Lkw-Kontrollen der Polizei auf der A12 - Angelegter Sicherheitsgurt macht im Fall eines Crashs den rettenden Unterschied aus

Die Polizei weist Lkw-Fahrer auf die Gefahren am Steuer hin und bietet ein Simulatortraining an (Quelle: Isabel Röder/rbb)
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Video: rbb|24 | 15.10.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: Isabel Röder/rbb

Ein schmales, langes Stück Spezialstoff kann Leben retten. Doch oftmals verzichten Berufskraftfahrer in Lkw auf den Sicherheitsgurt, weil sie denken, dass ihnen niemand in die Fahrerkanzel schauen kann. Die Folgen können unabsehbar sein. Von Isabel Röder

Stundenlang eintöniges grau, die Landschaft rauscht vorbei, ein Auto vor dem anderen – und trotzdem müssen LKW-Fahrer immer reagieren können. Eine kleine Unaufmerksamkeit reicht aus und schon kann der tonnenschwere LKW ins Schlingern kommen. Sechs Lastwagen-Fahrer sind im vergangenen Jahr auf der Autobahn A12 bei Unfällen ums Leben gekommen. Häufig hätten schwere Folgen vermieden werden können, wenn die Fahrer sich angeschnallt hätten, sagt ein Polizeisprecher am Mittwoch nahe Frankfurt (Oder). Um eine Trendwende einzuleiten, hat die Polizei auf der A12 Lkw-Fahrer ins Gewissen geredet, ihnen an der Raststätte Biegener Hellen ein Präventionstraining angeboten.

Simulatorerlebnis kann sich nachhaltig auswirken

Dann steigt der erste Lasterwagenfahrer zu einem Test in dem Übungsfahrerstand. Simulationsleiter Heinrich Wolf bereitet Rene Discher auf das vor, was gleich passieren soll: "Das ist ein LKW-Fahrer-Arbeitsplatz und ich würde Sie mal bitten, sich anzuschnallen. Dieser Griff genau - der Beckengurt war zu weit weg. Sie machen die Jacke hoch, ziehen den Diagonalgurt nach und dann können sie vernünftig sitzen und auch fahren."

Discher befindet sich auf dem Übungsfahrersitz, der auf eine Schiene montiert ist. Fünf Meter weiter vorne im Teststand blinkt auf einmal ein Rücklicht. "Wir werden da vorne auf dieses Stauende fahren, auf diesen angedeuteten LKW. Wir haben hier eine Realitätsnähe von 99 Prozent", erklärt Wolf seinem Probanden. Und dann geht es los. Der Simulator täuscht zwei Sekunden Fahrzeit vor und rumms. Tester Rene Discher wird vom Gurt in den Sitz gedrückt. "Das ist schon eine ganz schöne Wucht", gesteht Discher.

Abstützen am Lenkrad funktioniert nicht

Doch es wurde gerade mal ein Aufprall mit nur zehn Stundenkilometern simuliert. Experte Wolf sagt, dass ein Mensch mit 100 Kilogramm bei diesem Tempo bereits mit einer Wucht von 380 Kilo nach vorne geschleudert wird. Schon jetzt wäre nicht auszudenken, was passieren würde, wenn man nicht angeschnallt wäre. Es sei nahezu lächerlich, wenn Fahrer sich versuchten damit zurechtfertigen, dass sie sich am Lenkrad abstützen könnten.

Wolf berichtet, dass rund die Hälfte der Lasterfahrer angebe, keinen Sicherheitsgurt während ihrer Tour anzulegen. Das könne nicht sein, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die Berufsgenossenschaft Verkehr. Deshalb zögen sie mit ihren Unfallsimulatoren durchs Land, um die Berufskraftfahrer durch hautnahes Erleben vom Gurtanlegen zu überzeugen.

Genickbruck beim Überschlag denkbar

Das ein Gurt tatsächlich Leben retten kann, zeigt Wolf seinem Probanden im zweiten Versuchsaufbau. Die Kanzel des Simulators kann sich um die eigene Achse drehen, kann so lebensecht einen Überschlag nachstellen, ergänzt Wolfs Kollege Klaus Kuhn. "So eine Lkw-Kabine ist circa 2,45 Meter breit. Sie fallen, wenn der LKW nach rechts kippt, meistens mit dem Kopf zuerst, weil die Füße zunächst zwischen den Pedalen feststecken. Bei der Wucht des Aufpralls passiert es häufig, dass sich LKW-Fahrer das Genick brechen, wenn sie nicht angeschnallt sind", so Kuhn.

Proband Discher setzt täglich für sein Logistikunternehmen, bei dem er angestellt ist, hinter das Steuer eines Lasters. "Das mit dem Überschlag war katastrophal. Ich möchte, dass mir das nie passiert. Da habe ich wirklich Angst", sagt er. Aus voller Überzeugung erklärt Discher nach dem Simulator-Training dann noch: "Wenn einer nicht angeschnallt ist, da habe ich kein Verständnis für. Sicherheit geht vor!"

Übrigens: Das Simulationstraining wird noch bis Donnerstag an der A12-Raststätte angeboten und ist freiwillig. Wer sich nicht ans Anschnallen hält, von der Polizei auf der A12 erwischt wird, dem kann nach einem Verwarngeld auch ein Training von den Beamten auferlegt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.10.2021, 16:10 Uhr

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