Wochenserie: Dorfläden in Ostbrandenburg - "Mein Lieblingsort" ist wieder Dreh- und Angelpunkt in Groß Lindow

Do 13.01.22 | 16:23 Uhr
"Mein Lieblingsort" ist der Dreh- und Angelpunkt von Groß Lindow. (Quelle: Eva Kirchner/rbb)
Eva Kirchner/rbb
Audio: Antenne Brandenburg | 13.01.2022 | Eva Kirchner | Bild: Eva Kirchner/rbb

Dorfläden sind oft die Anlauf- und Treffpunkte in unseren kleinen Ostbrandenburger Örtchen. So auch die Verkaufsstelle mit dem passenden Namen "Mein Lieblingsort" in Groß Lindow.

Der Dorfladen in Groß Lindow (Oder-Spree) liegt mitten im Ort, gleich gegenüber der Kirche. Die große Fensterfront erlaubt einen Blick in das helle Innere, wo liebevoll aufgewertetes Mobiliar zum Verweilen einlädt. Ja, dieser Dorfladen mit seinem kleinen Café ist tatsächlich ein "Lieblingsort", bestätigt Kathrin Wollmach, die hier auch gern mal einen Kaffee trinkt. "Viele haben gerade über die Corona-Zeit geschlossen. Und das ist das Problem! Wir hatten hier drei, vier Gaststätten. Jetzt ist 'Mein Lieblingsort' das einzige", so Wollmach.

"Mein Lieblingsort" ist der Dreh- und Angelpunkt von Groß Lindow. (Quelle: Eva Kirchner/rbb)
Bild: Eva Kirchner/rbb

Groß Lindower hält Geschäft im Nebenerwerb am Leben

Und diesen wissen die Groß Lindower natürlich zu schätzen. Erst recht, weil der Laden vor etwa zwei Jahren kurz vor dem Aus stand. Der alte Besitzer wollte damals schließen. Doch das wollte der jetzige Betreiber Christopher Kemmel nicht zulassen. "Ich fand es einfach Schade, dass man hier dann keine wirkliche Anlaufstelle mehr hat, um sich mit Brötchen oder mit den kleinen Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen", erklärt er.

Im März 2020 übernahm Kemmel und eröffnete das Geschäft wieder. Doch anstatt seinen Vollzeit-Job als Angestellter aufzugeben, betreibt Kemmel den Laden nun nebenbei. Fünf Mitarbeiter halten alles am Laufen. Das Risiko komplett in die Selbstständigkeit zu wechseln, sei für ihn einfach zu groß gewesen, erzählt der 37-Jährige. "Selbständigkeit möchte man, aber man will auf jeden Fall erst noch ein sicheres Standbein haben." Deswegen sei es die einzige Möglichkeit für ihn gewesen, den Laden im Nebenerwerb zu betreiben, betont Kemmel.

Der "11.03-Uhr-Termin"

Es ist kurz nach elf in Groß Lindow. Da kommt Stammkunde Ralf Kruschke in den Laden - jeden Tag um die gleiche Zeit. Im Laden heißt es nur der "11.03-Uhr-Termin". "Das ist so eine gereimte Sache: 11.03 Uhr ist die Arbeit vorbei. Da setze ich mich hier eine halbe Stunde bis Dreiviertel hin", sagt Kruschke. Und dann kämen viele andere dazu "und man tauscht sich aus", sagt der 61-Jährige. Schon seit zehn Jahren hält er es so. Der Laden sei für ihn ein ganz wichtiger Ort: "Man hat es heute schwierig, Nachrichten zu bekommen." Da kann ein Pläuschchen mit anderen aus dem Ort nicht schaden, erklärt Kruschke.

Verkäuferin Steffi Zeuschner stimmt dem "11.03-Uhr-Termin" zu. Neben der Arbeit bekommt sie ganz nebenbei auch Neuste aus dem Dorf mit. "Zuhause erfährt man doch nichts. Und wenn man hier mit den Kunden so redet, ist das schon schön", sagt sie.

Modell hat sich bislang bewährt

Kemmels Geschäftsmodell habe sich bisher bewährt. Die Mischung aus frischen Backwaren, regionalen Produkten, dem Café und einer Postfiliale werde von den Kunden gut angenommen, betont er. Und der Laden sei gut für das Dorfleben, bestätigt auch Oliver Kühne, Koordinator für ländliche Entwicklung im Oder-Spree-Kreis. "Groß Lindow mit 1.700 Einwohnern hat keine andere Einkaufsmöglichkeit für den täglichen Bedarf. Von daher schließen wir eine Lücke und die soziale Funktion des Ladens ist ganz wichtig", so Kühne. Deshalb unterstützt der Kreis solche Vorhaben mit umfangreichen Beratungsmöglichkeiten, die für die Ladenbetreiber kostenlos sind.

Am besten gehen in Kemmels Laden die frischen Backwaren. Auch der hausgemachte Kuchen stehe hoch in der Gunst der Kunden, ergänzt Zeuschner. Aber auch die regionale Wurst, verschiedene Brotaufstriche, Eier und der Postbetrieb halten den Laden am Laufen. Wobei die Poststation tatsächlich eine besondere Rolle einnimmt, betont Kemmel: "Wer sein Paket wegschickt, nimmt vielleicht doch noch den Kuchen für das Kaffeegedeck mit. Somit ist das für uns auch ein wichtiger Zweig, den wir hier anbieten müssen."

Seine Erkenntnis: Je vielfältiger das Angebot sei, desto mehr Kunden kämen, so Kemmel. Daher arbeitet er auch mit regionalen Künstlern zusammen, bietet ihnen im Laden eine Plattform. So profitiert auch die Groß Lindowerin Carola Stahl. Sie verkauft hier Keramiken.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.01.2022, 14:40 Uhr

Mit Material von Eva Kirchner

 

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