Großer Andrang am S-Bahnhof Hoppegarten (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Video: Brandenburg aktuell | 10.09.2017 | Michael Scheibe | Bild: dpa/Gregor Fischer

Veranstalter weist Vorwürfe zurück - Chaos bei der Abreise vom Lollapalooza-Festival

Nach dem Lollapalooza-Festival in Hoppegarten kam es zu Gedränge am S-Bahnhof Hoppegarten. Einige Festivalbesucher kollabierten, es gab auch Verletzte. Der Veranstalter sagt, ein höherer Takt sei besprochen gewesen, ebenso wie längere Züge.

Nach einem teils chaotischen Gedränge während der Abreise von Tausenden Besuchern des Lollapalooza-Festivals in Hoppegarten (Märkisch Oderland) hat der Veranstalter Vorwürfe wegen mangelnder Organisation zurückgewiesen. "Nach Absprache mit der BVG waren der S-Bahn-Takt von 20 Minuten auf 10 Minuten verdichtet und längere Züge eingesetzt worden", sagte Veranstalter Tommy Nick am Sonntag. "Nach Aussage der S-Bahn konnte der Takt nicht weiter verdichtet werden, weil es nicht mehr Personal gab."

Ein Bahn-Sprecher hatte am frühen Sonntagmorgen gesagt, die Geschehnisse seien normal für Großveranstaltungen. Es gelte lediglich der Regelfahrplan, da es keine Anträge für zusätzliche Züge gegeben habe. Damit widerspricht er Angaben des Veranstalters.

"Shitstorm" auf facebook-Seite der Veranstalter

Die Lollapalooza-Crew hat sich inzwischen über die sozialen Medien bei den Festival-Besuchern entschuldigt und bittet darum, am Sonntag Fahrgemeinschaften zu bilden. Das lockere die Situation für alle Besucher.

Unter dem Post sammelten sich bis Sonntagnachmittag über 250 Kommentare von Nutzern, viele davon sehr erzürnt. Ein Nutzer schreibt: "Dass es im Gedränge bei den paar Rennbahnübergängen nicht zu mehr Chaos oder gar Panik gekommen ist, grenzt für mich an ein Wunder."

Zahlreiche Besucher des Lollapalooza Festivals stauen sich in der Nacht vom 09. auf den 10.09.2017 am S-Bahnhof Hoppegarten (Brandenburg), als sie nach dem Ende der Veranstaltung abreisen wollen (Quelle: dpa/ Martha Richards)
Situation am S-Bahnhof am Samstag den 09.09.2017 | Bild: dpa

Bei der Abreise vom Lollapalooza-Musik-Festival war es am Samstagabend zu chaotischen Zuständen am S-Bahnhof Hoppegarten gekommen. Um 1 Uhr drängten sich nach Angaben der Bahn rund 3.000 Menschen auf den Bahnhof.

Als knapp eine Stunde lang keine S-Bahn nach Berlin einfuhr, kippte die Stimmung langsam, wie Augenzeugen berichteten. Viele seien genervt gewesen, immer mehr angespannt. Einige baten den Angaben zufolge die Polizei um Wasser, mehrere Menschen kollabierten im Gedränge. Wie es weiter hieß, konnten die Rettungskräfte zum Teil nicht an die verletzten Personen heran.

Etwa 30 Personen hätten Kreislaufprobleme oder Schwächeanfälle erlitten. "Das passiert allerdings häufig bei solchen Festivals im Gedränge, wenn die Leute den ganzen Tag auf den Beinen waren und vielleicht etwas dehydriert sind", sagte Veranstalter Nick. Die Betroffenen seien sofort von Sanitätern behandelt worden. "Es gab da keine Paniksituationen", betonte Nick. Die Polizeidirektion Ost bestätigte die Darstellung. Trotz des dichten Gedränges habe es "zu keinem Zeitpunkt eine bedrohliche Situation gegeben".

Auch am Sonntag kein geänderter Fahrplan

Wie die Betroffenen jedoch schilderten, haben die Einsatzkräfte erst sehr spät deutlich gemacht, dass man mit der S-Bahn nicht mehr nach Berlin kommt. Die Shuttlebusse seien das einzig sinnvolle Verkehrsmittel, hieß es dann, weil sie die Besucher an eine näher an Berlin gelegenen U-Bahn-Station bringen würden. Bis zu dieser Info seien jedoch zwei Stunden vergangen.

