Diskussion um einer der größten Industrieansiedlungen in Brandenburg - Tesla hat bereits riesige Footprints in der Region hinterlassen

Do 19.08.21 | 13:22 Uhr
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AntenneStammtisch Gruenheide
Audio: Antenne Brandenburg | 19.08.2021 | Lucia Heisterkamp | Bild: Michel Nowak/rbb

Tesla in Grünheide ist in aller Munde und bestimmt zielgerichtet die Agenda. Sei es das rasante Bautempo mit den Vorabgenehmigungen, die Probleme mit der Umwelt und Protesten der Anwohner oder die Jobmaschine mit Elektromobilität.

„Stecker rein und los geht`s … Wie verändert Tesla Brandenburg?“ - das war das Motto des Antenne Stammtisches am Mittwoch in Grünheide. Wenn es nach den unterschiedlichen Protagonisten geht, ist die Entwicklung rasant. In wenigen Monaten ist schon jetzt ein riesiger Industriekomplex entstanden. Alles mit vorläufigem Baurecht - was in Deutschland sehr spärlich gesät ist - und wenn die abschließende Genehmigung versagt bliebe, wieder abgerissen werden müsste.

Anwohner und Umweltverbände sehen durch neuerliche Pläne des US-Konzerns, auch eine Batteriefabrik in Grünheide zu erreichten, erhebliche Gefahren, dass die Umwelt im Fall einer Störung kontaminiert werden könnte. Auch reiche das Wasser in der Region nicht aus. Andere sehen den enormen Fortschritt, den die Region schon jetzt genommen hat. Allein die Verkehrsanbindung sei schon jetzt sehr viel besser geworden.

Erstmals Bürgermeister und BI-Sprecher in einer Gesprächsrunde

Und so wurde im Biergarten des Heydewirts in Grünheide, der Bühne des Antenne Stammtisches, angeregt diskutiert. Mit dabei waren einige, die man schon oft gehört hat, wenn es um Tesla geht. Beispielsweise zu nennen sind Grünheides Bürgermeister Arne Christiani und Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Grünheide (BI). Gemeinsam allerdings standen sie noch nie auf der Bühne – nun geht es um die Frage, ob Tesla ein Gewinn für die Region ist.

Für Schocht aber gar keine Frage: "Nee für Herrn Musk ist das ein Lottogewinn, dass er hier baut und so viele Fördermittel bekommt. Es wird ihm alles bezahlt", erklärte Schorcht. Zuvor hatte Bürgermeister Christiani von einem "Sechser im Lotto" für die Gemeinde und die ganze Region gesprochen. Allein die weltweite mediale Präsenz habe zu genommen. So habe die New York Times schon mehrmals über Grünheide berichtet. Auch Birgit Flügge von der Landesentwicklungsgesellschaft bestätigt, dass viele Unternehmen jetzt wüssten, wo Brandenburg auf der Karte läge. "15 Jahre haben wir für eine bessere Taktung des Regionalexpress gekämpft. Jetzt ist sie da", unterstrich Christiani.

Mehr junge Leute durch die Ansiedlung für die Region

Marco Miethe von der Docemus Privatschule in Grünheide ergänzte, dass mit der Ansiedlung von Tesla mehr junge Menschen in die Region kommen. "Wachstum kann für eine Schule pauschal gesagt nicht schlecht sein. Mehr Zuzug bedeutet für unsere Schule mehr Interessenten. In der Richtung sehen wir sehr viel Potenzial auch was mögliche Ausbildungsplätze, Praktika oder Kooperationen mit Tesla angeht", so Miethe.

Immer wieder ging es um das Thema Klimaschutz und die Frage, welche Rolle Tesla dabei spielt. Christiane Schröder vom Nabu findet: "Tesla kann eine Chance sein. Das hängt von ganz vielen Umständen ab: Wo bekommen wir die Energie her? Wir erzeugen wir diese? Wie können wir inteligente Lösungen finden?"

Bis 2032 will 50 Hertz den Stromverbrauch über erneuerbare Energien decken

Dass viel passieren muss in Sachen Energiewende, immerhin darin ist sich die Runde einig. Olivier Feix vom Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz stellt in dem Zusammenhang die besonders ehrgeizigen Ziele seines Unternehmens vor. "Mit unserer Stratege wollen wir in unserem Gebiet sicherstellen - das sind die Neuen Bundesländer und Hamburg - rechnerisch alles über Erneuerbare Energien gedeckt wird. Damit sind wir Vorreiterregion, wollen alle zeigen, dass die Energie- und Klimawende gut laufen kann", so Feix. Schon jetzt liegt die Ökostromquote bei 50 Hertz bei 60 Prozent. Bis 2032 werden 100 Prozent sein, betonte der Chef der Unternehmensentwicklung von 50 Hertz.

