Bernauer Jugendrichter Andreas Müller - "Cannabis-Legalisierung hätte wahnsinnig positive Folgen"

Mi 20.10.21 | 18:23 Uhr
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Archivbild: Richter Andreas Müller vom Amtgericht Bernau. (Quelle: Olaf Wagner via www.imago-images.de)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.10.2021 | Sarah Schiwy | Bild: Olaf Wagner via www.imago-images.de)

Der Bernauer Jugendrichter Andreas Müller spricht sich seit Jahren klar für eine Cannabis-Legalisierung aus. Jetzt sieht er in der neuen Debatte um die kontrollierte Abgabe Möglichkeiten, dass sich gesetzlich etwas Grundsätzliches ändert.

In der neuangeschobenen Debatte um die Cannabis-Legalisierung im Zuge möglicher Ampel-Koalitionsverhandlungen im Bund hat der Bernauer Jugendrichter Andreas Müller im rbb-Gespräch nochmals auf die Wichtigkeit hingewiesen, die bisherige gesetzliche Handhabung zu überdenken.

"Cannabis ist in der Bevölkerung. Cannabis sollte reglementiert werden und sollte frei zugänglich für jeden erwachsenen Bürger sein. Wie man es konkret ausgestaltet, ist dann eine nachrangige Frage. Es geht erst um die Frage des Ob und dann kann man es machen über verschiedene Möglichkeiten", sagte Müller dem rbb am Mittwoch.

"Apotheken halte ich für nicht ganz so gut, wäre aber auch ein Schritt zu Cannabis-Kontrollgeschäften. Es gibt viele Möglichkeiten, das vernünftig und sachgerecht zu reglementieren", betonte der Jurist. Eine Abgaben an Minderjährige sollte seiner Ansicht nach weiter verboten bleiben. Präventionmaßnahmen an Schulen sollten weiter gefahren werden.

"Die WHO hat Cannabis runtergestuft"

Dass Kritiker immer wieder das Argument anführten, dass Cannabis eine Einstiegsdroge für härtere Drogen wie etwa Kokain und Heroin sei, sehe Müller nicht so. "Es hat lange nicht mehr die Gefährlichkeit, die man ihr zugemessen hat, als man die Cannabis-Gesetze gemacht hat. Das Thema Einstiegsdroge wird heute von keinem Wissenschaftler weltweit vertreten", betont der Jurist.

"Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Cannabis als gefährliche Droge schon weit runtergestuft und wir wissen mittlerweile seit vielen Jahren, dass Cannabis unheimlich vielen kranken Menschen helfen kann; es ist dafür auch zugelassen." Die Gefahren, die möglicherweise von Cannabis ausgehen, seien im Vergleich zu Alkohol sehr viel geringer einzuschätzen, sagte Müller.

Vorteile überwiegen für Jugendrichter

Für Müller überwiegen die Vorteile einer Freigabe, "es würde Polizei und Justiz entlasten, die sich dann um wirkliche Kriminelle kümmern könnten. Insgesamt hätte eine Legalisierung oder Kontrollierung des Marktes wahnsinnig positive Folgen", so Müller im rbb-Interview.

Etwa sechs Prozent aller Fälle seien Drogendelikte. Zudem werde die Polizei "moralisch" entlastet. "Das Klima zwischen Polizei und Jugendlichen würde sich enorm ändern, wenn die Polizei die Konsumenten in Ruhe lässt. Zudem würden Menschen, die Cannabis gegen ihre Schmerzen nehmen müssten, nicht mehr kriminalisiert", so Müller weiter.

Müller mehrfach wegen seiner Haltung juristisch angegriffen

Seit Jahren kämpft er für das Thema. Er wurde wegen seiner Haltung bereits juristisch angegegriffen. So ist die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) im Frühjahr und Sommer mehrfach mit einem Befangenheitsantrag gescheitert, Müller in einem konkreten Cannabisverfahren als zuständigen Richter abzusetzen.

