Beeskow (Oder-Spree) - Linpac-Mitarbeiter einigen sich nach Streiks mit Arbeitgeber

Anis Ben-Rhouma von der IG BCE in Beeskow vor Linpac
Audio: Antenne Brandenburg | 03.08.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Im langen Tarifstreit beim Verpackungshersteller Linpac in Beeskow hat es eine Einigung gegeben. In mehreren Stufen bekommen die 60 Beschäftigten bis zum März 2023 rund 400 Euro brutto mehr im Monat. Trotzdem fürchten Mitarbeiter um ihren Standort.

Der Arbeitskampf in der Filiale des Verpackungsherstellers Linpac in Beeskow (Landkreis Oder-Spree) ist beigelegt. Wie die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) am Dienstag vor den Werkstoren mitteilte, habe man sich mit dem Arbeitgeber auf einen Tarifabschluss geeinigt.

Noch keine Ost-West-Angleichung

Die Einigung kommt jetzt überraschend, denn die Lage in Beeskow schien nach drei Warnstreiks festgefahren, hieß es bereits am Montag in einem Schreiben. Es stand bereits die Urabstimmung und ein unbefristeter Ausstand der 60 Beschäftigten im Raum. Jetzt vermeldet die IG BCE die Kehrtwende.

Die eigentlich angestrebte Angleichung der Löhne in Ost und West gelang zwar nicht. Die Mitarbeiter aus dem Partnerbetrieb des Kunststoffherstellers Klöckner Pentaplast im niedersächsischen Ritterhude bei Bremen bekamen nach Angaben der Gewerkschaft bisher knapp 800 Euro mehr pro Monat. Es konnte aber eine "dauerhafte und beachtliche Beeskow-Prämie" für die 60 Beschäftigten ausgehandelt werden. Die IG BCE habe für die Mitarbeiter nun in mehreren Stufen bis März 2023 400 Euro mehr ausgehandelt. Darin sind unter anderem eine feste Prämie von 200 Euro brutto enthalten.

"Da fehlen noch 400 Euro, aber wir können natürlich auch nicht unsere Forderungen unendlich hochtreiben", sagt Verhandlungsführer und Gewerkschaftssekretär Anis Ben-Rhouma. Man habe einen Vertrag mit überproportionalen Erhöhungen verhandelt. In den unteren Entgeld-Gruppen bedeute dies eine Lohnsteigerung von bis zu zwölf Prozent. Erste Schritte in die richtige Richtung seien getan, so Ben-Rhouma weiter. "Die Frage ist halt, wie der Konzern auch zukünftig diesen Gehaltsunterschied rechtfertigen kann. Wir haben bisher schon keine richtige Rechtfertigung dafür gehört."

Sorge um Beeskower Standort

Dennoch habe die Tarifkommission aus Werksmitarbeitern das Angebot angenommen. Dort wo am Dienstag der neue Tarifabschluss vor den Werkstoren verkündet wurde, hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Warnstreiks gegeben. Ein unbefristeter Streik wäre der nächste Schritt gewesen. Ein Risiko, sagt Ben-Rhouma: "Wenn man in einen Streik geht, weiß man nicht 100-prozentig was passiert. Es kann sein, dass man über die Sinnhaftigkeit dieses Standortes insgesamt diskutiert."

Allerdings geht vielen Mitarbeitern die Einigung nicht weit genug. Mit dem neuen Tarifvertrag verdient ein Mitarbeiter mindestens etwa 2.000 Euro brutto, und damit jetzt deutlich über der Grenze des Mindestlohns. Für mehrere der rund 60 Beschäftigten sei das immer noch zu wenig. "Ich habe meine Zweifel, dass dieser Abschluss reicht, um den Standort langfristig zu sichern, weil wir ein extremes Problem haben Nachwuchs zu rekrutieren", äußerte eine langjährige Mitarbeiterin. Auch lockten andere Arbeitgeber in der Umgebung mit besseren Arbeitsbedingungen. So seien die hohen Temperaturen in der Werkshalle im Sommer oder der Vollzeit-Schichtbetrieb unattraktiv für Arbeitnehmer, erklärte ein anderer Mitarbeiter. Daher müsse ein entsprechender Lohn her, um Fachkräfte zu binden.

Bereits jetzt gebe in Beeskow Nachwuchsprobleme. Aktuell sei lediglich ein Auszubildener beschäftigt, obwohl fünf Plätze zur Verfügung stünden. Der Gewerkschaft will deswegen auch vor Ende des neuen Tarifvertrages 2023 noch einmal über bessere Arbeitsbedingungen verhandeln.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.08.2021, 16:10 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf

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