Großer Lychensee in der Uckermark. (Quelle: imago/Hohlfeld)
Bild: imago/Hohlfeld

Uckermark - Erpresserbrief gegen Nacktbade-Verbot in Lychen eingegangen

Im uckermärkischen Lychen gibt es seit Neuestem für alle sieben Badestellen eine Badeordnung. Im Klartext heißt das: Nackbaden ist ab sofort verboten. In einem Erpresserbrief drohen Unbekannte deswegen mit drastischen Maßnahmen.

In Lychen (Uckermark) ist ein Streit um ein neu eingeführtes Nacktbade-Verbot eskaliert: Bei der Lychener Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos) ist ein Erpresserschreiben eingegangen. Darin droht der Verfasser damit, "20 Liter Dieselkraftstoff oder Schlimmeres" in jeden Badesee des Urlaubsortes zu kippen, sollte die neue Badeordnung tatsächlich in Kraft treten. Über den Brief hatte der "Nordkurier" [externer Link] Anfang Juni berichtet.

Da eine Straftat angekündigt worden sei, habe sie die Polizei eingeschaltet, so Gundlach gegenüber dem Blatt. Die Polizei habe den Brief mitgenommen, es werde nun ermittelt.

Bußgeld von bis zu 500 Euro

Das Nacktbade-Verbot gilt seit vergangenem Wochenende für alle sieben Badestellen des Urlaubsortes. Alle Stellen sind dann ausgewiesene Textilstrände. Wer beim verbotenen Nacktbaden erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von bis zu 500 Euro rechnen. Nacktbader müssen sich nun also verstecke Badestellen suchen.

Die Bürgermeisterin sagte im rbb, dass die Forderung nach einer Badeverordnung laut geworden sei, weil es einige Nacktbader nicht beim Baden belassen hätten. Sie hätten nackt Volleyball gespielt und Yoga gemacht - und das sei bei einigen nicht auf Gegenliebe gestoßen.

Keine öffentliche Diskussion über Verordnung

Eine öffentliche Diskussion über die Details der neuen Badeordnung gab es dann allerdings nicht. Dabei gab es Vorschläge, wie Bader mit und ohne Bekleidung doch noch den gleichen Strand benutzen könnten: Zum Beispiel wurden spezielle textilfreie Badezeiten vorgeschlagen.

Doch daraus wurde nichts. Stattdessen wurde die neue Badeordnung mit knapper Mehrheit beschlossen. "Es kann eben nicht für jeden alles passen", sagte Gundlach Brandenburg aktuell.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 16.06.2020, 19:30 Uhr

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39 Kommentare

  1. 39.

    Liebe Leser,

    ich muss immer von verklemmten Wessis lesen, die ja die sog. Freiheit nicht verstehen würden.
    Dazu kann ich nur sagen, wir haben in meiner Heimat (Niederbayern) den zweit größten FKK-Verein Deutschlands und haben bald 1500 Mitglieder. An bayerischen Seen wird fast überall nackt gebadet und keiner hat was dagegen. Im Sommer 2018 waren wir an der Ostsee unterwegs und der einzige FKK-Campingplatz liegt im ehemaligen Westen. Als wir den FKK-Strand "Hohe Düne" besuchten, waren wir total überrascht wie verklemmt die Leute dort waren. Frauen waren meist nur "oben ohne" und die Männer versteckten sich bei 30 Grad hinter ihrem Windschutz.

    Liebe Bügermeisterin,
    bitte geben sie den Naturisten, Nudisten oder wie sie FKK'ler auch nennen möchten einen eigenen Strand. Dort dürfen sie Yoga machen, Ball spielen und nackt durch die Gegend hüpfen. Auch wenn viele Naturisten nicht wie Models aussehen, aber sie fühlen sich wohl mit ihrer Nacktheit. Es geht doch beim FKK nicht darum.

  2. 38.

    Meine volle Zustimmung zu Chris Kommentar. Wohin sind wir nur geraten? Ich rechne damit, dass dem Beispiel von Lychen leider weitere folgen werden. Im Jagdrevier des lychener Ordnungsamtes werde ich künftig meine Freizeit nicht verbringen.
    Die Absicht, die Umwelt nachhaltig zu vergiften lehne ich ab.
    freundlich grüßt Gerd

  3. 36.

    Eigentlich sehr amüsant, wie sich hier nach eigenem Bekunden (!) ein "prüdes Ärgernis" erregt. Schlimm wie gesagt nur, dass immer mehr Leute anderen Menschen mit finanzieller oder sonstiger Gewalt ihre Moralvorstellungen überstülpen, obwohl diese anderen ihnen nachweislich nicht schaden: Akustischen Reizen oder Schadstoffen z.B. kann man tatsächlich kaum oder gar nicht ausweichen. Einen wenige Quadratzentimeter großen Bereich nackter Haut in zehn oder hundert Meter Entfernung wahrzunehmen, dazu muss man sich allerdings schon sehr bewusst entscheiden.

  4. 35.

    Sie erregen ein Ärgernis! Das nennen Sie auch noch prüde! Ich kann Sie auch gerne mal erregen kommen und Sie dann prüde nennen, aber glaube, dass Ihnen das auch nicht gefallen wird...

    Wir werden nicht prüder, wir werden ignoranter, arroganter und unverschämter!

  5. 34.

    Kein einziger Wessi oder Zugezogener in LYCHEN hat gegen das Nacktbaden gestimmt. Es waren ausschließlich in der DDR Geborene! Und nun?

