Fünf Jahre Klimaschutzmanagement - "Das Wichtigste ist die Bewusstseinsbildung"

Mi 29.12.21 | 16:21 Uhr
Amt Barnim-Oderbruch
Audio: Antenne Brandenburg | 29.12.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Seit fünf Jahren gibt es im Amt Barnim-Oderbruch einen Klimaschutzmanager. Zum Jahresende läuft die Stelle aus, eine Verlängerung ist nicht geplant. Klimaschützer fordern einen solchen Posten auch für Strausberg. Von Marie Stumpf.

Aktuell ist der Stuhl des Klimaschutzmanagers im Amt Barnim-Oderbruch leer, denn an Silvester läuft die Stelle aus, nach fünf Jahren. Bauamtsleiter Helge Suhr hat das Projekt von Anfang an mitbegleitet. Seine Bilanz: "Das Wichtigste ist eigentlich die Bewusstseinsbildung. Jede Handlung, die man durchführt, jede Beschaffung, jede Baumaßnahme, die ausgeschrieben wird, jeder Fahrzeugkauf, dass muss alles an diesem Maßstab gemessen werden." Dieser Maßstab heißt Klimaschutz.

Bisherige Erfolge beim Klimaschutz

Der Landkreis Märkisch-Oderland selbst hat keinen eigenen Klimaschutzmanager. Lediglich das Amt Barnim-Oderbruch hatte vor fünf Jahren diesen Posten besetzt. Der Klimaschutzmanager ist für das Amt, für Wriezen und Bad Freienwalde zuständig. Bisherige Erfolge seien, dass viele der Straßenlaternen inzwischen klimafreundlich - mit LEDs - leuchten. Außerdem fahre eines von zwei Autos der Amtsverwaltung elektrisch, erzählt Suhr. Die neue Kita in Bliesdorf heize zudem über eine Erdwärmepumpe, statt über eine Gastherme. Doch reicht das? Wie sieht es etwa mit Solaranlagen auf Dächern aus?

Hier gibt es Grenzen, erklärt der Bauamtsleiter: "Viele Gebäude sind eben aus DDR-Zeiten, die sind statisch nicht geeignet, um größere Mengen an Photovoltaik-Modulen aufzunehmen. Da müsste man zunächst die Dachkonstruktion ertüchtigen und das ist dann oft auch nicht mehr wirtschaftlich." Wirtschaftlich muss das Ganze aber sein, deshalb hat der Klimaschutzmanager vor allem eines zu tun: Fördermittel ranschaffen. Das dauert erfahrungsgemäß sehr lange.

Fridays for Future fordert Klimaschutzmanager für Strausberg

Fridays for Future-Aktivistin Elisabeth Lange aus Strausberg findet die Erfahrungen aus dem Amt Barnim-Oderbruch dennoch gut: "Man kann die Klimakrise natürlich nicht aufhalten, indem man LEDs auswechselt. Aber allein, dass das schon für Umweltbewusstsein gesorgt hat, ist definitiv ein erster Schritt."

Zusammen mit anderen Umweltaktivist:innen fordert sie auch einen Klimaschutzmanager für Strausberg. Lange verspricht sich so auch für ihre Stadt mehr Bewusstsein für das Thema: "Wenn ein Entschluss gefasst wird, kann der Klimaschutzmanager die umweltfreundlichere Sache wählen, er könnte Strausberg bei der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes helfen und dessen Einhaltung gewähren."

Im September hatte die Stadtverordnetenversammlung die neue Stelle beschlossen, allerdings unter der Bedingung einer finanziellen Förderung. Da diese ausgeblieben sei, wurde die Stelle im Haushalt für das kommende Jahr nicht berücksicht.

Stelle des Klimaschutzmanagers wird nicht verlängert

Während in Strausberg noch um einen Klimaschutzmanager gerungen wird, schließt das Amt Barnim-Oderbruch vorerst mit dem Thema ab. Die Stelle läuft zum Ende des Jahres aus, eine Verlängerung ist nicht geplant.

Das Bewusstsein für den Klimaschutz sei in der Verwaltung gefestigt, heißt es zur Begründung. Für das nächste Jahr sind schon weitere Klima-Projekte angeschoben, wie zum Beispiel die Errichtung von drei Ladepunkten für E-Autos in Reichenow, Neutrebbin und Zollbrücke.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.12.2021, 14:40 Uhr

 

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