Das stundenlange Gedränge tausender Menschen auf dem S-Bahnhof Hoppegarten löste sich erst am frühen Sonntagmorgen auf.

Kleinere Probleme gab es schon am Nachmittag auf dem Festival. So entschuldigte sich der Veranstalter bei Twitter außerdem für die "temporären Schlangen vor den Essensständen" am Nachmittag - Grund sei ein Stromausfall gewesen.

Am Sonntagabend sieht der S-Bahn-Fahrplan ab Hoppegarten einen 10-minütigen Takt vor bis 00:39 Uhr. Danach ist Schluss bis vier Uhr morgens. Außerdem sind Sonderbusse geplant.

Love, Peace & Moshpit in Hoppegarten

Ab 23 Uhr wird nur leiser gedreht

Das dreitägige Lollapalooza-Festival findet zum ersten Mal in Hoppegarten statt. Am Sonntag werden dort unter anderen die Foo Fighters, Westbam und der Rapper Cro erwartet.

Zu der Dauer des Festivals hatte es am Freitag noch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegeben, wonach um 23 Uhr Schluss sein soll. Die Veranstalter hatten das so interpretiert, dass es dann nur leiser sein muss.

Mit Informationen von Henrike Möller und Holger Hansen

 

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    Zugegebenermaßen als Außenstehender scheint sich mir die Sache auf drei Probleme zu konzentrieren:
    1. Der Veranstalter wusste offenbar nicht, dass die S-Bahn eine DB-Tochter ist, nicht aber zur BVG gehört, worüber auch schon mehrere Kommentatoren richtig schrieben
    2. Die Veranstalter und die S-Bahn gingen offenbar von zwei völlig verschiedenen Schließzeiten aus, die S-Bahn offenbar von 23 Uhr, der Veranstalter von nach 1 Uhr.
    3. Die S-Bahn Berlin kann durch Organisationsmängel keinen verlässlichen Fahrbetrieb garantieren. Vor allem bei Veranstaltung mit abgemessenem Zeitkorridor schlägt dies durch. Ursache dafür ist Personalknappheit und der Abschied von der vorsorglichen Instandhaltung der Züge, die Defekte vermeiden würde, ersetzt durch eine Defekthebung.

  2. 22.

    Glückwunsch, mal wieder haben die Brandenburger bewiesen, was für engstirnige verschnarchte Leute sie sind, die nur Jammern und ihren Humor im Keller suchen, so wird das nichts mit besseren Lebensverhältnissen...

  3. 21.

    Hallo Roswitha,

    wir haben zu diesem Beitrag bisher ausnahmslos alle Kommentare freigegeben.

    Viele Grüße aus der Redaktion!

  4. 20.

    Wie brisant das Thema ist, zeigt die geringe Anzahl an Beiträgen. Ich nehme mal an, dass viel mehr ihre Meinung äußerten, aber von rbb24 nicht veröffentlicht werden.
    Passt aber irgendwie dazu. Hier, die Befürworter, da der Protest.
    Die Befürworter gehen ihrer Wege, die Protestler gehören zum Klientel, die diese Seite rbb24 lesen.
    Die möchte man nicht verschrecken. Kann ich voll verstehen.
    Einen kurzen Moment schaute die Welt auf dieses Provinzdorf Hoppegarten.
    Nun aber kehrt wieder Ruhe ein im schläfrigen Hoppegarten.
    Einziger Höhepunkt für die Bedauernswerten ist ein Treffen mit Dieter Birr auf dem Parkplatz von REWE.
    Alles geht wieder den gewohnten Gang.
    Auf der Straße das gewohnte Bild: friedlich, verschlafen - und wieder das unbedeutendes Dorf im Speckgürtel Berlins.

  5. 19.

    Der Veranstalter hat schon während des Konzertes auf die Abreise auf der App darauf hingewiesen und auf Stag2 alles angezeigt.Es sind doch alle so aufgeklärt, Ach übrigens,es waren zwei super Tage beim Lolla, weiter so,es geht immer besser.

