Vor dem Amtsgericht Prenzlau musste sich heute ein 39-jähriger Mann in einem beschleunigten Verfahren verantworten (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 12.07.2018 | Bild: rbb

Beteiligter am brutalen Mord 2002 in Potzlow - Prozess wegen Hakenkreuz-Tattoos muss erneut starten

2002 folterte und tötete Marco S. mit zwei Mittätern einen Schüler in Potzlow. Dafür bekam er 15 Jahre Haft. Jetzt musste er wegen eines öffentlich gezeigten Hakenkreuz-Tattoos erneut vor Gericht - aber die Beweisführung gestaltet sich aufwändiger als erwartet.

Der Prozess gegen den verurteilten Straftäter Marco S., der beim Baden an einem See in der Uckermark ein Hakenkreuz-Tattoo auf seiner Schulter zur Schau gestellt haben soll, ist am ersten Verhandlungstag ohne Urteil zu Ende gegangen.  

Dem 39-Jährigen wird das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole vorgeworfen. Der Neonazi  hatte Anfang Juli an der offiziellen Badestelle im Unteruckersee  ein 20 Zentimeter großes Hakenkreuz-Tattoo auf seiner rechten Schulter zur Schau gestellt. Andere Badegäste hatten die Polizei alarmiert.

Beschleunigtes Verfahren nicht fortsetzen

Der Richter am Amtsgericht Prenzlau will Aussagen, die der Angeklagte nun vor Gericht machte, überprüfen. So etwa die Aussage des 39-Jährigen, er sei davon ausgegangen, dass er allein an der Badestelle sei. Hier soll etwa eine Ortsbegehung Klarheit bringen.

Weil eine solche Prüfung zu aufwändig für das beschleunigte Verfahren wäre, das am Donnerstag begonnen wurde, entschied der Richter, dieses Verfahren nicht fortzusetzen. Stattdessen soll der Prozess im September erneut beginnen.

Erneute Haftstrafe droht

Der Angeklagte hat bereits eine Haftstrafe hinter sich: 2002 war er an der stundenlangen Folterung und Tötung eines Jugendlichen in Potzlow (Uckermark) beteiligt und damals zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. 2016 wurde er vorzeitig entlassen.

Bei einer Verurteilung in dem neuen Prozess droht ihm nun erneut eine Haftstrafe und zudem die Aufhebung der Bewährungsfrist.

2003 zu 15 Jahren verurteilt worden

Der 16-jährige Schüler Marinus S. war im Juli 2002 von Marco S. (damals 23 Jahre alt), seinem vier Jahre jüngeren Bruder Marcel und einem weiteren Potzlower Jugendlichen nach seiner Ermordung in eine Jauchegrube geworfen worden. Das Landgericht Neuruppin hatte die drei Rechtsextremisten im Oktober 2003 verurteilt. Damals war für Marco S. auch eine Sicherheitsverwahrung im Gespräch gewesen. Die Strafe für ihn war nach Erwachsenenstrafrecht gefällt worden. Einbezogen war beim Strafmaß auch ein Überfall auf einen Asylbewerber in Prenzlau.  

Wegen der rechtsextremen Gesinnung der Täter führt der Brandenburger Verein Opferperspektive den ermordeten Schüler ihn in seiner Liste der Todesopfer rechtsextremer Gewalt.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Dieser bestialische Mord verfolgt mich noch heute. Die Leiche wurde bekanntlich auch noch von de Mördern geschändet, in die Jauchengrube geworfen.
    Wie man sieht, haben die 15 Jahre Haft seine Gesinnung nicht verändert.....
    Kanbnnur hoffen, dass die brandenburgische Justiz diesmal besser, also deutlicher agiert!

  2. 11.

    ich habe nicht geschrieben, dass es nicht geschrieben werden kann. Natürlich kann es geschrieben werden, ist es ja auch.
    Der Punkt ist, dass damit die Täter-Perspektive eingenommen wird. Die Haftstrafe ist eine Bedrohung für den Täter. Für andere, also auch für Leserinnen und Leser des Artikels, ist es eine Bedrohung, wenn dieser Mensch frei herumläuft.
    Meine Frage war, wie kommt man dazu, beim Schreiben eines Artikels über einen Nazi Täterperspektive einzunehmen anstatt sich am Wohl der Öffentlichkeit, an die sich der Artikel richtet, zu orientieren.

  3. 10.

    Ich würde an Stelle des Angeklagten das verbotene Zeichen als Ausdruck tätiger Reue deutlich sichtbar wegmachen, und zwar NUR an den Zeichen-Stellen.

  4. 8.

    Was meinen Sie mit "viele dieser Gefährder frei rumlaufen"? Meines sie ausschließlich die rechtsradikalen Aktivisten oder ALLE "Gefährder", von denen wir, wie im Fall Amri, noch nichts wissen/wissen wollen?

  5. 7.

    wie kommt man denn dazu, in diesem Zusammenhang die Worte "Erneute Haftstrafe droht" in einen Artikel, zumal eines öffentlich-rechtlichen Senders, zu schreiben? Dieser Mensch ist ganz offensichtlich eine Bedrohung für seine Umgebung, für die Gesellschaft. Eine Haftstrafe würde diese Bedrohung mindern.

  6. 5.

    15 Jahre für einen Mord. Der Mensch ist tot - sein Leben, das eine, das er hatte, beendet. Der Täter hat jetzt aber noch ein halbes Leben vor sich mit allen Annehmlichkeiten. Er kann in der brandenburgischen Provinz in einen Badesee springen, sein Opfer nicht.

    Warum werden Mörder gleich noch vorzeitig entlassen? Gerecht ist das nicht.

  7. 4.

    Dieser Mann verfügt offensichtlich weder über Empathie, noch über genügend intellektuelle Fähigkeiten, die Tragweite seiner Handlungen zu ermessen, so dass er unmöglich sich selbst überlassen werden kann ohne eine Gefahr für sich und andere darzustellen und gehört in eine sichere Betreuung.

  8. 2.

    Jch verstehe nicht wie man diesen Abschaum frei rumlaufen lassenkann?MfG

  9. 1.

    Resozialisierung gescheitert, weg sperren

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