Hennen in einem Bio-Legestall in der Uckermark (Quelle: Animal Rights Watch).
Video: Brandenburg aktuell | 21.10.2019 | Theresa Majerowitsch | Bild: Animal Rights Watch

Betrieb in der Uckermark - Tierschützer beklagen Zustände in Bio-Hühnerstall

Videoaufnahmen der Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" aus einem Bio-Hennen-Betrieb in der Uckermark zeigen desaströse Zustände: Den Hühnern fehlen Federn, ihre Körperöffnungen sind entzündet. Die Betreiber sind schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Die Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" (Ariwa) hat gemeinsam mit dem ZDF desolate Zustände in einem Legehennenbetrieb für Bio-Eier in der Uckermark aufgedeckt. Wie Bilder und Videos zeigen [ariwa.org], weisen Dutzende Hühner kahle Stellen im Federkleid auf. Zudem sind eitrige Kloaken durch ein andauerndes Eierlegen und tote Tiere zwischen lebenden dokumentiert. Der Betrieb produziert laut Ariwa-Informationen für die Marke Landkost-Ei, die vor allem bei der Supermarktkette Kaufland vertrieben wird.

Die Bilder wurden den Angaben zufolge im April und August dieses Jahres aufgenommen. In dem Stall sollen rund 40.000 Hennen leben. Die aufgedeckten Zustände sind laut Ariwa nicht von denen der konventionellen Tierhaltung zu unterscheiden: Tausende Hennen drängen sich in einem Stall. Sechs Hühner pro Quadratmeter sind erlaubt. Enge und sozialer Dauerstress führen nach Angaben der Organisation dazu, dass sich die Tiere gegenseitig kahl picken.

Ariwa zufolge überleben viele Tiere nicht einmal die einjährige Legeperiode. Zudem würden Hennen getötet, sobald ihre "Legeleistung" nachlasse und sie damit unrentabel seien. "Daher sind Eier nie eine gute Idee, auch nicht mit Bio-Siegel", sagte Sandra Franz, Sprecherin der Organisation, laut Mitteilung. Der betreibende Landwirt erklärte auf Anfrage der rbb-Sendung Brandenburg aktuell: "Unsere Tiere waren zu jeder Zeit in einem einwandfreien Gesundheitszustand."

Belasteter Hennenbestand wurde geschlachtet

Der uckermärkische Amtstierarzt Achim Wendlandt sagte dem rbb-Inforadio, er sei Anfang des Jahres dort gewesen und nach einem Hinweis auf die Zustände auch im September. "Es ist wirklich so, dass dort Federpicken vorhanden war und auch massive Kloakenverletzungen", so Wendlandt. Er gab jedoch zu bedenken: Wenn das Federpicken einmal drin sei, bekomme man es schlecht wieder heraus. Demnach könne man das Federpicken nur eindämmen, jedoch nicht gänzlich verhindern, sagte der Amtstierarzt.

Wendlandt sagte bei Brandenburg aktuell, dass der schlechte Zustand der Hennen zum Ende der Legeperiode nicht ungewöhnlich und der Halter ein guter Legehennenhalter sei. "Er ist wirklich bemüht, seine Tierhaltung optimal zu gestalten." Der Hennenbestand sei inzwischen geschlachtet worden und neue Hennen würden eingestallt. "Wir gehen davon aus, dass bei jungen Legehennen alles in Ordnung ist", so Wendlandt im Inforadio. Zudem habe der Tierhalter nun eine andere Hühnerrasse ausgewählt.

Betreiber soll Nachweispflicht umgangen haben

Als mögliche Erklärung, warum die Zustände bisher unentdeckt blieben, gab Ariwa-Sprecherin Franz an: "Erst ab einer Anzahl von 40.000 Hühnern ist ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorgeschrieben, an dem die Öffentlichkeit beteiligt werden muss". Daher sei es kein Zufall, dass hier ein Stall für genau 39.999 Hühner beantragt wurde. "So umgeht die Betreiberin verschiedene Nachweispflichten und zugleich möglichen Widerstand aus der Bevölkerung", so Franz. Auch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die ab einer Stallgröße von 60.000 Hennen verpflichtend ist, entfalle dadurch.