Das Landgericht Frankfurt (Oder) urteilte, dass Müllers private Haltung nichts zur Sache beitrage. In einer Mitteilung hieß es damals: "Die Kammer weist in ihrem Beschluss rein vorsorglich darauf hin, dass Äußerungen von Rechtsansichten in Publikationen oder im Gespräch in der Regel nicht die Ablehnung eines Richters wegen Befangenheit rechtfertigen würden. Entscheidend sei ein Bezug zwischen der Äußerung und dem konkreten Verfahren."

Müller hatte in der Vergangenheit zahlreiche Publikationen wie sein Buch "Kiffen und Kriminalität - Der Jugendrichter zieht Bilanz" auf den Markt gebracht. Auch bei öffentlichen Auftritten beispielsweise in TV-Talkformaten hat er seine private Haltung zur Entkriminalisierung von Cannabis wiederholt vertreten.

Müller hatte in der betreffenden Fallakte vermerkt, dass er das Verfahren bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über einen Normenkontrollantrag hinsichtlich der Strafbarkeit des Verkehrs von Cannabisprodukten in einem anderen Verfahren aussetzen wolle. Es könne nicht prognostiziert werden, wann mit einer dortigen Entscheidung zu rechnen sei, hieß es in der Landgerichts-Begründung.

14 Kommentare

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  1. 14.

    Gewalt und Aggressivität sind sicher nicht klassische Auswirkungen von Cannabis.
    Ausschließen kann das natürlich niemand.

    Zum einen ist es die Grundeinstellung, die jemand hat und die zu Gewalt führt. Oft ist es Mischkonsum, es werden verschiedene Drogen eingenommen, Alkohol ist in den meisten Fällen dabei. Oder, gerade bei Cannabis, wird gestreckt, z.B. mit synthetischen Zusätzen.

    Egal, wie man es sieht. Keine Droge ist ungefährlich. Nicht mal Zucker. Aber jede Droge ist noch gefährlicher, wenn sich der Schwarzmarkt um die „Qualität“ kümmert.

    Es konsumieren so viele Menschen Cannabis, trotz des Verbots. Man kann nicht so tun, als wäre das in irgendeiner Form zu verhindern. Es gibt auch keinen Grund, weil der allergrößte Teil kein Problem damit hat. Es gibt jedenfalls keinen Grund, diese Menschen zu kriminalisieren.

  2. 13.

    Jap das ist ein Fakt . Gibt keine Statistiken darüber das im alleinigen Cannabis Rausch jemand aufgrund diesem , jemanden misshandelt oder verprügelt oder vergewaltigt . Bei Alkohol dagegen unzählig viele . Wenn ich jetzt Bock habe kann ich mir aber ohne das jemand fragt Literweise Alkohol kaufen und mich tot saufen . Da fehlt einfach die Logik . Also entweder Alkohol verbieten oder Cannabis legalisieren. Habe seit 10 Jahren nicht mehr gekifft davor aber 15 Jahre täglich . Ich hab nen 1,3 er Abi 2 Ausbildungen und nen guten Job in ner gehoben Position und trage Verantwortung für knapp 100 Mitarbeiter . Meine Wegbegleiter die fast täglich dem Alkohol gefröhnt haben sind alle auf der Strecke geblieben ;) Eine Legalisierung für den verantwortungsbewussten Konsum Mündiger und Erwachsener Menschen wäre nur Zeit - und Sinngemäß.

  3. 12.

    Misshandlungen u Gewalt kommt beim Rausch von Cannabis nicht vor? Es ist wie beim Alkohol, der eine verträgt es, der andere nicht. Und nicht jeder kennt seine grenzen. Cannabis wird gerne immer wieder schön geredet.

  4. 11.

    Außer das man von crystal sterben kann. Also bitte nicht Äpfel mit birnen vergleichen..

  5. 10.

    Es konnte nie nachgewiesen werden, dass die Prohibition einen Einfluß auf die Zahl der Konsumenten hat.
    Die Legalisierung bringt also nur Vorteile mit sich. Die Qualität kann kontrolliert werden, Konsumenten werden nicht mehr stigmatisiert und man kann eine Menge Geld damit verdienen. Warum sollte man also nicht legalisieren?

