Symbolbild: Händehalten in einem Hospiz (Quelle: imago-images/Grabowsky)
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Audio: Radioeins | 21.11.2019 | Gespräch mit Amelie Ernst | Bild: imago-images/Grabowsky Download (mp3, 5 MB)

Sterbebegleitung - In Brandenburg werden mehr Hospize gebraucht

Gerade Schwerstkranke, die nicht zuhause gepflegt werden können, wünschen sich einen Platz in einem Hospiz. In Woltersdorf hat ein neues Haus geöffnet. Doch in Brandenburg ist der Bedarf noch immer deutlich größer als das Angebot. Von Amelie Ernst

Ein fröhliches Lachen schallt über den Flur – es kommt aus der frisch eingerichteten Gemeinschaftsküche. Gerade versucht die Tochter eines Hospiz-Gastes mit Hilfe einer Pflegehelferin dem neuen Kaffeeautomaten klarzumachen, dass Kakao gewünscht ist, und kein Espresso.

Hospiz in Woltersdorf (Quelle: rbb/Amelie Ernst)
Diakonie Hospiz Woltersdorf | Bild: rbb/Amelie Ernst

Lachen sei ein ganz zentrales Thema, sagt Angelika Behm, Leiterin des Woltersdorfer Diakonie-Hospizes. Schließlich wolle man hier mit den Menschen, die nur noch eine begrenzte Lebenszeit vor sich hätten, auch und vor allem das Leben feiern. "Die Krankenkassen geben uns Bedingungen, die wirklich toll sind: Vier Pflegende im Frühdienst, drei am Nachmittag, zwei nachts – und das für 14 Gäste."

"Gäste", so heißen die schwerstkranken Bewohner hier. Manche bleiben nur wenige Tage, andere mehrere Wochen oder sogar Monate. Allen gemeinsam ist, dass die Ärzte sie für austherapiert halten – Heilung unmöglich. Vor allem gehe es darum, in der Zeit bis zum Tod die Schmerzen zu lindern, sagt Angelika Behm. Aber auch darum, den Gästen alles zu ermöglichen, was ihnen Freude bereite: ein Spaziergang, ein Besuch im Café oder auch nur die Zigarette auf der Terrasse.

Jedes Haus hat im Schnitt 15 Plätze

Insgesamt 13 stationäre Hospize gibt es mittlerweile in Brandenburg – das vierzehnte wird gerade in Wittenberge gebaut. Denn auch in der Prignitz fehlte bisher diese Möglichkeit der intensiven Betreuung. Das neue Woltersdorfer Hospiz ist das erste im Landkreis Oder-Spree. Und in Burg im Spreewald entsteht gerade das allererste Kinderhospiz Brandenburgs.

Denn immer noch ist der Bedarf an Hospizplätzen deutlich größer als das Angebot: Jedes Haus hat im Schnitt nur etwa 15 Plätze. Die große Mehrheit der Sterbenden verbringt die letzten Lebenswochen daher im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause. Doch gerade dort sei die individuelle Betreuung und auch die Intensivpflege oft nur schwer oder gar nicht möglich, weiß auch Eugen Brysch, der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz. Im Krankenhaus kümmere sich nachts ein Pfleger nicht selten um mehr als 25 Patienten. "Da ist eine würdevolle Begleitung nicht möglich." In den Pflegeheimen sehe es nicht besser aus. Von dort kämen Sterbende in der Regel gar nicht mehr ins Hospiz, bestätigt Hospizleiterin Behm. Deshalb fordert Patientenschützer Brysch auch für Pflegeheimbewohner einen Anspruch auf Hospizleistungen.

Entspannter für Pfleger und Kranke

Der bessere Personalschlüssel sorgt auch dafür, dass Hospizleiterinnen wie Angelika Behm in der Regel kein Problem haben, geeignetes Pflegepersonal zu finden: 15 MitarbeiterInnen kommen im Woltersdorfer Hospiz auf maximal 14 Gäste. Sie empfinde es als großen Luxus, dass sie hier viel Zeit habe, um Gäste und deren Angehörige kennenzulernen und auch intensive Gespräch zu führen, sagt Sozialarbeiterin Heike Adloff. Das Arbeitsklima sei deutlich entspannter – kein Vergleich zum hohen Stresspegel und dem "Entlassungsdruck" in den Krankenhäusern.

Auf dem Flur, vor einer der grün gestrichenen Zimmertüren, brennt eine Kerze. Daneben in der Vase: Eine weiße Aster. Ein Gast ist gestern gestorben. In der Küche wird gelacht.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Tja wenn man so manchen blauen Brandenburger hört wie heute morgen in der S-Bahn zwei alte Damen und ein alter Herr die sich über zwei ausländisch aussehende Menschen lustig gemacht haben und diese despektierlich als "das ist Berlin" bezeichnen, gönne ich den eigentlich nicht mal diese als Pfleger.

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