Altkleidermarkt nach Corona - Stau in den Kleiderkammern baut sich ab

Mo 25.10.21 | 15:48 Uhr
Altkleidersammlung Ffo
Audio: Antenne Brandenburg | 25.10.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Überfüllte Container, vollgestellte Lager: Die Pandemie hat den Altkleidermarkt zeitweise lahmgelegt. Es wurde mehr gespendet, aber weniger Ware abgenommen. Inzwischen hat sich die angespannte Lage wieder beruhigt. Von Marie Stumpf

Kinderhemdchen liegen zusammen geknüllt in einem blauen Müllbeutel, daneben steht ein Schuhkarton mit Sandalen. Gerade ist eine neue Wagenladung mit Spenden bei der Kleiderkammer Frankfurt (Oder) angekommen. Ute Gesche und ihre Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) sortieren, was noch brauchbar ist.

Als Geschäftsstellenleiterin der Kleiderkammer Frankfurt (Oder) hat Gesche schon fast alles gesehen. "Mal ist es noch originalverpackt und mal sind es totale Lumpen", erzählt sie.

Mehr Spenden, kein Weitertransport

Im vergangenen Jahr haben die Kleiderspenden deutlich zugenommen, auch weil die Menschen während des Corona-Lockdowns mehr Zeit hatten und ihre Schränke ausgemistet haben. Doch weniger als zehn Prozent der gespendeten Sachen sind noch in einem guten Zustand. Diese kommen in die Kleiderkammer und gehen dadurch an Bedürftige und Geflüchtete in der Region.

Der Rest wird weitertransportiert und geht etwa an die Autoindustrie, die mit den Lumpen zum Beispiele Autositze polstert, oder an Länder wie Afrika, wo daraus neue Kleidung entsteht. Den Transport der Sachen übernimmt ein externer Abnehmer.

Kleider in der Garage

Während Corona kam dieser Mechanismus ins Stocken. "Durch die geschlossenen Grenzen und die eingeschränkten Transporte wurde nichts mehr abgeholt", so Jule-Sophie Hermann vom DRK-Kreisverband Märkisch-Oder-Havel-Spree. "Hier in Frankfurt (Oder) haben wir die Sachen dann in der Garage gestapelt."

Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Die Lieferketten funktionieren wieder. Doch die Nachwirkungen von Corona sind trotzdem noch spürbar: Der Verkaufspreis für die nicht-verwertbare Kleidung, die unter anderem nach Afrika geht, ist eingebrochen.

"Wir hatten einen Ausgangspreis von etwa 250 Euro pro Tonne", erzählt Hermann. Während der Corona-Hochphase im vergangenen Jahr sei dieser dann auf etwa 50 Euro gesunken. Aktuell stabilisiere er sich langsam wieder. Mit dem Geld finanziert sich die Kleiderkammer Frankfurt (Oder). Auch ihre vier Mitarbeitenden werden damit bezahlt.

Spenden waschen

Kleiderspenden sind nach wie vor willkommen. Interessierte sollten darauf achten, ausschließlich gut erhaltene Kleidungsstücke in die Container zu werfen. Diese sollten sich möglichst zusammen in einem Müllbeutel befinden und gewaschen sein.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.10.2021, 16:40 Uhr.

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