Zitternde "Tina" - Hundedame in die Zugtoilette gesperrt und per Regionalexpress ausgesetzt

Mo 29.11.21 | 17:34 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
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Beagel-Dame Tina wurde in Angermünde einfach in eine Regionalbahn gesetzt, im Klo angebunden. (Quelle: Tierrettung Greifswald)
Bild: Tierrettung Greifswald

Sie sucht ein neues Zuhause - Beagle-Dame Tina. Sie wurde von ihrem alten Herrchen einfach in einen Zug gesetzt und abgeschoben. Eine Zugbegleiterin fand das Tier angebunden in einem Zugklo. Von Georg-Stefan Russew

Es sind die Geschichten, die einen besonders in der Adventszeit ans Herz gehen. Auf einer Toilette des RE3 fand eine Zugbegleiterin am Samstagmorgen eine verängstigte und zitternde Hundedame. Das Tier wurde nicht etwa vergessen, nein - der Beagle wurde auf eine Hundedecke gesetzt, angebunden, die Klotür geschlossen und so absichtlich von seinem Herrchen zurückgelassen. Beleg: Neben dem Tier fand sich ein mit Buntstiften geschriebener Zettel: "Hallo, ich heiße Tina, ich suche ein neues Zuhause. Ich beiße nicht."

Die Beagledame Tina ist mit diesem Zettel in eine Regionalbahn gesetzt worden. (Quelle: Tierrettung Greifswald)
Bild: Tierrettung Greifswald

"Tina" soll aus Angermünde stammen

Die Schaffnerin kümmerte sich sofort um "Tina", verständigte noch während der Fahrt von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern die Bundespolizei, die ihrerseits die Tierrettung Greifswald verständigt.

Ersten Nachforschungen zufolge muss das Tier im uckermärkischen Angermünde von einem noch Unbekannten ins Zug-WC gebracht und dort angebunden worden sein. Der eingesetzte Regionalexpress stand aufgrund von Schienenersatzverkehr einige Zeit am Bahnhof von Angermünde, sagte Bundespolizeisprecher Igor Weber. Dies muss der Unbekannte ausgenutzt haben, um sich "Tina" zu entledigen, ergänzte Klaus Kraft von der Tierrettung Greifswald.

Tiere aussetzen ist Minimum eine Ordnungswidrigkeit

"Das sind auch für mich sehr traurige Einsätze", sagte Kraft rbb|24. Zwar sei "Tina" in einem einigermaßen guten Zustand gewesen. Halsband, Hundedecke und etwas Trockenfutter befanden sich bei ihr. Sich so seines Haustieres so zu entledigen, gehe gar nicht, auch wenn Kraft die Gründe nachvollziehen könne. Auf dem Zettel, der neben dem Hund gefunden wurde, stand: "Ich kann es nicht mehr bezahlen." Für Kraft sei es nicht der erste Fall, wo Tierhalter aufgrund von eigenen finanziellen Engpässen ihre Vierbeiner vor die Tür setzten. Kraft könne die Verzweiflung verstehen, aber aussetzen gehe gar nicht. Das sei verboten.

"Wir ermitteln wegen einer Ordnungswidrigkeit", sagte Bundespolizeisprecher Weber. "Wenn Leib und Leben des Tieres in Gefahr gewesen wären, würden die Behörden wegen einer Straftat ermitteln", ergänzte Kraft. "Es gibt so viele Hilfsangebote, wo man seine Tiere in der eigenen Not abgeben kann", betonte Kraft. Aussetzen aber sei unterste Schublade.

Erste Hinweise auf ehemaligen Besitzer

Unterdessen führt die Spur zum ursprünglichen Tierhalter nach Angermünde. "Wir gehen gerade Hinweisen nach, wonach 'Tina' einer Familie aus dem Uckermarkstädtchen zuzuordnen sein könnte", so Kraft. "Tina" werden sie aber nicht zurückbekommen. Das etwa zehn Jahre alte Tier erhole sich erstmal von dem Schrecken erholen, aufgepäppelt werden und später in ein liebevolles Zuhause vermittelt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.11.2021, 12:30 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

7 Kommentare

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  1. 7.

    Lieber rbb...
    "von seinem Herrchen zurückgelassen."
    Wirklich?

    Und ich glaube schon, das die Person die diese Herz zerreissenden Worte geschrieben hat, sich in einer Ausnahmesituation befindet.
    Es wird an allen möglichen Stellen mit Kameras rumgemacht.
    Ich kann mir schlecht vorstellen, das es niemandem möglich ist eine Person mal mit und mal ohne Hund zu finden und dieser Unterstützung anzubieten.