    Und ja, wenn du mich fragst, sollte man auch LSD, Amphetamine, Heroin, usw. legalisieren in Modellprojekten. Die Schweiz konnten mit der kontrollierten Abgabe von Heroin beispielsweise die Zahl der Toten durch eine Heroin-Überdosierung stark reduzieren.

  6. 9.

    Bevor man bei diesem Thema lediglich eine Meinung äußert, welche in der Regel auf nicht Wissen basiert, sollte man zuerst versuchen, das Gesamtbild zu erfassen. Dieses Verbot hat seit seinem Bestehen, rein gar nichts verhindert. Der Staat hat sich durch das Verbot erst einen Feind geschaffen, den er bis jetzt mit voller Härte bekämpft. Cannabis gehört seit Urzeiten zur menschlichen Kultur und auch in Deutschland, konnte man Gras und Haschisch bis in die 30er Jahre frei in jedem Tabak und Drogeriegeschäft erweben ohne daß ein Hahn danach gekräht hätte. Erst eine rassistisch und durch extreme Fehlinformationen geprägte Hetzkampange des berühmten Harry Anslingers, hat letztendlich zu diesem weltweiten Verbot geführt.

  7. 8.

    Bei deinem Kommentar merkt man leider, dass du keine Ahnung hast. Rezept, ja kriegt man wenn es nötig ist. Ob alles aber von der Krankenkasse oder Pflegekasse übernommen wird ist hier die frage. Die preis in einem Monat für einen Patienten beläuft sich so etwa um die 800€,wenn nicht sogar mehr. Das muss hauptsächlich die Person selber bezahlen. Woher ich es weiß? Nunja, kenne Patienten im Umfeld die das Berichtet haben. Da stelle ich mir die Frage ob du, sei es nur die hälfte (400€)nur für Cannabis mal eben im Monat nebenbei bezahlen kannst. Dass können die wenigsten und greifen daher lieber im Schwarzmarkt nach mehr Grammanzahl für weniger Geld - leider dann auch nicht mehr kontrollierbar. Achja, die 800€ im Monat beziehen sich auch auf eine sehr geringe Menge an Medizinischen Cannabis, welches schon fast in ner Woche weg sein kann (THC Anteil auch nicht sonderlich hoch)

  8. 7.

    Cannabis ist nicht gleich Cannabis. Es gibt hunderte Sorten mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Wenn es reguliert wird wissen die Konsumenten was sie zu sich nehmen.
    Die Inhaltsstoffe stehen auf der Verpackung. Man an Dosis und Wirkung steuern. Man kann sicher sein, dass man kein verunreigigtes Zeug wie auf dem Schwarzmarkt erhält. Die Drogenmafia wird bei einer Legalisierung schwer getroffen. Der Schwarzmarkt wird ausgetrocknet. Mann kann sich auf den Schutz der Jugendlichen konzentrieren. Die Forschung zu cannabis und dessen Wirkung auf das körpereigene Cannabinoidsystem kann umfangreicher gestaltet werden. Die Empfehlungen der WHO sollten endlich gehört werden. Die Kriminalisierung richtet mehr Schaden an als dass Menschen beschützt werden. Es ist absolut unlogisch das tödliche giftdrogen wie Tabak und Alkohol die auch ein höheres Suchtpotential haben legal sind und Hanf verboten. Ein weiter wichtiger Faktor wäre die Rehabilitierung von Hanf als Nutzpflanze.

  9. 6.

    Ich bin überzeugter Nutzer von Cannabis. Tatsache ist doch, solange Cannabis illegal ist, kann es durchaus auch eine Einstiegsdroge sein. Kratzt euch mal beim Versuch in Nürnberg am Hauptbahnhof einen Dealer zu finden an der Nase. Ihr bekommt alles, nur nicht was ihr wollt. Danke an die Volksverräter.

  10. 5.