Tesla will Betriebsrats-Gründung nicht im Weg stehen

Es sind aber auch Fragen nach den Arbeitsbedingungen bei Tesla, die einige an diesem Abend umtreibt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) entgegnet dazu: "Was ich hier dazu sagen kann ist, das wir die ganz klare Zusage des Arbeitsdirektors von Tesla haben, dass er deutsches Arbeitsrecht absolut respektiert und das dazu auch die Gründung eines Betriebsrats gehört und das Tesla in Grünheide nichts unternehmen wird, die Gründung eines Betriebsrats verhindern wird."

Dass beim Stammtisch an diesem Abend so viele unterschiedliche Stimmen zu hören sind, das sehen die meisten Gäste sehr positiv. "Ich fand die Diskussionsrunde insgesamt spannend. Ich glaube, dass die kritische Begleitung sinnvoll ist. Mir fehlt ein bisschen die Zukunftsvision und auch die Chance, etwas tatsächlich gemeinsam zu entwickeln und nicht nur immer dagegen sind." Nur einer fehlt mal wieder in der Rrunde – ein Vertreter von Tesla selbst.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.08.2021, 14:10 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Ich sage es ihnen noch einmal, das sind die Worte ihres Ministerpräsidenten, d.h. falls sie Herr Neumann wirklich aus Berlin sein sollten, was ich bezweifele, weil sie nie die Wahrheit sagen, ist der Herr Woidke nicht ihr Ministerpräsident, sie Glücklicher, sondern nur der Ministerpräsident der Brandenburger Bürger, leider. Was der Mann damals in die Kamera gequatscht hat, ist sowieso nur das übliche Gewäsch gewesen. Wenn sie wissen wollen, was er gemeint hat, dann müssen sie ihn und nicht mich fragen. Er antwortet dann vielleicht mit:

    Hoch auf dem gelben Wagen
    sitz ich beim Schwager vorn.
    Vorwärts die Rosse traben
    lustig schmettert das Horn.
    Felder und Wiesen und Auen
    wogendes Ährengold.
    Ich möchte ja so gern noch bleiben,
    aber der Wagen, der rollt.

  2. 21.

    Hier werden Milliarden an Fördermittel bereitgestellt, um am Ende mit 600kg Akku 50-100kg Mensch zu befördern.

    Wenn dann noch die Flächen der „erntereifen und minderwertigen Kiefernwälder“ – wie sich so Mancher auszudrücken gedenkt - in Bauland verwandelt werden, hat man die Energiewende verstanden und ist gewissermaßen „just in time“, wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels geht.

    Es muss nicht immer „Grün“ sein, es reicht aus, wenn es sich so anfühlt.

  3. 20.

    Immer, wenn Sie so reagieren, habe ich Sie bei einer Falschbehauptung erwischt. Das machen Sie sehr oft. Der WSE hat, auch wenn das Ihnen nicht in den Kram passt, sehr wohl zwischen privaten und gewerblichen Kunden unterschieden.

  4. 19.

    LOL! Felder im Industriegebiet Freienbrink-Nord! Vom angeblich wie von Gerhard fpr einem für Tesla umzuwandelnden Naturschutzgebiet ist da aber nicht die Rede.

  5. 18.

    Ah, damit ist sowohl die Falschbehauptung zur Umwandlung eines NSG! Es ist einfach eine allgemeine Landschaftsbeschreibung. Schließlich wurde wegen der Kiefernmonokultur kein Ackerbau in Industriegebiet Freienbrink-Nord betrieben. Danke! Dass das bereits unter Stolpe überplant wurde, verschweigen Sie natürlich wieder mal geflissentlich.

  6. 17.

    Doch, es geht genau um die Aussage auch wenn Sie ebenfalls fühlen, dass das mal wieder eine der unzähligen Falschbehauptung gewesen ist. Der Rest ist dann eine Ihrer gewöhnlichen Dystopien, weil Sie die Produkte für sinnlos halten, da Ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass viele Menschen auch mit Freunden oder Familie unterwegs sein wollen.

  7. 16.

    Dass Sie es nicht mögen, vorgeführt zu werden, ist nichts neues. Deshalb auch Ihre Verleumdung zum Auftraggeber. Das hatten wir erstmals im Winter 2019/2020 gehabt, als Sie sich in die Enge gedrängt gefühlt hatten.

  8. 15.

    Herr Neumann ich habe eine Quelle und zwar Frontal 21 vom 16.03.2021 ab 02:41 Minute. Hier noch einmal Herrn Woidkes schmalzigen wie er immer wieder beweist unehrlichen Worte:

    "Elon Musk ist später noch einmal über das Areal geflogen.:
    Sie sehen wunderbare Natur!
    Sie sehen grüne Wälder, Felder und
    sie sehen den Berliner Fernsehturm in der Ferne.
    Das kann ihnen nur Brandenburg in dieser Art bieten."