Darüber hinaus befindet sich nach Ariwa-Angaben eine weitere Bio-Hennen-Anlage eines Familienmitgliedes direkt neben jener, in der Bildmaterial aufgenommen wurde. "Insgesamt werden hier also rund 80.000 Hennen gehalten", sagte Franz. Da die Genehmigungsverfahren aber getrennt für beide Anlagen durchgeführt worden seien, seien auch die umweltschädlichen Emissionswerte getrennt geprüft worden.

Insgesamt soll die Familie je zwei Hühnerställe in den Orten Brüssow und Kutzerow (Uckermark) besitzen. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Abgeordneten Axel Vogel und Benjamin Raschke (Grüne) an den Brandenburger Landtag hervorgeht [gruene-fraktion-brandenburg.de]. Dort heißt es, dass die Errichtung der Bio-Hennen-Anlagen mit Mitteln der staatlichen Stallbauförderungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro subventioniert wurde. So flossen in den Jahren 2010, 2011 und 2013 insgesamt rund 2,24 Millionen Euro an die vier Betriebe in den beiden Orten. 

Sendung: Abendschau, 21.10.2019, 19:30 Uhr

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42 Kommentare

  1. 42.

    Mir wird schlecht, wenn ich sowas lese. Was ist das für ein Amtstierarzt? Überall, wo es um Profit geht, bleiben die Tiere auf der Strecke. Und bitte....wie alt dürfen die Tiere werden, bis sie nicht mehr ausreichend legen und geschlachtet werden?

  2. 41.

    Diese Missstände sind für konventionelle Legebetriebe Normalität. Wenn aber ein angeblicher Biobetrieb mit einer dermaßen großen Menge an Hühnern wirtschaften darf und dann auch noch Subventionen vom Staat - also von uns allen - erhält, so ist da dreist und ein glatter Betrug. Das Geld gilt es zurückzufordern und in kleinteilige Landwirtschaftsbetriebe zu stecken.

  3. 40.

    Der Staat muss dafür sorgen... ja, so einfach ist das. Aber genau dieser Staat hat auch unsere Steuergelder als Subventionen für diese betrügerischen Tierquälerbetriebe bereitgestellt. Und dieser Staat soll also dafür sorgen, dass das anders wird! Wussten Sie nicht, dass genaue dieses staatlichen Stellen von den Nutzern der Steuergeld-Subventionen dafür geschmiert werden, dass sie wegsehen (siehe auch Schweinehochhaus). Haben Sie genau gelesen, was der Veterinärarzt sagte: Der Betreiber der "Bio"-Hühnermastanlage sei doch letztlich ein ganz ordentlicher Mensch... also stellt er sich sogar schützend vor ihn. Nur zur Info: Es gibt Veterinärärzte (u.a. in Hessen), die von der Agrarindustrie geschmiert werden, um nicht zu kontrollieren... soviel zu Amtstierärzten.

  4. 39.

    der staat fördert solche skandale. ob nun glyphosat, massentierhaltungen oder die auswirkung von tierpesten, wobei alles geflügel gekeult werden muss. alles hat der staat zu verantworten, denn er war und ist geldgeber für massenanbau/ masssentierzucht. die auswirkungen sind bekannt und unterstützt der konsument, da er es kauft. also weniger konsum , es gibt immer alternativen zu guter ernährung - ergo besserer haltung. auch wenn das portemonaie klamm ist.

  5. 38.

    Das macht einen nur wütend wie der Mensch mit anderen Lebewesen umgeht und wie der Verbraucher verar....wird. Das wenige Fleisch (+Eier) das ich zu mir nehme werde ich weiterhin im Bioladen kaufen. Die Alternative wäre ja 100% aus nicht artgerechter Haltung zu kaufen. Und das kann ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Der Mensch ist grauenhaft. Und der Verbraucher will billig billig billig. Auf Kosten der Tiere. Wie kann man diese Qual guten Gewissens unterstützen?
    Der Mensch sollte sich schämen!