  6. 33.

    Lieber Herr Schmidt,

    das schöne am nackt sein(übrigens sind auch Sie nackt geboren wurden) beim Baden ist ja genau die Freiheit einfach mal zu sein, egal wie der Körper geraten ist.
    Von dratig über den absolut dem normalmaß entsprechendem Körper, bishin zu, zu viel davon, zuwenig hiervon, ist alles dabei, und das allerbeste daran: die eben genannten Kategorisierungen gehen allen am arsch vorbei. Den Nacktbaden ist keine Vorführung des Körpers sondern einfach nur Sein.
    Das Leben quasi mal ungezwungen genießen.
    Wenn Sie, Herr Schmidt jemand sind, der seine kostbare Freiheit am Wasser damit verschwendet sein Umfeld zu kategorisieren und zu bewerten um sich dann unwohl oder belästigt zu fühlen, dann tut mir das sehr leid für Sie.
    Vielleicht sollten wir nebst FKK, und Textilstrand noch Miesepeterzonen einrichten, Sie wissen schon, gleich und gleich gesellt sich gern:)

    Liebe Grüße

  7. 32.

    Sehr interessanter Artikel, danke. Sagt vor allem, dass FKK in der DDR nicht etwa von oben verordnet war, sondern dass Teile der DDR-Oberen mit denselben "Argumenten" wie heutige Bevormunder FKK sogar verbieten wollten: FKK sei sexuell zügellos und vor allem ästhetisch nicht zumutbar. - Intoleranz und Prüderie gibt es also ganz unabhängig vom Etikett, das man sich anheftet.

  8. 31.

    Ich kann nur hoffen, dass das Nacktbadeverbot nicht noch weitere Kreise zieht. Warum ausgerechnet in der DDR das Nacktbaden viele Anhänger hatte, ist in diesem Artikel sehr gut dargestellt: https://www.spiegel.de/geschichte/fkk-in-der-ddr-aufstand-der-nackten-a-947073.html. Viel Spaß!

  9. 30.

    "aber es ziehen ja meistens diejenigen blank, die es sich lieber nicht erlauben sollten.
    Seid fair zu Euren Mitmenschen und bedecket Euch". Wer sollte es sich lieber nicht erlauben? Der/die 70/80 Jährige hat das gleiche Recht wie der/die 20 Jährige. Wer will/soll entscheiden wer "schöner" ist? Ja, seid fair und nehmt die Menschen so wie sie sind, nehmt ihnen nicht das Recht auf Freikörperkultur weil sie keinen Schönheitswettbewerb gewonnen haben. Jeder Mensch ist einzigartig schön. Alles andere, Herr/Frau Schmidt, wäre eine Diskriminierung der jeweiligen Person.

  10. 29.

    Genau! Endlich kann man alles im Discounter kaufen - völlig egal ob es man es braucht oder ohne vllt sogar besser dran wäre! Das ist das wa(h)re Leben!

  11. 28.

    In der SBZ konnte man keine Badebekleidung kaufen, weil diese in die kapitalistischen Länder
    verkauft wurde. Also wurde der nackte Sozialist
    erfunden. Heute kann man aber alles kaufen und
    braucht nicht mehr nackt im Trabi zu fahren.

  12. 27.

    Als "Wessi"möchte ich äussern, dass ich sehr gerne in Lychen nackt gebadet habe und dieses Verbot sehr bedauerlich finde. Ich finde es aber auch bedauerlich wenn den Wessis die Schuld gegeben wird an einer lychener Entscheidung.
    Mich z.B. hat keiner gefragt. Ich verstehe das alles nicht. Aber noch weniger verstehe ich wie jemand androhen kann die eigene wunderschöne Umgebung mit Diesel zu vergiften.
    Lasst doch Ossis und Wessis baden wie sie wollen und vergiftet weder die herrlichen Seen noch die zwischenmenschlichen Beziehungen.
    Toleranz und Respekt statt Gift wäre toll. Die nackten Yogi's würde mir sicher zustimmen.

  13. 26.

    Das muss natürlich verfolgt werden; aber Hunde baden am Hundestrand auch nackt.

  14. 25.

    Fazit zum Nacktbadeverbot: Gehst du später mal auf Reisen, sollst du Lychen weit umkreisen. Weiter sagen!

  15. 24.

    Wer hat sich den Quatsch ausgedacht ich dachte wir leben in einer Demokratie ohne Bevormundung. Zu DDR Zeiten hat sich auch keiner daran gestört und wem es nicht gefällt muß ja nicht hinsehen.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  16. 23.

    Tatsächlich war man in der DDR im Durchschnitt offenbar weniger prüde als in der BRD. Aber auch in vielen Bereichen West-Berlins bzw Westdeutschlands war früher der Umgang mit Nacktheit entspannter. Zunehmend restriktive Moralvorstellungen, die Menschen bevormunden, welche keinem anderen objektiv schaden, sind also ein gesamtdeutsches Problem.

  17. 21.

    Es ist doch schon in Deutschland schlimm genug, das in den sog. Freibädern nicht frei/nackt gebadet werden darf und dann hier unnatürliche Verbote bedingt durch 'Einige' verklemmte Namenlose. Also auch in der Uckermark amerikanische Verhältnisse, fehlen noch Sanktionen.

  18. 20.

    Und wieder geht ein Stück DDR- Geschichte verloren.

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