Festivalbesucher des Pol'and'Rock posieren auf dem Zeltplatz mit der Hauptbühne im Hintergrund. (Bild: Pol'and'Rock/Marta Szpakowska)
Video: Brandenburg aktuell | 02.08.2018 | Phil Beng | Bild: Pol'and'Rock/Marta Szpakowska

Festival startet in Kostrzyn - "Haltestelle Woodstock" wird zu "Pol'and'Rock"

Das größte Open-Air-Festival Polens geht am Donnerstag zum 24. Mal an den Start - allerdings mit einer wichtigen Änderung, einem günstigeren Namen. Es heißt jetzt "Pol'and'Rock". "Haltestelle Woodstock" war zu teuer. Von Agata Horbacz

Eine kleine Stadt an der deutsch-polnischen Grenze - so beschreibt man üblicherweise das fast 20.000 Einwohner starke Kostrzyn, auf Deutsch Küstrin. Doch einmal im Jahr wird sie zum Schauplatz eines riesigen internationalen Rock-Festivals.

Hunderttausende Menschen aus Polen, Deutschland und anderen Ländern werden ab Donnerstag wieder drei Tage lang auf einem der größten Festivals Europas feiern. Auf den vier Bühnen treten fast 100 Musiker und Bands aus der ganzen Welt auf. Viele unterschiedliche Musikstile werden unter dem Motto "Liebe, Freundschaft und Musik" zu hören sein: Folk-Metal aus Schottland, melodischer Punk-Rock aus London oder Balkan-Musik mit Punk-Elementen.

Zahlreiche neue, noch nicht wirklich bekannte Bands treten in Kostrzyn auf. Das Festival zieht aber auch größere Bands an. Die Goo Goo Dolls aus den USA zählen in diesem Jahr zu den Stars. Ihr größter Hit "Iris", geschrieben für den Film "Stadt der Engel" (1998), wird bis heute im Radio gespielt - und auch bestimmt auf der große Bühne des Festivals zu hören sein. Zum Programm des kostenlosen Festivals gehören neben der Livemusik  auch zahlreiche Seminare, Theater – und, wenn das Wetter es erlaubt, ein ausgiebiges Schlamm-Bad.

Der Name "Woodstock" wurde zu teuer

Für die Veranstalter war es dieses Mal besonders schwierig, das Festival auf die Beine zu stellen. Sie mussten sich notgedrungen von dem seit Langem bekannten Namen "Haltestelle Woodstock" verabschieden. Die amerikanische Organisation, die die Rechte am Namen "Woodstock" vertritt, war von einer neuen Agentur übernommen worden. Die forderte nun von Festivalleiter Jurek Oswiak und seinem Team eine enorme Summe für die Nutzung des Namens.

Der war damit nicht einverstanden – denn das hätte bedeutet, dass die Besucher Eintritt hätten bezahlen müssen. Das entspreche aber nicht der Idee des Festivals, sagt Owsiak. "Uns ist es gelungen, ein nicht-kommerzielles Festival zu schaffen. Für uns ist nicht der Gewinn wichtig, sondern nur die Menschen". Bei seiner 24. Ausgabe heißt das Festival in diesem Jahr nun nicht mehr "Haltestelle Woodstock", sondern "Pol'and'Rock".

Auch in diesem Jahr: Sicherheitsrisiko erhöht

Ein anderes Hindernis ist geblieben: Wie in den vergangenen beiden Jahren gilt auf dem Festival wieder ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Das betrifft zwar nur zwei Bühnen, bedeutet für die Veranstalter aber erhöhte Kosten. Neben freiwilligen Helfern müssen wieder auch Hunderte bezahlte Kräfte eingesetzt werden.

Der Chef der örtlichen Polizei in Gorzów Wlkp, Fabian Rogala, begründet die Notwendigkeit dieses Sicherheitsaufkommens mit möglichen terroristischen Anschlägen, Schlägereien und Raubüberfällen.

Owsiak ist der Regierung ein Dorn im Auge

Die Veranstalter sind sauer. Sie können die Entscheidung gar nicht nachvollziehen. Das Festival galt bis vor wenigen Jahren noch als eines des sichersten in Polen. Selbst die Polizei hatte von der Sicherheit und Zusammenarbeit von viele Einsatzkräften während des Festivals in Superlativen gesprochen. Doch seit 2016 wird es als Veranstaltung mit erhöhtem Sicherheitsrisiko eingestuft.

Die Veranstalter äußern sich offiziell nicht dazu, in Polen aber ist es ein offenes Geheimnis, dass sowohl das Festival als auch Jurek Owsiak der nationalkonservativen polnischen  Regierung ein Dorn im Auge sind. Ein freier Vogel wie Owsiak und sein Schaffen sind im heutigen Polen offenbar nicht erwünscht.

Auch der Bürgermeister von Kostrzyn, Andrzej Kunt, zeigt sich enttäuscht von der Entscheidung. Wegen der schlechten Atmosphäre rund um das Festival hat er deshalb die Bewohner befragt, ob sie "Pol'and'Rock" in Kostrzyn überhaupt wollen. Die Antwort fiel deutlich aus: Fast 80 Prozent sprachen sich für das Festival aus.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Danke fur Deutsche Feuerwehr!Ein Warschauer!

  2. 1.

    Die Autorin hat vergessen, Judas Priest als das größte Star in diesem Jahr zu nennen.

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