Wichtiges Erbe bewahren - Jüdische Geschichte in Schwedt wird ein Stück greifbarer

Schüler erkundigen sich über jüdisches Leben in Schwedt. (Quelle: Riccardo Wittig/rbb).
Audio: Antenne Brandenburg | 20.09.2021 | Riccardo Wittig | Bild: Riccardo Wittig/rbb

Jüdische Geschichte wird in Schwedt ein Stück weit plastischer. Gerade ist ein Seminarzentrum auf dem Gelände der alten Synagoge eröffnet worden. Brandenburgs einzig erhaltenes Ritualbad gilt es zu besichtigen. Schulklassen erhalten tiefe Einblicke.

Die Erinnerung an jüdisches Leben in der Uckermark und in Schwedt ist der Oderstadt ein Anliegen. Über den Mauern der ehemaligen Synagoge in der Gartenstraße ist ein Seminarhaus entstanden. Das 1862 errichtete Gotteshaus wurde in der Reichs-Pogromnacht 1938 zerstört und dann abgerissen. Mit dem neuen Center ist ein Stück jüdisches Leben mehr in die Nationalparkstadt zurückgekehrt. Zusammen mit dem Dienerhaus und dem Ritualbad bildet das Jüdische Museum ein einmaliges Ensemble. In das Seminarhaus ist übrigens eine erste Ausstellung eingezogen. Sie erzählt die Geschichte der Flucht jüdischer Kinder nach Australien.

Es ist ein wichtiger Ort entstanden, einzigartig im Umgang mit Jüdischer Geschichte in Brandenburg, den es zu erkunden lohnt, so wie die zehnte Klasse der Gesamtschule Talsand Schwedt. Deren Unterrichtsthema streift auch das am Montag beginnende jüdische Laubhüttenfest. Sukkot - also das Laubhüttenfest - ist eine Art Erntedankfest und erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten.

Spirituelle Reinigung in der Mikwe

"Und unter dieser Kuppel ist befindet das einzige erhaltene Ritualbad Brandenburgs“, sagte Museumsleiterin Anke Grodon. Zusammen mit den Schülern stieg sie die Treppen abwärts ans Taufbecken in der Mikwe. Diese diene der spirituellen Reinigung, nicht der täglichen Köperpflege. "Jede Körperöffnung wird gereinigt und dann anschließend, wenn man sauber ist, wird rituell getaucht“, erklärte Grodon. Die Schüler hörten interessiert zu.

Seit 2010 ist das Areal mit Synagogendienerhaus und Ritualbad der Öffentlichkeit zugänglich. Eine jüdische Gemeinde gibt es hier aber nicht mehr. Das Schwedter Museum will aber an die jüdische Kultur erinnern und gleichzeitig Bildungsstätte sein. Geschichtslehrerin Saskia Nippert von der Gesamtschule Talsang findet diese Art Unterricht immens. Sie ist mit ihrer Klasse zu einer Stippvisite erschienen. "Weil man nicht nur aus Büchern lernt, sondern direkt aus dem Alltag und das ist auch das, was bei den Schülern hängen bleibt“, erklärte Nippert.

Haus der Begegnungen, des Austausches

Übrigens: Die Schüler der Talsandschule sollen nicht die einzigen bleiben, die hier lebendige Bildung erhalten: "Dieses Seminarhaus soll ein Ausstellungshaus werden, ein Haus für Vorträge, Konzerte natürlich auch, Begegnungen und Gesprächen und das ist auch Museumspädagogik“, betonte Museumsleiterin Anke Grodon.

Gesamtschule will mehr Unterricht im Museum veranstalten

Und so ist ihr auch wichtig, aktuellen Bezug auf jüdische Traditionen zunehmen. Es sei gerade Laubhüttenfest. Es werde fünf Tage nach Jom Kippur ("Tag der Sühne") gefeiert, daure mehrere Tage an.

Für die 15-jährigen Eddy und Nika ist diese Exkursion eine wirkliche Bereicherung. "Ich finde das schon wichtig, dass man das weiß, dass man das auch mal gehört, hat“, betonte Eddy. "Ich war hier schon einmal mit der Grundschule. So richtig beschäftigt, habe ich mich damit gar nicht. Es kann sein, dass wir es öfter in der Schule hatten, aber nicht so wirklich umfasst.“ Deshalb will die Gesamtschule Talsand zukünftig hier mehr Unterricht durchführen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.09.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Riccardo Wittig

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