Ein Krankenwagen fährt an Feuerwerksabfällen vorbei (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: Brandenburg aktuell | 02.01.2018 | Stefan Sperfeld / Tim Jaeger | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Unfälle durch Feuerwerkskörper - Staatsanwaltschaft ermittelt nach Tod durch Silvesterböller

Für zwei Männer in Brandenburg endete die Silvesternacht tödlich. In Kleinmachnow und in Gusow-Platkow starben ein 19- und ein 35-Jähriger beim Zünden von Knallern. Im Fall des 19-Jährigen laufen nun Ermittlungen gegen einen Mann aus der Gruppe um den Teenager.

Nach dem Tod eines 19-Jährigen durch selbstgebasteltes Feuerwerk in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft gegen einen Beteiligten. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion richteten sich gegen eine männliche Person aus der Gruppe des jungen Mannes bei dem tragischen Unfall, sagte die Sprecherin der Behörde, Sigrid Komor, am Dienstag. Weitere Einzelheiten nannte sie nicht. Derzeit würden Zeugen vernommen und die Art des verwendeten Sprengstoffs untersucht.

In den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Märkisch-Oderland waren in der Silvesternacht zwei Männer durch Knallkörper getötet worden.

19-Jähriger aus Stahnsdorf getötet

Wie die Polizei mitteilte, hatte der 19-Jährige gegen 0.40 Uhr versucht, bei einer Feier ein offenbar selbstgebautes Feuerwerk zu zünden. Der Sprengsatz explodierte und fügte dem jungen Mann aus Stahnsdorf schwerste Verletzungen zu. Er starb noch an der Unfallstelle.

Kriminaltechniker und Spezialisten des Landeskriminalamtes sicherten bis zum Vormittag Spuren. Es soll ermittelt werden, woher der Sprengkörper stammte und woraus er bestand. Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine" über die Todesfälle berichtet.

Auch für 35-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät

Im Landkreis Märkisch-Oderland starb ein 35-Jähriger, der gegen 22.20 Uhr auf einem Gartengrundstück in Gusow-Platkow bei einer Silvesterparty Pyrotechnik zünden wollte. Wie der Sprecher der Brandenburger Polizei, Torsten Herbst, dem rbb am Dienstag sagte, kam es dabei zu einer Explosion, "die ihn so schwer verletzt hat, dass er trotz erster Hilfe vor Ort, trotz Einsatz eines Rettungshubschraubers, trotz eines Notarzt-Einsatzes nicht mehr am Leben gehalten werden konnte". Den Angaben zufolge starb der Mann noch an der Unglücksstelle.

Bei der Feier hatte es ein riesiges Feuerwerk gegeben, berichteten Nachbarn dem rbb. Anschließend seien alle Gäste wieder ins Haus gegangen, um weiter zu feiern. Wenig später hätten sie dann plötzlich eine laute Explosion gehört. Der tödlich verletzte Mann stammte aus Gusow, wohnte aber in Neuhardenberg. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt, wie es zu dem Unglück kommen konnte und ob es sich bei den Silvesterknallern um illegale Böller aus Polen gehandelt hat.

Entsetzen nach Tod zweier Menschen

Politiker und Einsatzkräfte hatten sich nach dem Tod der zwei Männer tief erschüttert gezeigt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Innenminister Karl-Heinz Schröter (beide SPD) erklärten, es zeige sich, welche weitreichenden Folgen der Umgang mit Feuerwerkskörpern haben könne.

Erneut warnten sie vor illegalen Böllern und dem unsachgemäßen und leichtfertigen Umgang mit Feuerwerk. Die Polizei wies darauf hin, dass zuvor im Land Brandenburg noch nie Menschen durch Feuerwerkskörper ums Leben gekommen waren.

