden Berlins bringen. Mit Material von Isabel Röder

Es sprießt, blüht, summt und duftet. Für das ungeübte Auge ist der Saatgut- und Permakulturgarten in Alt Rosenthal ein Meer aus Grün. Doch Gärtnerin Ute Boekholt findet sich zwischen den etwa 500 Kräuter- und Gemüsesorten bestens zurecht. Die Namen der Pflanzen hat sie alle im Kopf. "Ein Polstertymian, Feilkresse, die Stachelbeeren, eine Krete, Salbei, Schafgabe - damit habe ich bestimmt noch nicht alles genannt, was nur an diesem kleinen Platz wächst", sagt sie.

Schauen und wachsen lassen ist das Motto in der Permakultur. Boekholt und ihre Kollegin greifen nur ein, wenn es eine Pflanze übertreibt. Schließlich soll noch Platz für die Samenproduktion sein. "Diese Salatfläche, das wäre zum Verkauf sehr, sehr wenig, das sind vielleicht 30 Pflanzen", sagt sie. "Aber das reicht uns für die Saatgutgewinnung."

Blühendes Gemüse ist gewollt

Sie freut sich daher auch besonders über lila erblühten Schnittlauch oder geschossenen Salat – das, was Gemüsegärtnereien eigentlich dringend vermeiden wollen, nämlich blühendes Gemüse, ist bei Ute Boekholts hochwillkommen. "Es ist wirklich sehr spannend, die Pflanze nochmal auf eine andere Weise kennen zu lernen", findet sie. "Normalerweise erntet man die Mohrrübe, man erntet den Kopfkohl. Aber wie das dann weitergeht, das ist eine super spannende Sache."

Seit 15 Jahren vermehrt die Gärtnerin seltene Gemüsesorten. Ihre Ernte lagert in einem dunklen, kühlen Raum. Ganz hinten im Kleiderschrank: Darunter alte Sorten, eine Filetbohne, und Salatsorten. Der Tong heißt ein Salat, erklärt Boekholts: "Den haben die Amish People in Amerika noch gerettet und der ist dann wieder nach Europa gekommen. Das ist ein ganz einfacher Pflücksalat."

Altes Gemüse im neuen Glanz

Manches, was bei Ute Boekholt im Schrank steht, gibt es nur hier. Sie gehört zu einem Netzwerk von Gärtnern und Gärtnerinnen, die gemeinsam mit der Humboldt Universität in Berlin und der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) probiert alte, vergessene Gemüsesorten wieder zu beleben. Seit Juni letzten Jahres bereichern vergessene Gemüsesorten schon Ladenregale in Berlin. In der Direktvermarktung soll  untersucht werden, wie diese Sorten von den Kunden angenommen werden. Beispielsweise werden diese im Hofladen der Domäne Dahlem in Berlin verkauft. Geplant sind weitere Kooperationen.

Sorten waren lange verschwunden

Früher wurden diese Gemüsesorten in den Haus- und Schrebergärten und auf Bauernhöfen angebaut. Doch in den letzten Jahrzehnten sind sie verschwunden, da die Ansprüche an Gemüse wie beispielsweise lange Haltbarkeit wichtiger wurden. Rund drei Viertel aller jemals gezüchteten Sorten, so schätzt es die Welternährungsorganisation, sind verschollen. Es ist auch möglich die Gemüsesorten im eigenen heimischen Garten anzubauen. Das Saatgut der historischen Pflanzen ist beim Verein Vern e.V. [vern.de] erwerbbar. Rund 2.500 Varianten von Nutz- und Zierpflanzen bieten sie an. In Greiffenberg in der Uckermark betreibt der Verein einen Schaugarten zur Besichtigung an.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.06.2021, 15:40

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