  6. 37.

    Diese Bilder sind nicht schön, ohne Frage. Jedoch hindert mich es nicht mich weiterhin bewusst mit einem "Bisschen" von Allem zu ernähren. Ich rauche auch genüsslich ein paar Zigaretten am Tag, obwohl die Bilder auf den Packungen nicht schön sind. Ich kaufe Alles mögliche ein...Bekleidung, Elektronik, wenn es sein muss ein neues Auto, aber ich hinterfrage nicht jedes kleinste Detail. Und das machen Sie hundert prozentig auch nicht. Nur alleine Ihre Garderobe. Haben Sie bei jedem Kleidungsstück hinterfragt, wo es gefertigt wird und darauf geachtet das es nicht in Bangladesh, in einer dieser grausamen Fabriken genäht worden ist?
    Es fehlt mir nicht an Argumenten nur muss nicht alles so dramatisiert werden.
    Jeder Mensch ernährt sich nach seinen Bedürfnissen, so wie jedes andere Säugetier auch.

  7. 36.

    HeikeBerlinDienstag, 22.10.2019 | 20:22 Uhr
    Antwort auf [EUROPASTOLZ] vom 22.10.2019 um 17:48

    "Auch ich habe ein ganz ruhiges Gewissen wie sich meine Familie und ich mich ernähre."
    Interessant - und das trotz der im Filmbeitrag gezeigten Bilder der gequälten Tiere.

    "Vegetarisch und Vegan ist nicht neu erfunden worden. Das gab es schon immer irgendwie." Ist ja gut, hat ja auchniemand hier behauptet.
    "Ich respektiere Menschen bis zu einem gewissen Punkt, wenn sie sich für diesen Weg der Ernährung entschieden haben. jedoch erwarte ich das Gleiche und das ist in vielen Fällen nicht der Fall." In meinem Fall definitiv ja. Aber ich erlaube mir dennoch auf die mit der tierbasierten Ernährung verbundenen Probleme hinzuweisen. Wo ist da Ihr Problem?

    "Es ist einfach nur anstrengend sich zu erklären, wenn man sich bewusst ernährt, jedoch nicht nur vegetarisch oder rein vegan."
    Ja, das glaube ich gerne - es geht vielen Menschen so, dass ihnen einfach die Argumente fehlen.

  8. 35.

    Auch ich habe ein ganz ruhiges Gewissen wie sich meine Familie und ich mich ernähre. Vegetarisch und Vegan ist nicht neu erfunden worden. Das gab es schon immer irgendwie. Ich respektiere Menschen bis zu einem gewissen Punkt, wenn sie sich für diesen Weg der Ernährung entschieden haben. jedoch erwarte ich das Gleiche und das ist in vielen Fällen nicht der Fall.
    Es ist einfach nur anstrengend sich zu erklären, wenn man sich bewusst ernährt, jedoch nicht nur vegetarisch oder rein vegan.

  9. 33.

    Go vegan....alles andere ist Selbstbelügung, Heuchlerei....

  10. 32.

    Solche Betriebe müssen ohne Wenn und Aber. Sofort verboten werden.
    Dafür muss der Staat sorgen.

  11. 31.

    JohnBerlinDienstag, 22.10.2019 | 17:13 Uhr
    Antwort auf [EUROPASTOLZ] vom 22.10.2019 um 13:47

    "Guten Appetit mit ihrem durch die Welt geschifften, unter wachsamen Chemiker aufgezogenen Sojadreck."

    Danke! Würde sagen: Klassisches Eigentor!

    Das gentechnisch veränderten "Sojadreck", wofür Regenwald geopfert wurde und der um die halbe Welt geschippert wird, wird fast asuschließlich in der Tiermast eingesetzt. Mein Soja kommt aus Europa und ist nicht gentechnisch verändert.

    Aber wie gesagt, es ist nicht verbotswidrig, lediglich unethisch, Fleisch und Eier aus solchen Haltungen wie der hier zur Debatte stehenden (oder von "lecker Hessen mit Wilkewurst")zu verzehren.