Mehrere Verletzte auch in anderen Teilen Brandenburgs

Allein der Leitstelle Lausitz waren in der Silvesternacht 60 Brände gemeldet worden. Die meisten davon sollen durch Böller und Raketen ausgelöst worden sein. In Cottbus war die Polizei auch in diesem Jahr wieder auf dem Vorplatz der Stadthalle im Einsatz. Dort hatten sich mehrere Gruppen mit Feuerwerkskörpern beworfen. Die Beamten sprachen Platzverweise aus.

In Flecken-Zechlin (Ostprignitz-Ruppin) wurde ein Elfjähriger durch einen sogenannten Polenböller im Gesicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Aus einer Gruppe von sechs bis acht Jugendlichen sei ein Blitzknaller in eine anderen Personengruppe geworfen worden. Der Junge wurde im Augenbereich verletzt und musste mit einem Rettungshubschrauber ins Berliner Klinikum geflogen werden musste. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und der fahrlässigen Körperverletzung. Beamte nahmen die Personalien von acht Tatverdächtigen auf und stellten Verpackungsmaterial sowie Reste eines "Polenböllers" sicher.

Insgesamt zwölf Menschen durch Feuerwerk verletzt

In Neuruppin wurde eine 17-Jährige von einer Silvesterrakete getroffen, die horizontal über den Braaschplatz abgeschossen wurde. Sie traf die junge Frau an der Hüfte. Sie erlitt leichte Brandverletzungen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. In Eberswalde wurde eine 49-Jährige aus einer vierköpfigen Personengruppe heraus mit Böllern beworfen. Dabei erlitt sie leichte Kopfverletzungen. In Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) erlitt zudem ein Jugendlicher am Neujahrsmorgen schwere Verletzungen. Er wurde von einem Auto angefahren, als er Feuerwerk zünden wollte.

Insgesamt wurden, so die vorläufige Silvester-Bilanz in Brandenburg, zwölf Menschen durch Böller und Feuerwerk verletzt.

560 Polizei-Einsätze in Brandenburg

Ministerpräisdent Woidke und Innenminister Schröter bedankten sich bei den Einsatzkräften, die zu Silvester im ganzen Land Dienst getan hatten. Am Silvestertag und in der Silvesternacht waren 500 zusätzliche Polizisten im Einsatz gewesen, davon die Hälfte von der Bereitschaftspolizei. Auch viele der rund 39.000 Feuerwehrleute im Land waren zum Jahreswechsel in Bereitschaft. 

Silvesterbedingt, gab es 560 Polizei-Einsätze und 300 Einsätze bei der Feuerwehr. In Potsdam brannte ein Balkon, in Wittenberge (Prignitz) kamen beim Brand eines Einfamilienhauses fünf Personen mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Das große Problem für solche Vorkomnisse ist die mangelhafte Bildung und damit Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten,Verbote bringen überhaupt nichts,damit wird es erst interessant,wer erwischt wird mit selbst hergestellten Feuerwerk sollte zu Sozialstunden in der Pathalogie verdonnert werden,damit diese Leute die unterschätzten Wirkungen mal mit eigenen Augen sehen

  2. 13.

    Der Vergleich hinkt ein wenig. Das Verbot soll ja nicht (nur)verhindern, dass man sich selbst schädigt, sondern dass man durch den unsachgemäßen Gebrauch von Knallern und Raketen DURCH ANDERE geschädigt wird. Seien Sie froh, dass ihre 7-jährige Tochter unversehrt ist, dem 11jährigen Kind ist es leider nicht so gegangen!
    Alternativ könnte man natürlich Knallzonen einrichten. Das Feuerwerk wird vorort verkauft und muss innerhalb der Zonen verballert werden, z.B. auf dem Tempelhofer Feld.

  3. 12.

    Tut mir leid für die Familien, aber "entsetzten" kann mich das nicht. Alle Geschädigten waren volljährig und für sich selbst verantwortlich.

  4. 11.

