Dritter Prozess - Ostbrandenburger Drogenhändler vor Gericht

Mi 27.10.21 | 17:24 Uhr
razzia ffo6
Audio: Antenne Brandenburg | 26.10.2021 | Dorett Kirmse | Bild: Polizeipräsidium Brandenburg

Marihuana, Amphetamine, Kokain: Acht Männer müssen sich seit Mitte Oktober vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Die Ermittler sprechen von einem Drogengroßhandel. Am Mittwoch begann der dritte Prozess.

Wegen bandenmäßigen Drogenhandels im großen Stil müssen sich seit Mittwoch drei Männer am Frankfurter Landgericht verantworten. Unter den Angeklagten ist auch ein Gastronom aus Frankfurt, der in der Oderstadt und Müllrose mehrere Restaurants betrieben hat.

Drogenlieferungen sollen aus Spanien stammen

Die Angeklagten sollen innerhalb von zwei Monaten des vergangenen Jahres mit 160 Kilogramm Marihuana und zehn Kilogramm Amphetamin gehandelt haben. Laut Staatsanwaltschaft kamen die Drogenlieferungen aus Spanien, die anschließend von einem der Angegklagten in Berlin in Empfang genommen und an den Frankfurter Gastronom weiter verkauft wurden. Der wiederum soll die Drogen ebenfalls gewinnbringend weiterverkauft haben, unter anderem an einen Frankurter Pensionsbetreiber, der sich in einem gesonderten Verfahren verantworten muss.

Dem 47 Jahre alten Frankfurter Gastronom wird zudem vorgeworfen, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Bei der Duchsuchung seiner Immobilien Anfang dieses Jahres wurde auch eine funktionsfähige Maschinenpistole gefunden. Vor Gericht wollten sich die Angeklagten am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Verfahren wird nächste Woche Mittwoch fortgesetzt.

Ersten Prozesse bereits angelaufen

Insgesamt sind acht Männer zwischen 24 und 47 Jahren angeklagt. Sie wurden Anfang Februar dieses Jahres in Frankfurt (Oder) und im Landkreis Oder-Spree bei einer Razzia festgenommen. Dabei wurden unter anderem 55 Kilogramm Marihuana, zehn Kilogramm Kokain und 300.000 Euro Bargeld gefunden. Aufgrund der Fülle an Vorwürfen, werden die Verfahren gegen die acht Männer geteilt.

Am 19. Oktober begann der Prozess gegen die ersten vier Angeklagten, darunter auch der Betreiber einer Pension in Frankfurt (Oder) und ein selbsternannter Gangster-Rapper aus der Oderstadt. Sie sollen mit 115 Kilogramm Marihuana und 10 Kilogramm Amphetamin gehandelt haben. Am Dienstag wurde das Verfahren gegen einen 30 Jahre alten Mann aus Hoppegarten eröffnet. Er soll innerhalb von zwei Monaten des vergangenen Jahres Drogen im Wert von knapp einer Million Euro verkauft haben.

Geknackte Handydaten unterstützen Ermittlungen

Seit Anfang des vergangenen Jahres hatten die Ermittler den Frankfurter Gastronom im Visier. Unerwartete Unterstützung bekamen sie dabei von niederländischen und französischen Behörden, die den sogenannten Encrochat geknackt haben. Laut Staatsanwalt Stefan Golfier ist Encrochat eine niederländische Firma, die Krypto-Handys verkauft hat. Sie galten lange als abhörsicher. Die Angeklagten sollen damit ihre Geschäfte vereinbart haben. Die geknackten Handydaten umfassen einen Zeitraum von zwei Monaten - April bis Juni 2020. Allein in dieser Zeit sollen die Angeklagten mit Drogen im Wert von zwei Millionen Euro gehandelt haben.

Offenbar Verbindungen zu Hells Angels

Die im großen Stil gehandelten Drogen sollen der Frankfurter Gastronom und seine Komplizen an einen Rockerclub im Bereich Fürstenwalde verkauft haben, der als Unterstützerclub der Hells Angels gilt. Mehrere der Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft Verbindungen zu diesem Club haben beziehungsweise selbst Mitglied sein. Der Rockerclub soll sich zudem in Fürstenwalde einen Kampf um die Vorherrschaft im illegalen Drogenhandel mit einer libanesisch-stämmigen Großfamilie liefern. Erst im Juni dieses Jahres wurden vier Männer dieser Großfamilie zu jeweils vierjährigen Haftstrafen verurteilt, wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Sie sollen in Fürstenwalde einen Drogendealer, der nach eigenen Angaben für den Rockerclub Drogen verkaufte, überfallen, verprügelt und mit einer Pistole bedroht haben.

Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig, weil sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Revision eingelegt haben.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.10.2021, 14:40 Uhr

Mit Material von Dorett Kirmse

Nächster Artikel