Archivbild: Ein Wildschwein in der Döberitzer Heide in Sielmanns Naturlandschaften, Elstal, Brandenburg. (Quelle: dpa/B. Settnik)
Video: rbb|24 | 10.09.2020 | Material: ARD-aktuell | Bild: dpa/B. Settnik

Klöckner bestätigt ersten Fall in Deutschland - Afrikanische Schweinepest in Brandenburg nachgewiesen

Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. Ein in Brandenburg unweit der Grenze zu Polen aufgefundenes totes Wildschwein sei mit dem Virus infiziert gewesen, bestätigte Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner am Donnerstag.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Die Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen bestätigt, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Die Ministerin betonte: "Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich." Vom Verzehr von möglicherweise kontaminiertem Fleisch gehe keine Gefahr für den Menschen aus. Nur für Schweine sei die Seuche fast immer tödlich.

Die Brandenburger Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) will am Donnerstagmittag in Potsdam über die aktuelle Lage informieren.

Sperrkreis um den Fundort gezogen

Der Kadaver des Wildschweins war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt im Landkreis Spree-Neiße gefunden worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt, brachte den endgültigen Nachweis.

Damit verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei". Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, zum Beispiel nach Asien. Bei den Bauern gibt es deshalb große Sorgen vor wirtschaftlichen Auswirkungen.

Inzwischen wurde der Fundort abgesperrt. Bei den nahegelegenen Betrieben sollen die Schutzmaßnahmen kontrolliert und verstärkt werden, um ein Eindringen zu verhindern. Betroffen wären, so der Kreisbauernverband, die Bauern AG Neißetal und ein Betrieb im angrenzenden Landkreis Oder-Spree. Zudem soll die Suche nach toten Wildschweinen verstärkt werden, die dann in Kühlzellen deponiert werden.

Ställe der Bauern AG Neißetal in Grießen. (Quelle: rbb/Iris Wussmann)
Der nahe des Fundorts gelegene Betrieb der Bauern Ag Neißetal in Grießen, im Landkreis Spree-Neiße, soll verstärkt kontolliert werden. | Bild: rbb/Iris Wussmann

Einschleppen aus Polen war befürchtet worden

Ein Übertreten der Tierseuche nach Deutschland war seit Längerem befürchtet worden. Im März wurde in Polen ein daran gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt. Als Ursache für die Verbreitung in Europa wird vor allem die illegale Entsorgung von Speiseabfällen vermutet, die den Erreger enthalten.

Vergeblich Schutzzäune aufgestellt

Für das Krisenmanagement sind die örtlichen Behörden zuständig. Wird die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt, wird nach Angaben des Bundesministeriums ein "gefährdeter Bezirk" festgelegt und eine Pufferzone eingerichtet. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen dann aus diesen Gebieten - bis auf Ausnahmen - nicht herausgebracht werden.

Brandenburg hatte, in der Hoffnung ein Einschleppen verhindern zu können, in den Kreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in der Stadt Frankfurt (Oder) einen 120 Kilometer langen Elektroschutzzaun an der Grenze errichtet. Er sollte Wildschweine aufhalten. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße war zuletzt geplant. Auch am sächsischen Grenzverlauf wurde ein Zaun gebaut.

Karte des Friedrich Loeffler Institut mit exakten Ausbruchs- und Fundorten der Schweinepest in Europa im jahr 2020
Exakte Ausbruchs- bzw. Fundorte der Schweinepest - rot Hausschwein, blau Wildschwein | Bild: Friedrich-Loeffler-Institut

Schweinepest bisher vor allem in Osteuropa

Neben Polen sind Ungarn und Rumänien besonders betroffen von der Schweinepest. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn europaweit 9057 Fälle gezählt - vor allem bei Wildschweinen. In Polen wurden laut EU-Datenbank ADNS 3152 Fälle bei Wildschweinen und 82 Fälle bei Hausschweinen gezählt. Ungarn sind 3455 Wildschweine und keine Hausschweine betroffen. In Rumänien gibt es Schweinepestfälle bei 656 Wildschweinen und 597 Hausschweinen.

Die Verbreitung in Osteuropa wird zum Teil damit erklärt, dass kleinstrukturierte Landwirtschaft mit offenen Ställen oder Freilandhaltung den Kontakt zwischen Wild- und Hausschweinpopulationen leicht möglich macht.

