Bernau legt Fotobuch auf - Graffiti am ehemaligen Heeresbekleidungsamt für Ewigkeit festgehalten

Heeresbekleidungsamt Bernau Graffiti
Audio: Antenne Brandenburg | 22.07.2021 | Dilan Polat | Bild: Guiliana Kock/rbb

Bald sollen die Abrissbagger in Bernau anrücken und das alte Heeresbekleidungsamt für ein neues Wohngebiet wegreißen. Weil es viele sehenswürdige Graffiti überall am alten Gemäuer gibt, wurden sie für ein Buch fotografiert.

Die Bilder von maroden Gebäuden sind bekannt: zerschlagene Fenster, marode Treppen und aus den Wänden wächst schon Unkraut. Zusätzlich finden sich überall Graffiti. Ähnlich stellt die Situation im ehemaligen Heeresbekleidungsamt in Bernau (Barnim) aus, dass bald einer neuen Wohnanlage weichen soll. Allerdings haben sich Sprüher auf dem ehemaligen Kasernengelände sehr viel mehr Mühe gegeben, ist Bürgermeister André Stahl der Meinung und hat die Fassadenbilder kurzerhand ablichten lassen. Später, so ist es Stahls Vorstellung, dass die Pics in einem Buch zusammenfasst und herausgebracht werden sollen.

Heeresbekleidungsamt Bernau Graffiti
Bild: Guiliana Koch/rbb

Professionell fotografiert

"Wir hatten das schon eine ganze Weile auf dem Schirm", sagt Stahl dem rbb. Jetzt kurz vor dem Beginn der Sanierungsarbeiten habe sich die Stadt dazu durchgerungen, die Graffiti professionell fotografieren zu lassen. "So sind die Bilder erstmal gesichert", unterstrich das Stadtoberhaupt. "Wenn die Kunstwerke einmal nicht mehr da sein werden, wird auch das Interesse an den Graffiti steigen und dann werden wir auch eine entsprechende Publikation herausbringen", betonte Stahl.

Ein solches Buch soll nach Vorstellungen Bernaus in den kommenden zwei Jahre erscheinen. Bilder wie die eines Soldaten mit der Unterschrift "Halt einfach die Klappe" oder verschiedene Porträts, auch von einem KZ-Häftling, haben auf viele Betrachter bleibenden Eindruck hinterlassen. "Ich vor allem von der Professionalität und den unterschiedlichen Professionalitätsgraden", sagte André Stahl.

Künstlerischer und politischer Gehalt enorm

Sicher finde sich in und auf dem alten Gemäuer manche Schmiererei. Es gebe aber sehr viel mehr, wo Kunstfertigkeiten ausgelebt wurden, wo Stahl das Gefühl hatte, dass diese für die Nachwelt dokumentiert werden müssten. Natürlich ist Graffiti nicht der vorübergehende Charakter abzustreiten. "Es ist auch temporäre Kunst. Sie sind es aber einfach - vom künstlerischen und politischen Gehalt her - wert, dass sie erhalten bleiben", so Stahl weiter.

Schließlich sei auch der Ort, das ehemalige Heeresbekleidungsamt, ein historischer Ort. So wurden in den 1940er Jahren hier Wehrmachtsuniformen hergestellt und gelagert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kasernenanlage von den Sowjetischen Streitkräften genutzt und nach deren Abzug in den 1990er Jahren stand das 20 Hektar große Areal leer.

In Kürze soll das Gelände umgestaltet werden. "Dort sollen in großer Zahl Wohnungen, Gewerberäume und Gesundheitseinrichtungen entstehen", sagte der Bürgermeister. Bernau sei es gelungen einen Investor zu finden, der eine alte Militärbrache wieder in einen lebendigen Stadtteil verwandle.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne - Der Nachmittag, 22.07.2021, 14:10Uhr

Mit Material von Guiliana Koch

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