Debatte um Corona-Impfungen - Ostbrandenburger Pflegeheime sind bei Entscheidung über Impflicht für Personal gespalten

Di 07.12.21 | 18:00 Uhr
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In Belrin und Brandenburg ist die Impfpriorisierung aufgehoben worden. (Bild: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.12.2021 | Rainer Unruh | Bild: rbb

Die Diskussion um eine Impf-Pflicht für Pflegepersonal wird auch in Senioren- und Pflegeeinrichtungen geführt. Wie in der Politik stehen sich dort die Grundsätze gegenüber, mit Überzeugung oder doch mit Druck für höhere Quoten zu sorgen.

Der Bundestag hat ab Dienstag über eine geplante Corona-Impfpflicht für Personal in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen beraten. Anlass ist ein Gesetzentwurf, den die Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP vorgelegt haben. Die Gesundheitsexpertin der SPD, Sabine Dittmar, verteidigte das Vorhaben. Menschen in Pflegeheimen könnten sich nicht aussuchen, von wem sie versorgt werden. Eine hohe Impfquote in diesen Einrichtungen sei deshalb unabdingbar.

Von Union und AfD kam scharfe Kritik. Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Stracke sagte, die geplanten Maßnahmen kämen zu spät. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel warf den Ampel-Parteien Wahlbetrug sogar vor. In den Alten- und Pflegheimen in Ostbrandenburg geht die Meinung zu dem Thema Impfpflicht für das Personal auseinander.

Am Ende der Überredungskunst

Das Pflegeheim Seelower Kehrer In Frankfurt (Oder) gehört zum Landesausschuss für innere Mission (Lafim) in Brandenburg und ist eine diakonische Gesellschaft. Leiterin Astrid Krüger ist verantwortlich für zwei Pflegeheime in der Oderstadt. Dort sind insgesamt 110 Mitarbeitenden in der Pflege tätig. Krüger sagt, dass der Großteil ihrer Pflegerinnen und Pfleger, rund 88 Prozent, geimpft seien. Die restlichen zwölf Prozent seien jedoch nur schwerlich zum Impfen zu bewegen.

"Wir sind darüber sehr traurig, aber sind bei manchen auch mit unseren Überredungskünsten am Ende. Im Endeffekt wird es vielleicht auch der Druck zeigen, ob die Mitarbeiter bleiben oder nicht. Wir würden es bedauern, wenn sie gehen." Einige könnten es sich leisten, aufzuhören, sagt Astrid Krüger. Bei anderen sei unklar, was sie bei einem Beschluss für das Impfen durch den Bund machen werden.

Ihr Arbeitgeber vom Lafim stehe hinter der Impfpflicht sowohl für das Personal, aber auch generell, sollten die jetzt durch die Politik ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen.

Überzeugung statt Zwang

Soweit wolle man bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nicht gehen. Die AWO hat in Brandenburg elf Seniorenheime und sechs weitere Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 1.200 Mitarbeitenden. Mehr als 85 Prozent von ihnen seien geimpft. Druck auf die übrigen Pflegenden auszuüben sei nicht Sache des Arbeitgebers, sagt Sabine Müller. Und Argumente würden auch nicht mehr helfen. "Zu Überzeugen ist nicht unser Ansatz, sondern eher Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen. Die Aufklärung steht bei uns ganz hoch im Kurs. Wir laden Ärzte für Gespräche in die Einrichtungen ein oder machen vermehrt und so unkompliziert wie möglich Impf-Angebote."

Auch in den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt werde man Pflegekräfte verlieren, sagt Sabine Müller. Damit müsse der Verband dann aber leben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.12.2021, 16:40 Uhr

Mit Material von Rainer Unruh

3 Kommentare

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  1. 3.

    In meinem Umfeld gibt es niemanden, der gegen Covid ungeimpft ist, deshalb besteht diesbezügl. auch kein Gesprächsbedarf. Hier im Artikel geht es um das Pflegepersonal, welches sich nicht impfen lassen möchte. Zitat: "Menschen in Pflegeheimen könnten sich nicht aussuchen, von wem sie versorgt werden. Eine hohe Impfquote in diesen Einrichtungen sei deshalb unabdingbar." Wir sollten mittlerweile alle wissen, dass die Impfungen keine 100 %ige Sterilität , wohl aber sehr oft einen milderen Krankheitsverlauf, auch bei älteren Menschen erreichen können. Und ja, es gibt Menschen, die sich aufgrund ihrer Anamnese nicht impfen lassen können, aber um diese geht es hier gar nicht, um Gegenteil, diese Menschen bedürfen unseres besonderen Schutzes. Seit Wochen gibt es in den Medien umfangreiche Diskussionen u. Informationen zu diesem Thema. Auch 2G und 3G tragen offensichtlich dazu bei , die Impfquote etwas zu erhöhen. Es ist unsolidarisch, sich in der jetzigen Situation nicht impfen zu lassen.

  2. 2.

    Dann fassen Sie sich doch ein Herz und gehen in die Pflege, dort gibt es eine Menge Arbeit und bald vermutlich noch mehr!
    Wenn die Bewohner geimpft sind, wie Sie nun sagen bereits zum dritten Mal, sollten Sie nicht mehr erkranken können oder wieviele spritzen braucht es nun für den eigenen Schutz?
    Die meisten Pflegekrafte sind geimpft, nur einige nicht gegen Covid und begründen dies in der Regel auch mit einem gewissen Sachverstand und zusätzlich mit realen Ängsten! Mit Wieviele haben Sie denn schon gesprochen und aufmerksam zugehört, dass Sie diese "nicht mehr verstehen"?

  3. 1.

    Mein Verständnis für Nichtimpfwilliges Pflegepersonal geht so langsam gegen Null. Die Bewohner in den großen Häusern hier in Berlin wurden in der Regel von Impfteams durchgeimpft, in Berlin wurde mit den Drittimpfungen in den Heimen Mitte September gestartet. Meine Eltern leben beide in einem Berliner Seniorenheim, die Leitung des Hauses hat sich sehr um die Impfungen bemüht. In der Regel wird von den Bewohnern erwartet, dass sie sich impfen lassen u. das sollte im Umkehrschluss auch vom Pflegepersonal erwartet werden. Pflege bedeutet auch Nähe. Nicht alle Bewohner dieser Häuser sind bettlägerig, sondern sind auch gut im Haus unterwegs u. wissen aufgrund ihrer Erkrankung die Lage nicht einzuschätzen. Ist das Virus erst einmal im Haus verbreitet es sich leider sehr schnell, wie unzählige Fälle in der Vergangenheit gezeigt haben, und oft erfolgte die Eintragung durch das Personal. Viele Heime hatten Besuchsverbote verhängt, so dass Angehörige oft nicht als Überträger infrage kamen.

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