    Und wieder wird nach Verboten geschrieen. Was soll das bitte bringen? Wider besseren Wissens Rauchen und Saufen sich jedes Jahr Zehntausende auf Kosten der Allgemeinheit zu Tode, fahren gegen Bäume, ernähren sich zu Grunde. Was wollen wir denn mit Verboten erreichen? Dass sich die Wahnsinnigen der Gesellschaft auch weiterhin ihr dope besorgen sollte klar sein. Und Leute, das Zeug, was es bei Lidl und co gibt ist auch von meiner 7jährigen intellektuell zu beherrschen. In diesem Sinne...

  5. 10.

    Mit meinem Diesel PKW darf ich wahrscheinlich demnächst nicht mehr in die Stadt wegen der Feinstaubbelastung. Aber Sylvester spielt das alles keine Rolle. Genau mein Humor.......Und: Böller und ähnliches sollten wirklich verboten werden, es kann doch kein Mensch mehr kontrollieren was da alles legal oder illegal verkauft wird. Die Todesfälle sollten alle wachrütteln.

  6. 8.

    Aus eigener Erfahrung kenne ich das aus Paris und Madrid. Ob das jeweils im ganzen Land so gehandhabt wird, kann ich nicht sagen. Von Verletzten odet sogar Toten durch das Feuerwerk hatte ich jedenfalls nichts gelesen.

  7. 7.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerwerk#Niederlande:
    "Verkauft [werden] darf Feuerwerk nur durch Händler mit einer speziellen Lizenz, in Verkaufsräumen, für die sehr hohe Sicherheitsvorschriften gelten."
    25 Jahre habe ich dort gewohnt. Seit ich zum ersten Mal kurz vor Silvester in Deutschland bei Lidl & Co. Feuerwerk in großen Mengen offen in den Läden gesehen habe, gehe ich an den 3 Tagen vor Silvester dort nicht mehr einkaufen. Lebensgefährlich, wie hier beim Verkauf von Feuerwerk vorgegangen wird.

  8. 6.

    Wirklich sehr interessanter Vorschlag. Würde mal sagen, wer politischen Selbstmord begehen will, soll das vorschlagen. Findet bestimmt viel Anklang. Eine Frage: in welchen Ländern ist das denn so geregelt? Ich bitte um Beispiele! LG

  9. 4.

    Dem stimme ich voll zum. Nur noch öffentliche Feuerwerke welche z.b. durch Vereine organisiert werden können und wo die Verantwortlichen eine entsprechende Ausbildung haben und sich durch Spenden finanzieren.

    Kritik möchte möchte ich hier auch an den RBB richten. Das ist wieder eines von vielen Tabu Themen. Warum greift kein Journalist das Thema "Verbot privaten Feuerwerks" auf und befragt die zuständigen Innenpolitiker und Parteien nach ihrer Meinung?

  10. 3.

    Wenn man vom Sprengen und den Stoffen keine Ahnung hat, einfach mal sei lassen.

  11. 2.

    Ohne den Artikel weiter gelesen zu haben, möchte ich an der Stelle etwas zu der Ballerei äußern. Ich bin dafür, dass der private Erwerb und Gebrauch von Böllern abgeschafft wird. Stattdessen sollte es einige zentrale, professionell organisierte Feurwerke geben. In anderen Ländern läuft das auch so und es sind zumeist friedliche Jahresübergänge. Es verlassen ja auch genügend Berliner über Silvester die Hauptstadt, weil sie vor dieser unkontrollierten Ballerei fliehen. Mit der Abschaffung des privaten Geknalles wäre der Umwelt, den Geldbörsen und vor allem der Gesundheit von vielen Menschen geholfen. Dann bräuchte es auch nicht so viele Rettungseinsätze, die dann auch nicht angegriffen werden können.
    Ein friedliches neues Jahr allen!

  12. 1.

    Ja, man kann sich darüber "Entsetzen", wie bei vielem. Dann geht man wieder zur Tagesordnung über, ohne dass man etwas dagegen unternommen hat.
    Gewisse Gesellschaftsgruppen spielen an einem Tag Anarchie. Man ist entsetzt.
    Ich nenne das "empathische Heuchelei".

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