Beeskow - Spanplattenwerker protestieren gegen Lohnpolitik ihres Unternehmens

Di 25.01.22 | 17:25 Uhr
Warnstreik in Beeskow. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.01.2022 | Michael Lietz | Bild: rbb

31 Jahre nach der Wende immer noch 14 Prozent weniger in der Lohntüte als Kollegen im Westen: Mitarbeitende des Beeskower Spanplattenwerks haben in einer "aktiven Mittagspause" gegen das Lohngefälle protestiert.

Die Beschäftigten beim Spanplattenhersteller Sonae Arauco in Beeskow (Oder-Spree) fordern eine Angleichung ihrer Einkommen mit denen ihrer West-Kollegen. Deshalb haben sie am Dienstag in einer "Aktiven Mittagspause" vor dem Werk protestiert. Sie fordern unter anderem eine Erhöhung der Entgelte um 4,5 Prozent mit einer Laufzeit über zwölf Monate. Wenn sich nichts ändern würde, bekämen die Beeskower Beschäftigten erst in 70 Jahren gleichen Lohn, so die Gewerkschaft IG Metall.

Warnstreik in Beeskow. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

13 Uhr startet Aktive Mittagspause

Punkt 13 Uhr verlassen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und kommen vor das Werkstor. Aktive Mittagspause nennt sich das. Kein Warnstreik, weil nach wie vor Friedenspflicht im laufenden Tarif-Konflikt gilt. Holger Wachsmann, IG-Metall-Chef in Ostbrandenburg, wiederholt die Forderung der Arbeitnehmerseite - Minimum die Angleichung an vergleichbare Tarifabschlüsse plus 4,5 Prozent mehr in der Lohntüte: "Zumal wir hier in Beeskow hochmoderne Anlagen haben, wo gar nicht erklärbar ist, warum wir hier noch unterschiedliche Löhne haben." Wachsmann betont, dass man gar nicht allein über den Westen reden. "Wir reden über Sachsen-Anhalt. Dort sind die Tariflöhne über zehn Prozent höher als in Berlin und Brandenburg. Im Vergleich zum Westen haben wir sogar noch zehn Prozent mehr Arbeitszeit. Es gibt keinen Grund, im Entgelt noch Unterschiede zu machen", betont der IG-Metall-Mann.

Beekower Bürgermeister setzt sich für Beschäftigte ein

Die Beeskower Mitarbeiter erhalten im Tarif-Konflikt ungewohnte Unterstützung aus der Politik. Bürgermeister Frank Steffen (SPD) ist da. Sein Vater war einst Betriebsratsvorsitzender im Spanplattenwerk, das heute zu einem portugiesischen Konzern gehört. Steffen sieht im Lohngefälle mittlerweile einen Standort-Nachteil: "Weil der Arbeitsmarkt mittlerweile so ist, dass die Leute sich umgucken und sich entscheiden, wo es ein Arbeitgeber gibt, der besser pro Stunde bezahlt, der vielleicht auch bessere Sozialleistungen hat." Da werde dann auch schonmal die Arbeitsstelle gewechselt. Das habe Steffen schon aus vielen Betrieben gehört.

Am 31. Januar nächste Verhandlungsrunde

Dreimal haben Arbeitgeber und Gewerkschaft bereits verhandelt. Ein Ergebnis gibt es nach wie vor nicht. Das Angebot der Arbeitgeber sei nicht annehmbar, sagt Verhandlungsführer Wachsmann. Es vergrößere sogar noch einmal die Schere zwischen Ost und West. "Am 31. Januar ist die nächste Verhandlungsrunde. Sollte es tatsächlich zu keinem Ergebnis kommen, gehe ich davon aus, dass es in eine Schlichtung geht. Und danach werden wir sehen! Wenn wir da auch keine Gewissheit haben, dann werden wir im Arbeitskampf enden", so Wachsmann.

Nach der Aktion am Dienstag in Beeskow sagt Wachsmann noch, sei er ein klein wenig optimistischer, dass sich der Arbeitgeber am Montag bewegt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.01.2022, 16:10 Uhr

Mit Material von Michael Lietz

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