  2. 6.

    Ich hoffe für "Tina" und alle anderen Tiere, die in ähnliche Situationen geraten, dass ihnen geholfen wird und sie eine liebevolle Familie oder Einzelperson als neues Zuhause finden mögen, in welchem sie umsorgt und geschützt leben können.
    Der Herzlose Exbesitzer scheint noch ganz andere Probleme zu haben als nur finanzielle Minderausstattung, vgl. Zettel!
    Keine Strafanzeige ist noch o.k. aber im OWiG-Verfahren würde ich ihm eine Geldstrafe mindestens in Höhe der zehnfachen Hundesteuer wünschen. Wehtun solls schon, denn auch für "Tina" wars eine schmerzhafte Erfahrung nicht mehr geliebt zu werden, wer weiß seit wann...
    Möchte nicht wissen, wie solche Leute mit ihren Kindern umgehen, wenn die Lebenshaltungskosten steigen, Schulbücher, Klassenfahrten und Sportvereine sowie Musikschulen teurer werden (=> Spielplatz Autobahnrasstätte und ne Capri-Sonne??)

  3. 5.

    Soviel Hilfe gibt es nicht. Wir hatten insgesamt vier Katzen, immer zwei zusammen. Zwei über ein Tierheim, zwei auf privatem Wege. Zwei sind schon, eine mit 13, die andere mit 19 Jahren, gestorben. Wir kümmern uns mit allem Pipapo. Unsere Erfahrung, als uns eine Katze, damals noch in Spandau, zulief: Tierarzt, Katze hatte Chip aus dem Tierheim, Tierheim (Hohenschönhausen) erklärt uns, Besitzerin sei in Pankow, ob wir nicht hinfahren können. Es war näher, also fuhren wir hin, zu einer Baustelle mit leeren Wohnungen. Anruf beim Tierheim, Auskunft, man habe keine Kapazitäten, sie wieder aufzunehmen. Zuhause war die Hölle los, getrennte Räume, „Protestwürste“ auf den Böden, dieselbe Auskunft nach zwei Wochen wieder! Und es war nicht mal unsere Katze! Dann tauchte zum Glück die verschwundene Besitzerin wieder auf, die offenbar nach Spandau gezogen war und sich nun nach vier Wochen selbst beim Tierheim gemeldet hatte.

  4. 4.

    Was für ein Armutszeugnis für Deutschland, wenn ein Mensch seinen Hund aussetzen muss, weil er kein Geld für dessen Versorgung mehr hat.
    "Ich kanns nich mer Leisten" - wer die Preisentwicklung sieht, kann sich ausmalen, wann die ersten Menschen zu Opfern werden.
    Ob dann die hiesigen "NoGo" und "das Letzte" Geifferer auch so aufschreien?

  5. 3.

    "Es gibt so viele Hilfsangebote, wo man seine Tiere in der eigenen Not abgeben kann"
    Ja, das mag sein, aber dann muss man das auch deutlich und breiter kommunizieren!

    Viele Tierhalter - gerade die, die sich ihre Tiere nicht mehr leisten können - haben Angst, nach Möglichkeiten zur kostenfreien Abgabe zu fragen.
    Sie wollen ihre Identität nicht preisgeben, zum Teil aus Scham ihr Tier nicht mehr versorgen zu können, wegen ihrer finanziellen Situation oder weil sie befürchten, doch irgendwelche Zahlungen leisten zu müssen, sobald sie namentlich "bekannt" sind.
    Und wer möchte riskieren, sich - in einer eh schwierigen Situation - auch noch eine Standpauke zum Thema Tierschutz und Verantwortung anhören zu müssen? Selbst wenn man weiß, das sie berechtigt wäre?

    So schlimm auch dieser Fall ist, aber zumindest wurde der Hund so ausgesetzt, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit gefunden wird. Immer noch besser, als an einer einsamen Landstraße angebunden zu werden ...

  6. 2.

    Das ist wirklich das Letzte. Wer sich ein Tier anschafft, trägt Verantwortung, lebenslang. Das war jetzt gut zu erkennen bei den "Corona-Hunden. Die Leute denken maximal von 12 bis Mittag.

  7. 1.

    Tiere auszusetzen ist ein NoGo,es gibt Möglichkeiten sich Unterstützung zu holen. Sollte es je in meinem Unfeld so eine/n verzweifelten Tuerhalter geben würde ich gerne davon erfahren um ggf. helfen zu können. Nun hoffe ich, die Hündin findet bald ein schönes neues Zuhause,wo sie wieder Vertrauen fassen kann.

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