Schweinezucht in Günthersdorf (Quelle: PETA)
Bild: PETA

Missstände in Schweinestall in Beeskow - Tierschützer zeigen Veterinäramt von Oder-Spree an

Eigentlich sind sich die Tierschutz-NGO Peta und das Veterinäramt einig: Die Zustände in einem Schweinezuchtbetrieb bei Beeskow sind seit längerem miserabel. Doch geschlossen wurde der Betrieb bislang nicht. Nun erhöht Peta den Druck auf die Aufsicht.

Tierschützer haben das Veterinäramt des Landkreises Oder-Spree angezeigt, weil sie der Behörde Untätigkeit vorwerfen. Es geht um die Zustände in einem Schweinemast- und zuchtbetrieb bei Beeskow, die Agrargenossenschaft Günthersdorf. Hier sind nach rbb-Informationen rund 1.500 Tiere untergebracht, davon 900 Sauen.

Die Tierschutzorganisation Peta veröffentlichte im Internet Aufnahmen, die in der Anlage gemacht worden sein sollen. Demnach werden dort u.a. Tiere in zu kleinen und verschmutzten Boxen gehalten, sterbende Tiere nicht ausreichend behandelt und auch tote Schweine nicht korrekt entsorgt. "Trotz behördlicher Kontrollen konnten die Betreiber offenbar seit Monaten ohne jegliche Einschränkungen mit ihrer katatrophalen Tierhaltung fortfahren," schreibt die Organisation Peta auf ihrer Internetseite. "Trotz umfassender Anzeige durch Peta wurde seitens des zuständigen Veterinäramtes nicht durchgegriffen."

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, dass die Anzeige gegen das Veterinäramt vorliege. Anfang September sei die Anzeige eingegangen, eine weitere Anfang des Jahres. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurden gegenüber dpa und rbb aber keine weiteren Angaben gemacht. Peta hat im Februar schon den Betrieb angezeigt.

Amtstierarzt: "Die Zustände sind schlecht"

Der Amtstierarzt des Landkreises Oder-Spree, Thomas Maczek, räumte gegenüber der rbb-Welle Brandenburg aktuell, die zuerst über die Vorfälle berichtet hatte, Missstände ein. "Die Zustände sind schlecht und nicht artgerecht", sagte er wörtlich. In der Anlage werde gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und Schweine würden nicht artgerecht gehalten.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Maczek: "Seit Frühjahr sind wir fast wöchentlich in der Anlage und kontrollieren." Es seien damals 30 schwerwiegende Mängel festgestellt worden. Der Betrieb sei aber dabei, diese abzuarbeiten. Unter den Mängeln sei zum Beispiel die Abwasserversorgung gewesen, die nicht funktioniert habe - Gülle hätte sich in den Ställen ausgebreitet. Das Problem sei inzwischen abgestellt, betonte Maczek.

Der Amtstierarzt bestritt im rbb-Interview jedoch, dass sich - wie von Peta kritisiert - die Zustände zwischen Jahresbeginn bis Juni verschlechtert hätten. Auflagen würden nun von der Agrargenossenschaft Günthersdorf umgesetzt, sagte er. Und: Zu keinem Zeitpunkt habe die Notwenigkeit bestanden, den Betrieb zu schließen. "So wie ich das da vorgefunden habe, war es noch kein Grund, den Betrieb zu schließen", sagte Maczek dem rbb. Man müsse auch die Agrargenossenschaft "insgesamt betrachten", so Maczek. "Man muss ans Personal denken." Er gebe dem Betrieb "eine Chance, wieder auf die Füße zu kommen".

Die Geschäftsführung des Schweinezuchtbetriebes wollte gegenüber der rbb-Welle Brandenburg aktuell zu den Vorwürfen nicht Stellung beziehen.