    Es geht bei Weitem nicht nur um Geld. In der Verfassung, wird eine Straftat klar definiert.Hierbei muß IMMER ein Schaden an Dritten entstanden sein.Nur bei Drogen wird die große Ausnahme gemacht.Ich bin 48 und rauche seit über 20 Jahren gerne Cannabis,ohne daß es mir wie Millionen anderen erwachsenen Kiffern bisher geschadet hat.
    Und ich dulde es nicht mehr,daß 10 SEK Beamte meine Whg.stürmen und diese im Beisein meiner Kinder komplett auf den Kopf stellen,weil ein Nachbar gepetzt hat,daß ich 2 Pflanzen auf dem Balkon stehen hatte.Auch nicht die später ausgesprochene Strafe.Die Strafen für Anbau liegen genauso hoch,wie die eines Kinderschänders.Hier stimmt einfach das Verhältnis nicht,da ich mir einfach keiner Schuld bewußt bin.Ich kann und möchte selbst entscheiden was ich meinem Körper zuführe.Ich darf mir auch einen Wingsuit anziehen und von den Alpen springen,obwohl die Gefahr an einem Felsen zu zerschellen hoch ist.Hier gibt es auch keinen Staat,der mich vor mir selbst beschützt

  11. 4.

    Überlegen sie mal, man würde das mit Alkohol machen. Ich z.Bsp. mag alkoholische Getränke nicht so gern, sind auch weitaus schädlicher. Meiner Meinung nach sollte man diese verbieten, weil 400 000 Tote jährlich, gesellschaflticher Schaden durch Krankheit, Misshandlungen u Gewalt sowie/ weil es ist ein Zellgft.

    Bitte bilden sie sich weiter. Meinung allein hilft nicht.
    Hier zum Bsp.: cannabisfakten.de

  12. 3.

    Ich begrüße die Aussage des Richters. Es ist einfach eine Tatsache, daß Cannabis von jungen Leuten nicht als gefährlich eingeschätzt/wahrgenommen wird. Deshalb haben die keine moralischen Bedenken es zu rauchen. Entweder die konservative Politik paßt ihre Wahrnehmung endlich an die gesellschaftliche Realität an oder sie führt einen langdauernden Kampf gegen die Jugend, den sie verlieren wird. Inzwischen sind aber "Mittvierziger" wie ich ebenfalls Teil der Gesellschaft, die vor 20/25 Jahren schon Cannabis als normal wahrgenommen haben. In meiner Stadt wurden in einer Kleingartenanlage jetzt eine "Cannabisplantage" entdeckt und die Zeitung war empört. Ich dachte beim Lesen der Überschrift an Tonnen von Cannabis, aber es war 16 Pflanzen! Der Besitzer hatte sie offen im Garten angebaut, offensichtlich war es für ihn - wie auch mich - ganz normal und nichts problematisches. Die Politik sollte sich um echte Probleme kümmern und nicht Moralwächter spielen.

  13. 2.

    Fakt ist auch, wer kiffen will muss verunreinigtes Zeug bei illegalen Dealern kaufen. Vielleicht ist das ja bald vorbei...

  14. 1.

    dass Cannabis unheimlich vielen kranken Menschen helfen kann; es ist dafür auch zugelassen." Die Gefahren, die möglicherweise von Cannabis ausgehen, seien im Vergleich zu Alkohol sehr viel geringer einzuschätzen, sagte Müller.
    Komischer weise Rauchen aber alle Cannabis. Und wer es aus Gesundheitlichen Gründen braucht, bekommt dafür ein Rezept etc. Daher muss es auch nicht Legalisiert werden. Da geht es aber wieder um eine neue Einnahmequelle. Mehr ist es nicht. Der Staat wird zum Dealer. Als nächstes wird das Crystal Meth freigegeben? Da es auch verunreinigt etc. hergestellt wird. Fakt ist doch: Wer Kiffen will und das verunreinigte Zeug kauft, ist doch selber schuld. Es wird keiner dazu gezwungen. Das sind für eine Legalisierung alles keine gründe. Wie gesagt/geschrieben, hier geht es am ende wieder um Millionen/Milliarden €.

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