  6. 18.

    @Helmut (Mahlsdorf):
    Von mir (S-Bahner) ein Hinweis: in Hoppegarten steht (baubedingt) nur 1 Gleis zur Verfügung. Es ist maximal ein 10-Minuten-Takt möglich!
    Ansonsten sehr amüsant (oder vielmehr ärgerlich), wie viele Kommentatoren mit ihrem Halbwissen "Stimmung" machen.
    Umso mehr freut es mich, dass viele unter Ihnen allen wissen, dass die S-Bahn zur DB und nicht zur BVG gehört.
    Einen schönen Start in die Woche!
    Gruß Tom

  7. 17.

    Da der Veranstalter sich nicht wie bei vielen anderen Großveranstaltungen üblich an den Kosten für den zusätztlichen ÖPNV beteiligen wollte, darf er sich auch nicht über die mangelnde Korperationsbereitschaft des VBB als Besteller des S-Bahn-Verkehrs wundern.

    Wie haben die Amerikaner eigentlich die Luftbrücke stemmen können, wenn die sich bei einem Festival in der Grösse, wie es seit Jahren in Wacken gestemmt wird, völlig überfordert sind? Immerhin haben die von Trump gelernt und versuchen vom eigenen Unvermögen abzulenken.

  8. 16.

    Wiedermal zeigt sich, dass Berlin das Festival auf einem Pampa-Areal verfrachtet hat und Chaos im vorhinein programmiert war. Natürlich sollten (fast) alle Besucher in die S-Bahn S5 ohne Rücksicht auf reguläre Fahrgäste.
    Geeignet wäre gewesen, Areal für Lollapalooza mit ebenso großem Parkplatz für Individualverkehr und div. Bussen. Aber nein, die Berliner Verwaltung wollte, dass die Kassen klingeln. Der Veranstalter hatte 10min Takt geordert, ich denke mal auch bezahlt, aber die Bahn kann das nicht auf die Reihe bekommen, was sie bei Normaltakt nicht auf die Reihe bekommt... Und meine Frage, wieso kann man dieses Festival nicht in den Ländern lassen wie alles prima läuft?
    Wieso holt man alles nach Berlin und kann nicht im Ansatz verstehen, dass für die Anreiser und Besucher von Festivals Individual-Verkehrsmittel (auch) wichtig sind. Im Übrigen waren alle bisherigen Generationen belastbarer.

  9. 15.

    Nun, lieber rbb24, das Titelfoto stellt doch die Anreise der Besucher da und nicht die "chaotische" Abreise. Na ja, klingt auch reißerische.
    Selbst die Polizei sprach von "vielen Menschen, die auf einmal abreißen wollten, da sich die Veranstalter an die Vorgaben des OLG gehalten haben. Von Chaos bez. Gefährdung von Bürgern und Besuchern kann keine Rede sein. Alles lief friedlich ab".
    Ich persönlich tat mich mit meinem T6 auf und fuhr die Leute nach Berlin. Ich fuhr insgesamt fünf Mal und lernte durchaus freundliche und zufriedene Gäste.
    Wenn sich noch mehr Hoppegärtner aufgemacht hätten, als sich nur dumpf und angewidert in ihrer Selbstgefälligkeit suhlten, wäre soetwas wie Solidarität und Spass aufgekommen.
    Leider denkt jetzt jeder nur an sich.

  10. 14.

    Die BVG zuständig für den S-Bahn-Takt? Da geht doch irgendwas durcheinander, klingt so als hätte sich da jemand bei einer Notlüge verplappert. Hat sich der Veranstalter im Vorfeld überhaupt mal um irgendwas rechtzeitig gekümmert? Macht nicht so den Eindruck....

  11. 13.