Totes Ferkel in einer Schweinezucht in Günthersdorf (Quelle: PETA)
Bild: PETA

Grüne wollen das Thema im Landtag behandeln

Neben juristischen Konsequenzen könnten die Zustände in der Beeskower Schweinezuchtanlage aber auch politische Folgen haben: Der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Michael Jungclaus, kündigte am Freitag an, das Thema auf die Tagesordnung des Verbraucherschutzausschusses des Landtags setzen zu wollen. Er sprach von "schockierenden Bildern" von dahinsiechenden und toten Schweinen. Es müsse geklärt werden, wie es zu diesen Zuständen kommen konnte, ob die Behörden ihren Kontrollpflichten nachgekommen sind und ob der neue Tierschutzbeauftragte des Landes eingeschaltet worden sei.

Sendung: Brandenburg aktuell, 08.09.2017, 19.30 Uhr

 

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Man schämt sich Mensch zu sein, angesichts dessen, wie man unsere Mitgeschöpfe leiden lässt. Wie Albert Schweizer sagte; " Wo immer Tiere in Not und Bedrängnis sind, ist es unsere Aufgabe , zu helfen " das sieht das Veterinär Amt anders,dessen Pflicht es ist, diesen " Saustall " zu schließen,denn hier wird nicht nur gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, gegen die simpelsten hygienischen Bedingungen verstoßen, sondern diese Mitarbeiter gehören juristisch belangt. Was sind das bloß für Empathie lose Mitarbeiter !!! Wirtschaftlich arbeitet ein Betrieb doch nur dann, wenn er sauber und ohne Straf rechtlich relevante Weise ( Leitung und Personal ) seinen Betrieb führt,und so Arbeitsplätze erhält. Über den Amtstierarzt Herrn Maczek finde ich keine Worte.

  2. 12.

    Vielen Dank für Ihre Ausführung. Ich bin immernoch dermaßen verärgert über solch Tierquälerei.Schweine in viel zu engen Boxen zu halten muß verboten werden.

  3. 11.

    Soll das jetzt hier eine verdeckte Werbung für Schweinefleisch Produkte sein? Im übrigen ist Biofleisch zwar verdammt lecker aber auch dermaßen teuer das sich dies nur momentan die Besserverdienenden antun können u.das regelmäßig.Außerdem,wenn alles Fleisch welches hergestellt wird alleine in Deutschland "Bio"sein soll wohin mit den ganzen Stellplätzen?Das Schweine sehr schlaue Tiere sind weiß doch schon fast jedes Kind.Auch der Mensch suhlt sich gerne im Dreck.Geht aber auch wie das Schwein anschließend ins sauber gehaltene Bett.

  4. 10.

    "Was für andere unsauber/unrein aussieht, zeigt Unwissenheit"

    Unwissenheit hoch drei zeigt ihre Aussage! Schweine suhlen gern im Schlamm - nicht in den eigenen Ausscheidungen! Wenn sie genug Platz haben, dann legen sie Klo-Ecken an und halten den Rest ihrer Unterkunft sauber.

  5. 9.

    Es ist Schlamperei im großen Stil. Es schadet der Branche und dem Einzehandel von der Metzgerei bis ... Der Amtveterinär Herr Maczek ist sofort seines Amtes ohne Ausgleichszahlungen zu entbinden. Sofort. Seine Aussagen wen die stimmen sind nicht zeitgemäß und nicht tragbar. Alle Beteiligten düfen in den Ställen eine Probewochende im Stall mal Schwein sein.

  6. 8.

    Das Schwein an sich ist ein kluges Tier. Es leidet wenn es nicht suhlen darf. Was für andere unsauber/unrein aussieht, zeigt Unwissenheit und es muss deswegen z. B. auf Rosten stehen. Weniger Schweinefleisch und wenn, dann mit Genuss vom Bauern des Vertrauens, der seine Schweine suhlen lässt. Glückliches Schwein - verdammt gutes Fleisch! Der Preis geht dann in Ordnung. Berliner wir haben Brandenburg und es gibt Neuland-Internet. Schweine-Knäste sollte es nicht mehr geben.

