Steinhöfel (Oder-Spree) - Förderkreis engagiert sich zum Erhalt seltener Malereien in der Dorfkriche

Mi 24.11.21 | 16:45 Uhr
Blick auf das kleine Dorf Steinhöfel im Landkreis Uckermark (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.11.2021 | Eva Kirchner-Rätsch | Bild: dpa/Patrick Pleul

In Brandenburg rückt seit Mittwoch wieder die Rettung vergessener Kunstwerke in den Fokus der Aufmerksamkeit. Auch der Förderkreis Steinhöfel engagiert sich für den Erhalt ihrer Dorfkirche. Sie setzen sich dafür ein, dass seltene Malereien bewahrt werden.

"Das Leben ist kurz, lang die Kunst." So soll es der griechische Gelehrte Hippokrates vor fast 2.500 Jahren gesagt haben. Manche Kunstwerke überdauern Jahrtausende. Manche werden in Museen gepflegt und gehegt. Um andere muss man sich kümmern, wenn sie erhalten bleiben sollen. Deswegen startet am Mittwoch in Potsdam die Aktion "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe" und das gilt auch für einige der 1.500 Denkmal geschützte Dorfkirchen in Brandenburg.

Dankmalschutz für Malereien im holländischen Stil

In Steinhöfel (Oder-Spree) bemüht sich ein Förderkreis seit 13 Jahren um Spenden für ein ganz besonderes Kunstwerk. Die Feldsteinkirche steht mitten auf dem Dorfanger und prägt seit mehr als 600 Jahren das Ortsbild. Der Kirchturm samt seiner eisernen Turmuhr aus dem 18. Jahrhundert ist schon von Weitem zu sehen. In den letzten Jahren wurde das denkmalgeschützte Kirchengebäude umfangreich saniert.

Doch der wahre Schatz befindet sich im Inneren. Altar, Kanzel und Patronatsloge sind mit wertvoller Camaieu-Malerei verziert. Bei dieser wird ein und dieselbe Farbe in unterschiedlichen Abtönungen verwendet, erklärt Uta Meissner vom Förderkreis: "Das ist eine Ton-in-Ton-Malerei, die um 1720 entstanden ist. In verschiedenen Kirchen im südlichen Brandenburg oder im Harz sieht man die in ganz kleinen Bildern. Aber hier in unserer Region findet man die gar nicht," so Meissner weiter. Vor allem die Größe und die Form der Wandmalerei sei besonders in Steinhöfel.

Von wem die Gemälde stammen gibt es bis heute nur Vermutungen. Wahrscheinlich waren es holländische Künstler. Ein echter Schatz mit kunsthistorischem Wert von überregionaler Bedeutung. Deshalb kämpfen Uta Meißner und ihre Mitstreiter vom Förderkreis um deren Erhalt. Teilweise ist das bereits gelungen. Die Brüstungsfelder der Patronatsloge, in der einst die Besitzer des Gutes Steinhöfel während des Gottesdienstes saßen, konnte mit Spenden für rund 60.000 Euro restauriert werden. An anderer Stelle besteht dringender Handlungsbedarf, zeigt die Steinhöflerin. Die Patronatsloge war ursprünglich auch in der Camaieu-Malerei ausgestattet und stellte die Kreuzigung Jesu dar.

Corona verhindert Spenden-Aktionen

Allerdings sind die Darstellungen heute nur noch zu erahnen. Für eine Restaurierung bräuchte es Experten. Doch für ein solches Projekt fehle der Kirchengemeinde das Geld. Und selbst wenn es Fördermittel geben würde, könne man sich den Eigenanteil aktuell nicht leisten, erklärt Gemeindekirchenratsvorsitzender Albrecht von Alvensleben: "Das ist eben eine 50-Prozent-Förderung und wir haben als Kirchengemeinde vier Kirchen, die teilweise auch noch dringenden Sanierungsbedarf haben und dafür sehr wenig eigene Mittel." Deshalb sei der "Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel" auch weiterhin auf Spenden angewiesen. Doch das Sammeln gestalte sich derzeit alles andere als einfach. Gerade in Zeiten von Corona sei es schwierig, Veranstaltungen zu organisieren, um dafür Geld für solche Projekte zu sammeln.

Doch das Ziel ist und bleibt der Erhalt, dieses einmaligen vergessenen Kunstwerkes für die Nachwelt. In Steinhöfel geben die Mitglieder des Förderkreises deshalb ihre Hoffnung nicht auf, dass ihr Kirchenschatz restauriert werden kann und damit erhalten bleibt. Dass Spenden helfen können, zeigt auch die jetzt gestartete Weihnachts-Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" vom Brandenburger Kulturministerium. In den letzten 12 Jahren wurden dabei über 200.000 Euro gesammelt und zahlreiche Gemälde, Taufengel und Altare in Brandenburger Kirchen gerettet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.11.2021, 15:10 Uhr

Mit Material von Eva Kirchner-Rätsch

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