Sendung: Brandenburg aktuell, 10.09.2020, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Warum sagt man den Bundesbürgern nicht die Wahrheit! Jedes infizierte Wildschwein ist 3-4 Tage krank und verendet
    dann. Die erkranten Wildschweine gehören zu der Hautnahrung der Wölfe und anderer Asfresser und diese verbreiten
    auch die Viruserkrankung. Man sollte die Wölfe dem Jagdrecht unterstellen oder in hoch eingezäunten Übungsgebieten
    der Bundeswehr aussetzen. Dadurch erspart man der Regierung viele Millionen Euro.
    Heute muss der einfache Steuerzahler alles bezahlen und die Wölfe werden mit vielen Millionen Euro noch geschützt !
    Hoch lebe der Unsinn !!













    übungsgebieten

  2. 10.

    Massentierhaltung ist, wenn es sich lohnt, Fleisch 10.000 km weit zu exportieren. Ganz einfach.

  3. 9.

    Das wird wohl dem Übertragungsfaktor "Mensch" zuzurechnen sein.

    Ich versteh nur nicht, was nun noch die Einzäunung des Kerngebiets, Jagdruhe etc. bringen sollen, wenn der Kadaver schon länger liegt. Sofern das nicht ne Einzelgängersau war, ist das Virus schon längst viel weiter verbreitet worden.

    Im Übrigen frage ich mich generell, warum man vorsorglich Zäune zieht. Jeder wirkliche Experte bestreitet, dass Wildschweine sich von Zäunen aufhalten lassen. Das war mal wieder so ne Aktion von und wegen "Hauptsache, wir können sagen, dass wir was tun. Sinnvoll muss es ja nicht sein." Aber da ist Brandenburg ja nicht allein. Diverse andere Länder ziehen ja auch schon sinnlose Zäune und schmeißen Steuergelder zum Fenster raus für allerlei mit ASP begründetem Unfug.

  4. 8.

    Eigenartige Fallverteilung in Polen mit dem Nest im Westen. Gibt es dafür eine Erklärung?

  5. 7.

    Der Stadtmensch sieht durch seine rosarote Brille eben nur das was er auch möchte...Hauptsache der Strom aus der Leitung ist grün und auf dem Hühnchen aus dem Supermarkt steht, so es preislich mit dem Gewissen vereinbar ist, irgendwo "Bio"

  6. 6.

    Bitte mal eine klare Definition von Massentierhaltung! Man hört nur immer das Schlagwort und keiner will einem sagen was das den genau ist. Was ist "Massentierhaltung"?

  7. 5.

    Wie kommen sie darauf, dass dies mit Massentierhaltung zu tun hätte?
    Gehen sie mal zu einem Pferdehof, wo Großstädter ihre Pferde unterstellen, um sie vlt. ein Mal in der Woche zu reiten. Da sind die Nitratwerte ebenfalls mehr als erhöht. Die Gewässer ringsum verkrauten genau ab dieser Stelle. Interessiert aber weder die Gemeinde, noch das Umweltministerium in Brandenburg!
    Und das ist eigentlich keine Massentierhaltung.

  8. 4.

    Für Menschen keine Bedrohung. ..., noch nicht, abwarten.
    Ansonsten volle Zustimmung. das ausgerechnet die AfD im Bundestag für Beibehaltung der Zustände ( Werkverträge)in der Fleischindustrie ist spricht Bände.
    Die Menschheit scheint zu bekommen was sie verdient hat, von der Einsicht etwas zu ändern ist sie noch weit entfernt.

  9. 3.

    Aktuell stellt das Virus keine Gefahr für den Menschen dar. Aber Viren verändern sich ständig. Auch das neuartige Corona-Virus ist ja wohl nach Veränderung vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Nun befindet sich die ganze Welt in diesem Schlamassel.

  10. 2.

    Eine gute Nachricht. Für Menschen keine Bedrohung. Nur für Schweinefleisch-Exportbetriebe, die ihr minderwertiges Fleisch aus Massentierhaltung nun nicht mehr in Länder exportieren dürfen, die frei von dieser Krankheit sind. Wozu auch produzieren wir im Hochlohnland Deutschland massenweise Billigfleisch, um es in alle Welt zu exportieren? Und die Gülle landet in unvorstellbarer Menge auf unseren Feldern und verseucht das Grundwasser mit Nitrat. Da die Politik das Problem nicht lösen wollte, tut es nun die Natur. Für mich und unsere Umwelt ist das eine gute Nachricht. Und falls es ein paar Wildschweine weniger werden, wäre das auch nur gut. Die Jäger schaffen es ja nicht allein, den Wildschweinen Herr zu werden.

  11. 1.

    Irre ich mich oder bahnt sich eine Katastrophe nach der anderen an?!Fühle mich im Moment gerade wohl.

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