Blick auf die Tribüne der Galopprennbahn Hoppegarten am 13.08.2017. (Quelle: imago/Frank Sorge)
Bild: imago/Frank Sorge

Protest gegen das Lollapalooza - Unmusikalischer Streit ums Doppelbett

Spitzenbands und zwei Tage lang Glückshormone - das ist das Lollapalooza für Musikfans. Ohrenbetäubender Krawall auf Marihuana-Wolken im Naturschutzgebiet - so sehen es genervte Nachbarn des Festivals. Sie sollen Hotelzimmer bekommen. Aber wer zahlt die nun?

Friede, Freude, Feierei und das alles bei lauter Musik - das ist das klassische Open-Air-Gefühl und das soll auch die Besucher des Lollapalooza-Festivals beseelen. Am 9. und 10. September wird die Galopprennbahn Hoppegarten beschallt, allerdings nicht nur die. Und eben deswegen liegen die Organisatoren des Festivals nun mit einigen Anwohnern im Clinch.

"4.000 Leute aus Hoppegarten und Umgebung haben hier Tickets gebucht und freuen sich auf das Festival", sagt der Lollapalooza-Sprecher Tommy Nick.

Nick und seine Lollapalooza-Kollegen dagegen wollen in Hoppegarten für mehr als 100.000 Menschen Musik machen lassen. Eine Woche vor dem Festival eskaliert der Streit - bevor auch nur ein einziger Song aus den Boxen schallt.

Wer bezahlt denn nun das Hotel?

Gefährdet zumindest ist das Festival nicht, so sieht es wenige Tage zuvor jedenfalls aus. Die Anpacker bauen die Bühnen, installieren die Technik, hängen die Wegweiser auf. Auf den Kopfhörern der Fans dürften die Songs ihrer Lieblinge schon jetzt warmlaufen: die Foo Fighters werden spielen, The xx und Metronomy.

Aber die Gemeinde Hoppegarten hat das Festival auf dem Gelände der Rennbahn nur unter Auflagen genehmigt, um die Umwelt zu schonen und Anwohner zu schützen, die lieber Tatort kucken. In diesen Auflagen heißt es, grob verkürzt: All jenen, in deren Heim die Live-Musik 75 Dezibel übersteigt, muss ein Hotel bezahlt werden. Aber von wem - darüber wird nun gestritten.

In einer Mitteilung der Festivalleitung vom Mittwoch an die Anwohner hieß es, dass sich die Betroffenen selbst ein Hotel suchen könnten. Für die Lollapalooza-Organisatoren werde die Zeit für eine Hotelsuche wohl zu kurz sei. Darum müsse wohl ein Gericht entscheiden, wer das Hotel bezahlt - die Gemeinde Hoppegarten als Festival-Vertragspartner oder das Lollapalooza selbst.

Naturschutz, Rechnungen und Verantwortungen

Die Mitteilung aber sorgte nun für Wirbel. Zumindest behauptet das der Aktionsbündnissprecher Sven Francke. "Die Anwohner laufen Gefahr auf ihren Hotelkosten am Ende sitzen zu bleiben. Lollapalooza spielt wieder mal auf Zeit", behauptet er und kündigt für Montagabend eine Protestaktion am Rande einer Gemeindeversammlung an.

Gegenwind allerdings bekommt Francke von der Gemeinde, die in Reaktion auf das Schreiben des Festivals sinngemäß verkündet: Ja, es gibt die Auflagen, dass lärmbetroffene Anwohner ab einer bestimmten Lautstärke ein Hotel bezahlt bekommen und ja, das Festival und die Gemeinde sind uneins, wer das bezahlt, aber klar ist: Es wird bezahlt. Im Amtsdeutsch lautet das: "Der Veranstalter hat dies zu bezahlen. Sollte ein Gericht eine ganz oder teilweise abweichende Auffassung vertreten, hat der Veranstalter einen Schadensersatzanspruch gegen die Gemeinde."  

Zwei Tage Konzerte und laute Musik vor hundertausenden Menschen mitten in einem Naturschutzgebiet - dafür sei die Rennbahn nicht gemacht, sagt Sven Francke. Und er bekräftigt, dass er die Gemeinde in der Verantwortung sieht und nicht das Lollapalooza - denn die Musik dort, die finde er auch gut. Der Festivalsprecher Tommy Nick hält das offenkundig für Taktik und er korrigiert das Umwelt-Argument: "Es ist nicht richtig, dass das Festival auf dem Gelände des Naturschutzgebiets stattfindet."

Bei aller Kritik räumt Francke am Ende ein, dass das Lollapalooza am 9. September wie geplant starten werde. Und auch wenn sein Konterpart Nick versöhnlich mit auf den Weg gibt, dass das Festival "keine verbrannte Erde hinterlassen" werde" - einig sind sich beide Seiten deswegen noch lange nicht. Da hilft auch keine noch so gute Musik.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.09.2017, 16.30 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    An Michael
    Es gibt einen kleinen Unterschied zu den Renntagen und dem Festival. Und der besteht nicht nur in der Anzahl der Besucher, der sich hier verfünffacht, sondern in der Art der Nutzung. Und da steht wohl der Name Galopprennbahn Hoppegarten dafür.
    Und nein ich bin kein Wutbürger. Haben Sie nicht schon mal drüber nachgedacht aus dem spiessigen und intoleranten Hoppegarten wegzuziehen?

  2. 4.

    Genau. Wohne in Waidmannslust, und hier gibt es weder Kino, Kabarett, Theater, Post, Konzerte und soziale irgenwie relevante Angebote. Wäre gern lieber Teilzeit-Hoppi-Gärtner mit Teilzeitlärm. LG

  3. 2.

    Wieder ein Beispiel für die unerschütterlichen Wutbürger,die es endlich mal schaffen, aus ihrer Bedeutungslosigkeit heraus zu treten.
    Vergessen aber, dass an Renntagen ebenso tausende Besucher das verschlafene Dorf aus seinen Tiefschlaf reißen. Nun sind es Musikfans.
    Leider ist Hoppegarten weit von einem Wacken entfernt, nicht nur wegen seiner spießigen und intoleranten Gutmenschen.

  4. 1.

    Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie eine friedliche Gemeinde vom Kapital mit Hilfe der Politik am Boden zerstört. Das Leben dort wird nicht mehr lebenswert gemacht. Sollen die doch mit ihrem Lärm irgendwo in Brandenburg in den tiefen Wald gehen, dort können sie erst die Wölfe vertreiben und dann Krach machen. Nun, die Wölfe hauen wahrscheinlich von ganz alleine ab und die Krachmacher bringen sogar noch Nutzen für normale Menschen.

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