    Die grünen Wälder stören Elon Musk, deshalb lässt er sie niedermachen und Dietmar Woidke sind sie anscheinend scheißegal.

  9. 14.

    "... dass Tesla noch mehr "Wald in Grünheide" gekauft haben soll. ..."
    Es geht nicht nur darum, ob und wieviel zusätzliche Waldflächen Tesla benötigt.
    Tatsächlich aber werden für die Tesla-Ansiedlung weitere Waldflächen geopfert, letztendlich mit dem Ziel, die gesamte Region als großflächig gewerblich-industrieller Vorsorgestandort auszuweisen.

  10. 13.

    Herr Neumann stottert, kein Wunder, wenn er von seinem Auftraggeber gezwungen wird, etwas zu sagen, aber nur heilloser Unsinn seiner Tastatur entfleucht. Gleich 3 mal hintereinander jeweils anders verstümmelt, durfte ich diesen Murks ich auf der vorhergehenden Kommentarseite lesen:

    „Die WSE sprach explizit von Privatanschließern, an wenn Ihnen viele Aussagen der WSE nicht in Ihr Konstrukt aus Falschbehauptungen passen"

    "Herr Neumann wo leben sie denn?", würde Loriot vielleicht jetzt sagen statt "Wohin Laufen sie den?" Zu ihrer Information auch die meisten Gewerbe sind heutzutage privat, sogar Tesla ist privat. Sie nehmen zur Diffamierung der Grünheider natürlich solche Zahlen, wo Großabnehmer von Wasser mit eingehen, wie z.B. das GVZ. Später, wenn Tesla in Vollproduktion sein sollte, werden sie bestimmt behaupten, dass auf Grund des "positiven" Tesla-Einflusses der Verbrauch auf Null gesenkt wurde, weil sie dann nur den Wasserverbrauch der Obdachlosen berücksichtigen.

  11. 12.

    Ganz frisch bei der Süddeutschen direkt aus dem dpa-Newskanal: Die grüne Liga hat Bedenken, weil bei der Battereifertigung zu viele Stoffe in unbekannter Menge eingesetzt werden, die Tesla nicht der Öffentlichkeit hat zugänglich gemacht und auch zu Überdachung des Tanklager.

  12. 11.

    Danke! Ich schaue es mir nachher mal an. In der Zwischenzeit können Sie ja schauen, ob es eine Quelle für Ihre Aussage gibt, dass Tesla noch mehr "Wald in Grünheide" gekauft haben soll.

  13. 10.

    Frontal 21, die bekannte Dokumentation. Ab min 2.40 geht's los. Herr Woidke strahlt richtig bei der Beschreibung der angepriesenen Flächen. Ich bin gespannt, wie sie es interpretieren.

  14. 9.

    Das meint übrigens Tante Google: "Deine Suchanfrage ""Woidke" "wunderschön" "natürlich" "Grünheide" "Musk"" stimmt mit keinem Nachrichtenergebnis überein." Haben Sie einen Link parat, der Ihre Aussage bestätigt?

  15. 8.

    Dumm nur, dass Herr Woidke im Interview selbst zugegeben hat wie wunderschöne grün und natürlich Grünheide ist, als er beim geheimen Überflug den Grünheider Wald als Industriegebiet verkauft hat.

  16. 7.

    Bitte wenden Sie sich an die Süddeutsche und fragen dort nach, warum die nur unvollständig berichtet haben. Oder Sie schauen einfach mal in die alten Artikel des RBB zur Standortentscheidung von Tesla.

  17. 5.

    Die Presse berichtete allerdings sehr wohl von einem Interesse des Freistaates, Tesla in Bayern anzusiedeln. Die hätten Tesla gerne im Hof nahe der ehemaligen Zonengrenze gesehen.
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/e-mobilitaet-bayern-buhlt-um-tesla-fabrik-1.4077684

  18. 4.

    Warum sollte über die Umwandlung eines Naturschutzgebietes nur ein Wort verloren werden, wenn das jenseits Ihrer blühenden Dystopien in der Realität gar nicht vorgesehen ist? Dass das Industriegebiet Freienbrink-Nord mit Beteiligung der Öffentlichkeit aus dem LSG heraus gelöst worden ist, ist dabei ja ein uralter Hut.

  19. 3.

    Sie kennen doch unsere Gegend gar nicht. Warum maßen Sie sich so ne Aussage an? Wem sollen wir danken? Den Bayern? Und wofür? Ich kann Ihnen versichern: So eine Firma wollten die da gar nicht haben....Und euch bleibt eure Begeisterung noch im Halse stecken, dazu muss man sich kurz mal anschauen was der gute Herr Musk so treibt, wenn er seinen Willen nicht bekommt... Aber hinterher will es wieder keiner gewesen sein.

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