Bundestagswahl: Wahlkreis 59 zwischen Rüdersdorf und Golzow - Wer schafft es in den Bundestag? Die Direktkandidat:innen im Überblick

Farbenprächtig leuchtet der Sonnenaufgang über der Landschaft am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder am Rande des Oderbruchs in Ostbrandenburg. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Mehr Geld für E-Ladesäulen, bessere Ausrüstung für die Bundeswehr und ein "Recht auf Reparierbarkeit": Die Direktkandidat:innen im ostbrandenburgischen Wahlkreis 59 haben sehr unterschiedliche Pläne für Deutschlands Zukunft. Ein Überblick.

Es könnte ein enges Rennen werden bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 59, zu dem Märkisch-Oderland und Teile des Barnim gehören. Vor vier Jahren gewann dort zwischen Rüdersdorf und Golzow die CDU das Direktmandat, bei der Landtagswahl 2019 war die AfD in der Region stark, jetzt scheint die SPD im Aufwind. Aber wer sind die aussichtsreichsten Kandidat:innen, die in dem Ostbrandenburger Wahlkreis um Erststimmen kämpfen?

Dr. Sabine Buder (CDU) (Quelle: Marco Riedel)
Bild: Marco Riedel

Überraschung bei der CDU

Sabine Buder aus Biesenthal tritt für die CDU an. Sie hat sich etwa die Familienpolitik auf die Fahnen geschrieben. "Familien haben keine Lobby und sie werden sie auch nicht bekommen, wenn weiter Rentner die Parlamente bevölkern", sagt Buder, die als Tierärztin arbeitet. “Wir müssen es schaffen, dass mehr Eltern an die politischen Verhandlungstische kommen.” Buder - selbst Mutter von vier Kindern - will daher etwa das Elterngeld verlängern. Bundesweite Aufmerksamkeit erregte die 37-Jährige, als sie Sexismus auch in ihrer eigenen Partei ansprach. “Da ist dann die erste Nachfrage von einem Mann: Wollen sie deinen Arsch oder deine Expertise”, erzählt Buder, die sich CDU-intern überraschend gegen ihren langjährigen Vorgänger Hans-Georg von der Marwitz die Direktkandidatur holte.

Simona Koß (SPD) (Quelle: dpa/Nestor Bachmann)
Bild: dpa/Nestor Bachmann

SPD setzt auf Erfahrung

Simona Koß tritt für die SPD an. Die ehemalige Schulleiterin sitzt schon im Brandenburger Landtag und ist ehrenamtliche Bürgermeisterin von Prötzel. Sie setzt daher auf Erfahrung und will sich vor allem für besser bezahlte Pflege einsetzen. Ihr sei wichtig, "dass Menschen in ihrem Umfeld bleiben können, gerade im ländlichen Bereich." Die 60-Jährige will daher auch auf dem mehr Land mehr Wohngemeinschaften für Senioren einrichten und auch "andere Möglichkeiten zum betreuten Wohnen finden". Auch die Verkehrsinfrastruktur auf dem Land liege ihr am Herzen.

Lars Günther (AfD) (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Bild: dpa/Soeren Stache

AfD betont "traditionelles Rollenbild"

Auch AfD-Politiker Lars Günther Chancen kandidiert für das Direktmandat. Der Bad Freienwalder sitzt seit 2019 im Landtag und war zuletzt vor allem durch die Teilnahme an Querdenker-Demos und Kontakte zum rechtsextremen Flügel der AfD aufgefallen. Als Direktkandidat möchte er sich für eine restriktivere Migrationspolitik und mehr Abschiebungen einsetzen. "Dass wir nicht alle ins Land lassen können, das muss man sagen dürfen." Der 45-Jährige begrüße nach eigenen Angaben mehr Frauen in der Politik, verweist aber auch auf "das traditionelle Rollenbild". "Die Mutter ist in jungen Jahren die Bezugsperson für die Kinder. Der Vater steigt meiner Meinung nach später ein. Das muss man einfach wissen", sagt Günther.

Kim Stattaus (Bündnis 90/Die Grünen) (Quelle: Bündnis 90/Die Grünen Barnim)
Bild: Bündnis 90/Die Grünen Barnim

Grüner fordert "Recht auf Reparierbarkeit"

Kim Statthaus kämpft für die Grünen ums Direktmandat im Wahlkreis 059 - Märkisch-Oderland - Barnim II. Stattaus liegt nach eigenen Angaben vor allem der Verbraucherschutz am Herzen. So will sich der Wirtschaftsingenieur etwa für ein Recht auf Reparierbarkeit bei vielen Produkten einsetzen. Auch will der 43-Jährige verhindern, dass Hersteller Produkte gezielt so bauen, dass sie schnell kaputt gehen. Stattaus wohnt in Bernau, aber weiter östlich in Märkisch-Oderland ist es nicht gerade gut um E-Ladesäulen bestellt. Stattaus fordert daher: "Die Gemeinden müssen verpflichtet werden, vielleicht für jedes zehnte zugelassene Kraftfahrzeug eine Schnellladesäule zu errichten." Dafür soll auch eine Förderung her.

Linken-Direktkandidat Niels-Olaf Lüders. (Quelle: Die Linke/Catrin Wolf/presse)
Bild: Die Linke/Catrin Wolf/presse

Linke will mehr staatliche Busse und Bahnen

Linken-Direktkandidat Niels-Olaf Lüders setzt dagegen auf öffentlichen Nahverkehr, auch in den Weiten des Oderbruchs. "Da müssten hauptsächlich kleine Rufbusse zum Einsatz kommen, die man an bestimmten Säulen anfordern und so zur Bahnverbindung kommen kann", sagt der Strausberger, "Das kann man natürlich wunderbar mit E-Mobilität koppeln." Um das umzusetzen, kommt für den auf Ausländer- und Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt, auch eine Verstaatlichung des ÖPNV infrage. Auch in der Gesundheitsversorgung will Lüders nach eigenen Angaben die Profitorientierung beenden, indem etwa Krankenhäuser von Kommunen betrieben werden. Der verheiratete Vater eines Kindes nennt außerdem eine "gerechtere Wirtschaftspolitik" als zentrales Anliegen.

Mirko Dachroth (FDP) (Quelle: Verena Braasch)
Bild: Verena Braasch

FDP Kandidat fordert europäische Armee

Mirko Dachroth, Direktkandidat der FDP, will dagegen anders an die Mobilitätswende auf dem Land rangehen. Er setzt nicht nur auf elektrische Autos, sondern will einen Mix aus verschiedenen Antrieben. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Freiraum haben, diese Antriebe zu entwickeln." Dachroth will daher etwas an "elendig langen Zulassungsprozessen", die die Entwicklung von klimaneutralem synthetischem Sprit erschwerten. Als Berufssoldat will sich Dachroth im Bundestag vor allem in der Sicherheitspolitik einbringen und hier etwa die Ausrüstung der Bundeswehr verbessern. Langfristig strebt Dachroth eine europäische Armee an.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.09.2021, 14:10 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich wünsche mir nur, dass die Sitze im Parlament nicht das Soll überschreiten. Sonst ist mir egal, wer dort sitzt. Es denkt doch jeder nur zuerst an sich.

  2. 1.

    Mal sehen, wen die Leut:Innen wählen.

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