Neuer rbb-Podcast "Feld, Wald und Krise" - Wassermangel in Brandenburg - Ursachen und Maßnahmen

Mi 16.03.22 | 08:34 Uhr | Von Fred Pilarski & Andreas Jacob
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rbb-Podcast "Feld, Wald & Krise" - Folge 1 | Bild: rbb Download (mp3, 37 MB)

Der Wassermangel in Brandenburg ist ein ernst zunehmendes Problem. Doch warum ist das Wasser in Deutschlands gewässerreichster Region so knapp? Der neue Podcast "Feld, Wald & Krise - Landschaften im Wandel" stellt Fragen an die Wissenschaft.

Angesichts des Wassermangels in Brandenburg scheint ein bewässerter Apfel aus heimischer Produktion ein besonders wertvolles Gut zu sein. Die Folgen des Klimawandels bekommen Obstbauern in der Region besonders deutlich zu spüren.

Einer von ihnen ist Christian Dohrmann aus Markendorf bei Frankfurt (Oder): "Wir haben 2007 angefangen zu pflanzen. Damals haben wir noch gesagt, dass wir die ersten zwei, drei Jahre bewässern, damit die Bäume Wurzeln bilden können, und dachten, die Bäume hätten dann ohne Bewässerung Früchte. Aber die letzten Jahre zeigen ganz klar: Ohne Wasser geht es gar nicht."

Anhaltende, außergewöhnliche Dürre

Tatsächlich hat der Deutsche Wetterdienst 2021 Brandenburg zur zweittrockensten Region Deutschlands erklärt, auf Platz eins liegt Berlin. Auch wenn das vergangene Jahr vielen Hobbymeteorologen als relativ regenreich in Erinnerung ist: Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung registriert im Brandenburger Boden bis 1,8 Meter Tiefe eine außergewöhnliche Dürre. Auch die Grundwasserpegel bewegen sich in der Tendenz nach unten, seit Jahren.

Das erscheint als Widerspruch zu jenem Bild, mit dem sich Brandenburg um Touristen bemüht: mit über 3.000 Seen als das wasserreichste Bundesland, ein Paradies für Wassersportler. Prof. Dörthe Tetzlaff vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin-Friedrichshagen kann die Irritation gut verstehen: "Wir haben hier zwar viele Gewässer vor der Haustür, aber es sind häufig sehr flache Gewässer." Außerdem werde die Verdunstung des Wasser durch den Klimawandel noch zunehmen, vermutet Tatzlaff und fügt hinzu: "Außerdem sind viele Fließgewässer begradigt, es gibt viele Drainagegräben. Hier wird das Wasser, was in der Landschaft ist, zu schnell abgeführt."

Prof. Dörthe Tetzlaff, Leibniz-IGB Berlin
Prof. Dörthe Tetzlaff, Leibniz-IGB Berlin | Bild: IGB / David Außenhofer

Vier Regenjahre hintereinander nötig

Dörthe Tetzlaff hat mit ihrem Team in einem 66 Quadratkilometer großen Gebiet bei Fürstenwalde dem Regen nachgespürt: Wo sammelt er sich? Wie lange bleibt er in der Landschaft? Wann erreicht er das Grundwasser?

Fazit: Nach einem außergewöhnlich trockenen Jahr, wie 2018, bräuchte es vier verregnete Jahre, damit sich das Grundwasser erholt. "Die kommen auch. Wir wissen aus historischen Daten, dass die Abwechslung von trockenen und nassen Jahren in Zyklen erfolgt. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass die trockenen Jahre häufiger und die trockenen Perioden länger dauern werden", sagt Tetzlaff.

Dabei scheinen die Niederschlagsprognosen für Brandenburg sogar Hoffnung zu machen: Gegen Ende des Jahrhunderts könnte es sogar etwas mehr Regen haben als heute. Allerdings an weniger Tagen und damit öfter als Starkregen. Und auch öfter im Winter – zu einer Zeit, in der nichts wächst. Hydrologin Tetzlaff rät zum Landschaftsumbau, damit das Wasser länger bleibt: "Zum Beispiel Drainagegräben entfernen, die Böden gesünder machen, damit die mehr Wasser aufnehmen können." Ausdrücklich betont sie: "Mais gehört nicht nach Brandenburg." Stattdessen sollten Pflanzen angebaut werden, die den Boden schonen und keine Bewässerung brauchen.