    Was nun Dreck ist und was nicht, sei dahingestellt...

    Auch Ihnen guten Appetit...

  12. 30.

    HeikeBerlinDienstag, 22.10.2019 | 16:13 Uhr
    "Wenn Sie meinen....ich nicht. Aber das hatten wir hier schon alles. Sie ernähren sich vegan und ich nehme bewusst von allem etwas."
    Dürfen Sie, ist ja nicht verboten...

    Der Unterschied ist: Bei meinem Essen nehme ich nicht billigend in Kauf, dass Tiere massenhaft dafür künstlich geschwängert, eingekerkert, gemästet, transportiert und (bei Milchkühen oft auch schwanger) zerstört werden - und deshalb habe ich eben auch ein ganz ruhiges Gewissen.

    Gerne gebe ich zu, dass auch vegane Lebensmittel nicht immer sauber produziert werden und teilweise wohl auch importierte Ware darunter ist, wo ich nicht weiß, ob ich mit den Produktionsweisen einverstanden bin. Das ist aber nicht in erster Linie das Problem der Veganer, sondern insgesamt ein Problem unseres Wirtschaftens weltweit, wo regelbasiertes, ethisches Verhalten bestraft und Skrupellosigkeit bis auf wenige Ausnahmen belohnt wird.

    Solche Ställe verbieten.

  13. 28.

    Na logisch ist die Selbsthaltung, sofern möglich, am nachhaltigsten. Diese Tiere wachsen stressfreier und futtervielfältiger auf und die Bambinis sehen wie mühsam eine eigene Produktion ist. Jeder Produzent geht minimal mit Medikamenten um und gönnt dem Tier auch mal ne Kraulpause. Schweine stehen übrigens drauf....
    Dadurch wird die Ware Fleisch wieder geschätzt und dementsprechend behandelt...und nicht wie das billige Minutenschnitzel vom Supermarkt verschlungen!
    Und so schön man ein Kaninchen aufwachsen sehen kann, so gut schmeckt es nach einem glücklichen Leben später in der Pfanne.

  14. 27.

    Wenn Sie meinen....ich nicht. Aber das hatten wir hier schon alles. Sie ernähren sich vegan und ich nehme bewusst von allem etwas.

  15. 26.

    #GoVegan
    ___________
    Pestizideverseucht, Gen-Manipuliert, chemisch belastet, fehlt noch das irgendjemand das Zeug radioaktiv bestrahlt, damit es schöner besser und toller aussieht... gefühlte 90% werden aus China importiert und niemand kontrolliert es und niemand interessiert es und alle stopfen es in sich herein und denken, sie leben nun gesund.

    Und wenn nun jemand sagt, das vieles Gemüse und Obst aus der EU kommt...
    ja das stimmt nur wer garantiert euch, das dieses Zeugs nicht aus China in die exportierenden Länder importiert wurden, woher wir das Zeugs dann beziehen??

    Nur die Lebensmittel sind 100% gesund, welche aus eigener Hand und aus eigenem Saatgut angepflanzt und geerntet oder halt bei Tieren mit eigener Hand ausgezogen und geschlachtet wurden.
    Da kein normaler Mensch auf den Gedanken kommen würde, so zu leben, wird sich leider auch wenig ändern. Weil = keine oder zu lasche Kontrollen!

    Strafen sollten Enteignung und Knast sein! Vielleicht hilft das dann.

  16. 25.

    Ich stimme Ihnen zu. Ich finde Hühner auch sehr interessant. Man muss ihnen nur eine Weile zugucken. Ich empfinde das immer als sehr beruhigend. Für eine eigene Hühnerhaltung fehlt mir leider die Zeit; sonst würde ich es tun.

  17. 24.

    "#govegan" - "NeinDanke"naja, dann doch lieber wieder Produkte von den ach so glücklichen Tieren aus solchen Ställen weiterkaufen...

    Egal ob Eins, ob Zwei, ob Drei oder Vier,

    nur vegan schützt

    Klima, Meer, Mensch und Tier!

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