Nach Havarie unter der B 112 vor Eisenhüttenstadt - Tonnenschweres Rohrteil muss durch Spezialanfertigung ersetzt werden

Altes und neues Rohrstück bei der Firma Heckmann Stahl und Metallbau Ost.
Audio: Antenne Brandenburg | 06.07.2021 | Isabel Röder | Bild: Isabel Röder/rbb

Eine gebrochene Wasserleitung sorgt für Sperrungen auf der Bundesstraße 112 vor Eisenhüttenstadt. Doch die Reparaturarbeiten gestalten sich schwieriger als gedacht: für den rostigen Verursacher muss nun aufwendiger Ersatz in den Boden.

Seit über einer Woche ist die Bundesstraße B112 kurz vor Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) bereits gesperrt. Dort ist es am letzten Juni-Wochenende zu einer Havarie gekommen. Der Grund ist ein Wasserrohrbruch in sechs Meter Tiefe. Das teilte Heike Hermann, Vorsteherin des Trinkwasser- und Abwasserzweckverbandes (TAZV) Oderaue, dem rbb mit. Aus einer zentralen Leitung unter der Straße sei ein Rohr an einem Wasserschieber durchgerostet und Wasser ausgetreten. Das habe dafür gesorgt, dass die B 112 abgesackt ist.

Kein Ersatz von der Stange

Mit dem Wasserschieber könne das Rohr verschlossen werden, so Hermann. Doch die beschädigten Teile mit fast einer Tonne Gewicht mussten ausgebaut werden. "Das Stück ist fast zwei Meter lang und hat einen Durchmesser von 50 Zentimeter", so die TAZV-Vorsteherin.

Aufgrund der schieren Größe gestalten sich die Arbeiten allerdings komplizierter als zunächst gedacht. Das undichte Rohr einfach auswechseln sei nicht möglich. Für das 50 Jahre alte Stahlstück muss nun eine Sonderanfertigung her. "Das Problem ist, dass einfach eine herkömmlichen Einbau-Stücke darein passen, sondern für die Lücke eine Spezialanfertigung hermuss." Und gefertigt wird die gleich nebenan beim Heckmann Stahl- und Metallbau Ost in Eisenhüttenstadt.

Spezialanfertigung aus der Nachbarschaft

Das alte Stück Wasserleitung hat schon bessere Zeiten gesehen und sieht arg in Mitleidenschaft gezogen aus. Roter Rost und zwei Löcher haben sich in das Metall gefressen, die Schrauben sind verschlissen. Helgo Stolz, technischer Geschäftsführer des Stahlbauers Heckmann, begutachtet das zwei Meter lange Stahlstück. "Da ist das Wasser dann raus", sagt er. "Durch diese großen Löcher, wo früher einmal ein Rohranschluss war."

Ein schlecht verschlossener Wasseranschluss hat zu dem Leck geführt, dass für die Havarie an der Zufahrtsstraße zur Stahlstadt sorgte. Jetzt steht das ausgebaute Stahlstück bei der Firma Heckmann in der Werkshalle. Eine Reparatur ist ausgeschlossen und eine Sonderanfertigung, die genau in die Lücke passt, muss her. Vorarbeiter Olaf Krieg legt nochmals den Meterstab an. "Wir haben jetzt hier einen Innendurchmesser von 495 Zentimeter und werden gucken, wie wir es dann zusammenkriegen."

Das neue Edelstahl-Blech liegt schon bereit. Damit es zum Rohr wird, muss die Naht noch verschweißt werden. "Wir schweißen hier alles per Hand", sagt Krieg. "Wenn wir jetzt feststellen, dass wir etwas zu groß sind, dann schneiden wir das mit der Flex nach. Das kriegen wir schon hin."

Sperrung bis Ende Juli

Einzelanfertigungen aus Metall sind für die Firma Heckmann Alltag. Dass es so schnell gehen muss aber nicht ganz. In einer anderen Halle wird schon an der Rohrverbindung gearbeitet. Geschäftsführer Stolz erklärt: "An beide Rohrseiten kommt ein Flansch - also eine runde Scheibe mit vielen Löchern - rein. Die Flächen werden bearbeitet, dass man wirklich eine Dichtfläche hat." Zwei Ringe mit zwanzig Löchern, die genau auf die Rohrenden passen müssen, die schon seit 50 Jahren in der Erde liegen. Sobald alles verschweißt ist, muss der Edelstahl noch gegen Rost behandelt werden. Damit sich keine Oxidschicht bildet, wandert das neue Wasserrohr noch für etwa vier Stunden in ein Beizbad aus Säure. "Damit ist es langlebig und sollte die nächsten 50 Jahre problemlos halten", so Stolz.

Am Donnerstag soll das neue Rohrstück eingesetzt werden. Die B112 bleibt an der Anschlussstelle Pohlitz voraussichtlich bis Ende Juli gesperrt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.07.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Isabel Röder

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich sag jetzt mal: respekt, wer´s selber macht. Und das meine ich ernst.
    Und man sieht mal wieder, wie lange das Teil gehalten hat.

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