Nachwuchssorgen - Der Eisenbahnsportlerverein Eberswalde kämpft um sein Überleben

Fr 22.10.21 | 10:00 Uhr | Von Mit Material von Marie Stumpf
Symbolbild: Ein Kind sitzt vor einem Schachbrett. (Quelle: dpa/Beata Zawrzel)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.10.2021 |Gespräch mit Vereinsvorsitzendem Enrico Schulz | Bild: dpa/Beata Zawrzel

Wie viele Vereine in Brandenburg hat auch der Eisenbahnerspotverein (ESV) Eberswalde 1949 e.V. (Barnim) ein Generationen- und Nachwuchsproblem. Während er zu DDR-Zeiten mit rund 600 Mitgliedern und Abteilungen wie Fußball, Wandern und Segeln eine Institution in der Stadt und der Umgebung war, sind die Mitgliederzahlen mittlerweile auf 136 geschrumpft. Zudem sind viele der Aktiven und Trainer bereits über 80 Jahre alt. Auch die Kinder- und Jugendarbeit wird dadurch schwer.

Viele leben und arbeiten außerhalb von Eberswalde

Grund für die Situation ist nach Einschätzung des Vereinsvorsitzenden Enrico Schulz der Alltag. Viele der Trainer arbeiten außerhalb von Eberswalde. "Und dann schaffen sie es nicht, um 16:30 oder 17 Uhr, wenn die Kindertrainingszeiten eigentlich anfangen würden, pünktlich da zu sein", sagt Schulz im Gespräch mit dem rbb und fügt an: "Ich bin auch ein gutes Beispiel dafür, denn ich arbeite nicht einmal in Brandenburg. Ich arbeite in Nordrhein-Westfalen."

Von Paderborn aus versucht er sich um den Verein, dem er schon im Alter von zehn Jahren beigetreten ist, zu kümmern und ihn zu leiten. "Das Problem ist, wenn zum Beispiel Versammlungen des Kreis- oder des Landessportbunds sind, kann ich meistens nicht persönlich teilnehmen", berichtet Schulz. In diesen Fällen wird kurzerhand jemand aus einer der Abteilungen geschickt, so dass der Verein vertreten ist. Zumindest so lange, wie sich dafür noch jemand findet.

"Wir versuchen, zu überleben"

Ein Grund für den Mitgliederschwund sei unter anderem, dass sich ausgerechnet die beiden Abteilungen Fußball und Segeln, die sich über viele Mitglieder erfreuen konnten, als eigenständige Vereine abgespaltet hatten. So bietet der ESV Eberswalde, der kurz vor seinem 75. Geburtstag steht, heute noch Behindertensport, Boxen, Kegeln und Schach an. Und in diesen Bereichen soll bald auch wieder die Nachwuchsgewinnung starten.

"Wenn die Pandemie wieder nachlässt, hoffen wir, dass zum Beispiel die Abteilung Schach wieder in der Schule ihre Kurse anbietet", sagt Vorsitzender Schulz. Der Verein hofft darauf, dass durch solche Schnupperangebote das Interesse einiger Kinder und Jugendlichen geweckt wird und sie dann dem ESV Eberswalde beitreten. Nu so könne der Verein auch in Zukunft bestehen, wie Schulz erklärt: "Wir versuchen, zu überleben."

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.10.2021, 14:10

Mit Material von Marie Stumpf

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