    Es zeigt wiedereinmal wie Inkompoten / unprofessionell hierVeranstalter / S Bahn miteinander arbeiten / reden. Da wird ein Millionenschweres Festival an einem so tollen Ort veranstaltet aber das hier ca. 80.000 Menschen an bzw. abreisen müssen wird vollkommen unterschätzt. Da werden mündliche Absprachen getroffen und das muss man sich mal verstellen ich betone mündlich getroffen. Das dann bei der S Bahn gesagt wird uns lag ja keine Anfrage vor, zeigt es auch wieder wie Behördenhaft /Unprofesionell hier nach Vorschrift gearbeitet wird. An den Veranstalter gerichtet , es hätten auch viele andere Ausweichmöglichkeiten wie den U Bahnhof Hönow gegeben denn dort wäre bestimmt die Möglichkrit eines 5 Minuten Taktes gegeben. Desweiteren in Zusammenarbeit mit der IGA gibt es ca. 5.000 - 10.000 Parkplätze auf einem Feld ( Ideal für Festivals ).Für die Zukunft hoffe ich das dieses Festival endlich ein zu Hause in Hoppegarten findet den es gibt keinen schöneren Ort zum feiern.

  12. 12.

    Warum fragt der Veranstalter denn bei der BVG nach weiteren Zügen? Die BVG ist doch nicht für die SBahn verantwortlich, oder? Das macht alles wenig Sinn.

  13. 11.

    Es ist genau das eingetroffen, was viele in Hoppegarten erwartet haben. Chaos bei der Abreise. Hoffentlich erkennen die Gemeindevertreter jetzt, dass die Veranstaltung eine Nummer zu groß ist. Und der Veranstalter bekommt doch von der DB nur das, was er bestellt. Der Bahn kann man hier keine Schuld geben.
    Danke an das OVG, dass um 23.00 Uhr endlich Ruhe war.

  14. 10.

    Hat der Veranstalter wirklich bei der BVG nach zusätzlichen S-Bahnen gefragt?! Es sollte doch eigentlich klar sein, dass die S-Bahn zur Deutschen Bahn gehört. Die BVG hat damit überhaupt nichs zu tun. Kein Wunder, dass das nicht geklappt hat.

  15. 9.

    Der Veranstalter hat keinen Sonderfahrpan beantragt - vermutlich aus Kostengründen. Private Busse sind wohl günstiger. Es gibt daher auch keinen Sonderfahrplan. Durchdachte Veranstaltungsplanung ist was anderes. Die S-Bahn kann nichts dafür.

  16. 8.

    Wenn die das mit der BVG abgesprochen haben, wundert es nicht, dass die S-Bahn von nichts wusste.

    Aber ich bin der Horst Jablonski und ich sag hier auch nur meine Meinung.

  17. 7.

    Das erinnert an die Katastrophe der Loveparade in Duisburg , nur knapp daneben gewesen ..
    Die Unterstützung der etablierten Kultur durch die Bürokraten in Berlin Brandenburg :funktioniert , Für die Philharmoniker in der Waldbühne hatte die S Bahn einen 5 Minuten Takt eingerichtet
    Aber hier geht es dem Ordnungsamt ,Bürgermeister und Spießertum um Lärmschutz - und nicht um das Ansehen einer Weltweit einmaligen Veranstaltung . Senat ,Brandenburger Verwaltung und Kulturverantwortliche haben wieder mal auf ganzer Bank versagt .
    Der öffentliche Verkehrsanbund in die Brandenburger Provinz- ist einfach sauschlecht - da ist und bleibt Provinz eben Provinz - eben ohne Kultur .

  18. 6.

    Wie soll man mit dem Auto anreisen, wenn man keine Parktickets mehr bekommt???? Klasse Ausrede!

  19. 5.

    >"Nach Absprache mit der BVG waren der S-Bahn-Takt von 20 Minuten auf 10 Minuten verdichtet und längere Züge eingesetzt worden", sagte Veranstalter Tommy Nick am Sonntag.

    Herr Nick weiß aber schon, daß die S-Bahn mal so garnichts mit der BVG zu tun hat? Schinbar nicht.

  20. 4.

    Die S-Bahn ist nicht die BVG! Wenn das die Veranstalter nicht auseinander halten können, sieht man ja wie sehr sie die An- und Abreise organisiert haben. Jedoch haben die Behörden hier versagt, weil sie den Veranstalter hätten verpflichten müssen mehr Züge und Personal der S-Bahn Berlin zu bestellen, dann wäre mit etwas Vorlauf auch locker ein 5-Minuten-Takt bis Hoppegarten möglich gewesen.

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