  7. 7.

    Die armen Tiere! Dank dieses video material und hier ist das jetzt veröffentlicht, finde ich super.

  8. 6.

    Uns vergeht schon lange der Appetit und Herrn Vogelsänger sein Gelaber von der Massentierhaltung, die wir ja unbedingt brauchen, geht mir sowiedo auf den Nerv. Das ist schonmal ein Grund, die SPD nicht zu wählen.
    Ich finde überhaupt den ganzen politischen Werbewahn der Unwahrheiten zum Kotzen!!!!!!

  9. 5.

    großes Lob an den RBB darüber zu berichten, wie lange will das Veterinäramt denn noch ermitteln ? Werden Arbeitsplätze gegen Tierwohl aufgewogen ? Solche Betriebe sollten sofort geschlossen werden, die verantwortlichen Politiker wurden/werden von uns gewählt (hoffentlich nicht "wieder" gewählt), bitte bei der Bundestagswahl beachten: die CDU steht nicht an erster Stelle beim Tierschutz/Tierwohl

  10. 4.

    Bei solchen Berichten und Fotos packt mich jedesmal eine ohnmächtige Wut und ich möchte am liebsten losgehen und die ganze Bande genauso einsperren wie sie es mit den armen Tieren machen. Und da stellen sich Möchtegernpolitiker hin, auch hier in Berlin, und sagen, man müsse erst alles "auf europäischer Ebene" regeln. Einfach nur erbärmlich.

  11. 3.

    Der Herr Vogelsänger als Landwirtschafttsminister sagt bei jeder Gelegenheit die Massentierhaltung sei in Brandenburg in Ordnung. Wenn man diese Bilder sieht, vergeht einen der Appetit. Auch der ehemalige Bauernpräsident Udo Folgert hat auch immer behauptet, dass das Land Brandenburg noch mehr Massentierhaltung verträgt. Zu DDR- Zeiten hatten wir auch einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit 18 ha und haben jedes Jahr etwa 30- 40 Schweine verkauft, aber solche Sauerei gab es bei uns nicht. Wenn ich kann hole ich mir von einem Fleischerbetrieb in Wuschwier im Oderbrruch meine Wurst und Fleisch. Dieser Fleischer kauft von den Bauern die Tiere auf, dieses Produkte kann man mit gut und gerne verzehren. Ich bin der Meinung, einige in den Ämtern sind überfordert und machen für gutes Geld nur ihren Job. 2019 sind im Land Brandenburg wieder Wahlen vielleicht wechselt man das Personal endlich einmal aus die über Fachwissen haben.

  12. 2.

    Der Bericht bei Brandenburg Aktuell informierte ehrlich und ohne Ausreden.
    Es ist schockierend und ich schließe mich der Meinung an.

  13. 1.

    "Man müsse auch die Agrargenossenschaft insgesamt betrachten, man muss ans Personal denken"
    Der Amtveterinär Herr Maczek ist offensichtlich nicht für diesen Posten geeignet und hat dazu noch seinen Beruf verfehlt.
    Betriebswirtschaftliche Aspekte einer Agrargenossenschaft dürfen bei der Beurteilung einer solchen Tierquälerei die Entscheidungsfindung eines Amtsveterinärs nicht beeinflussen. Mangelfeststellung, Fristsetzung zur Mängelbeseitigung, Schließung des Betriebes bei Nichterfüllung der Auflagen. Seit Februar fast wöchentlich eine Anlage aufzusuchen bei der 30 schwerwiegende Mängel festgestellt wurden, dürfte ordentlich ins Geld gehen (für den Steuerzahler). Wie schön dass die Betreiber die Mängel nun abarbeiten, seit Feststellung sind auch erst 8 Monate vergangen. Die Sache stinkt und nicht nur nach Schweinegülle!
    Amtveterinär, Betriebsleitung, Personal sofort in den Schweinestall umsiedeln.

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