Tröpfchenbewässerung im Obstanbaugebiet Frankfurt – Markendorf
| Bild: Fred Pilarski

Viele Blätter sorgen für Wasserverlust

Am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam hat Dr. Manuela Zude-Sasse noch eine andere Antwort, zumindest für den Gartenbau: Die Wassereffizienz erhöhen, also aus dem Wasser, das wir nutzen, einfach mehr machen. Im rbb-Podcast "Feld, Wald & Krise" stellte sie ihr Projekt Aqua C+ vor, das sie mit ihrem Team entwickelt hat. Das Modell wird mit Wetter-, Boden- und Blattdaten gefüttert und rechnet dann aus, wie viel Wasser ein Apfelbaum gerade braucht.

Diese "klimatische Wasserbilanz" berücksichtigt nicht nur, ob die Bäume auf Lehm- oder Sandboden stehen, sondern wie viele Blätter sie haben. "Als Erste weltweit haben wir Laserscanner benutzt, um die Blattfläche zu vermessen. Bei einem normalen Plantagenbaum sind das 5 bis 7 Quadratmeter Fläche", sagt Zude-Sasse. Viele Blätter sind gut und wichtig für den Stoffwechsel des Baums und das Fruchtwachstum. Bei Regen allerdings wirkt die große Blattfläche wie ein Regenschirm, 90 Prozent des Regens erreichen den Boden nicht und sind für den Baum damit verloren. Für eine exakte Wasserbilanz sind solche Details wichtig. Ergebnis: Das Modell rät selten zum Wassersparen, hilft aber genau dann zu bewässern, wenn der Baum das Wasser braucht.

Der Frankfurter Obstbauer Christian Dohrmann hat in seiner Plantage Bewässerungsschläuche verlegt
Der Frankfurter Obstbauer Christian Dohrmann hat in seiner Plantage Bewässerungsschläuche verlegt | Bild: Fred Pilkarski

Obstbauern teilen sich Brunnen

Wann der Apfelbauer Christian Dohrmann seine Bewässerung startet, entscheidet er noch nicht nach so einem Modell. Er könnte auch Bodensensoren nutzen, die ihm ihre Daten über eine App aufs Handy schicken. Aber meist verlässt er sich auf Beobachtung und Erfahrung: Wenn die Bäume in den schwächsten Ecken der Plantage schwächeln, wird es Zeit.

Christian Dohrmann teilt sich dafür mit anderen Obstbauern aus Frankfurt (Oder) einen Brunnen. Angeschlossen ist ein großes Speicherbecken auf dem höchsten Punkt der Landschaft. Von dort läuft das Wasser in festgelegten Zeitfenstern in seine Tröpfchenbewässerungsanlage. Jeder Bauer hat nur ein bestimmtes Wasserbudget zur Verfügung. "Die neuen Anlagen verbrauchen nur zehn Prozent jener Wassermengen, die zu DDR-Zeiten genutzt wurden", sagt Dohrmann. Damals hätte man die Bäume regelrecht geduscht – und das Unkraut gleich mit.

Beitrag von Fred Pilarski & Andreas Jacob

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dass der Boden, wie vom Helmholz-Zentrum festgestellt , bis 1,8m Tiefe ausgetrocknet ist, ist nicht eine Folge des Klimawandels sondern eine Folge menschlichen Versagens. In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden massiv Bäche zugeschüttet oder begradigt und tiefer gelegt. Grund war, den Boden durch Entwässerung tragfähiger für schwere Landmaschinen zu machen. Mit verheerenden Folgen. Es kann kaum noch Wasser ins Grundwasser versickern, weil es schnell an der Oberfläche abgeleitet wird.
    Da ich im Süden Brandenburgs aufgewachsen bin, habe ich das Ganze hautnah miterlebt. Meine Eltern hatten ein Stück Acker, dass durch diesen Schwachsinn vom fruchtbaren Acker in wertlose Steppe verwandelt wurde. Die LPGs mussten Pumpstationen bauen und die Felder beregnen. Dass sich dort nichts zum Guten verändert hat, sieht man bei Google-Maps. Diese Trockenlegung fand im ostdeutschen und westdeutschen Flachland statt.

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