Rehe haben sich im Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest verfangen, Quelle: rbb
Audio: rbb|24 | 19.02.2021 | Bild: rbb

Ministerium räumt "Zwischenfälle" ein - Rehe verfangen sich in Schweinepest-Zaun und sterben

Gegen die Ausbreitung der Schweinepest lässt das Land Brandenburg auf 250 Kilometer Länge Zäune errichten. Doch die Barriere hält nicht nur Wildschweine auf: Im Unteren Odertal verfingen sich nun Rehe in einem Zaun und mussten getötet werden.

In einem Zaun in Brandenburg, der das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verhindern soll, haben sich Wildtiere verfangen und sind zu Tode gekommen. Dem rbb liegen Aufnahmen von Rehen vor, die sich im Unteren Odertal in einem Zaunstück verfangen haben und bereits blutend versuchen, sich zu befreien versuchen. Zwei der Tiere wurden später von einem Jäger erlegt.

Die Bilder stammen vom vergangenen Wochenende. Nach rbb-Recherchen sollen sich aber auch schon vorher Rehe und auch Wildschweine an solchen Zäunen verletzt haben.

Vonseiten des Landwirtschaftsministeriums hieß es am Freitag, der Zaun könne von Wildtieren grundsätzlich überwunden werden. "Die Schutzzäune sind so konstruiert, dass sie Wildschweine weitestgehend aufhalten - anderes Wild wie Rehe und Hirsche können die in der Regel 1,20 Meter hohen Zäune überspringen, kleine Tiere wie Marder und Kriechtiere können hindurchschlüpfen", teilte Verbraucherschutz-Staatssekretärin Anna Heyer-Stuffer, Leiterin des ASP-Krisenstabs, am Freitag mit.

Ministerium räumt "Zwischenfälle" ein

Das Landwirtschaftsministerium räumte aber zugleich Probleme ein. "Da die Zäune den Wildwechsel behindern, kann es leider zu Zwischenfällen und Begegnungen insbesondere auch auf den Deichen kommen, wenn Wildschweine aufgehalten werden oder andere Tiere nicht sofort den Zaun überspringen", so Agrarstaatssekretärin Silvia Bender laut Mitteilung.

Auf Nachfrage von rbb|24 teilte das Landwirtschaftsministerium am Montag mit, es handele sich bei den Zwischenfällen um Einzelfälle. Auch der obersten Jagdbehörde läge keine Statistik über verendete oder verletzte Tiere entlang der Zäune vor. Es gebe auch keine Meldepflicht. Die Informationen hätten allein die jeweils zuständigen Jäger.

Das Ministerium rief Verkehrsteilnehmende und Erholungssuchende auf, Abstand zu halten, wenn Wildtiere am Zaun entlanglaufen. "Es sollte nicht laut gerufen, gestikuliert oder gehupt und aufgeblendet werden, da die Wildtiere sonst in Panik versuchen, den Zaun zu überwinden oder zu durchbrechen." Weiter heißt es: "Wildtiere reagieren mit blinder Flucht und achten dabei nicht auf Menschen." Sollte es doch zu Zwischenfällen kommen und Wildtiere verletzt werden, "rufen Sie bitte die Polizei, die die zuständigen Jäger verständigt".

Neben Fahrzeugen oder Passanten dürfte auch das derzeitige Hochwasser an der Oder Probleme bereiten: Es zwingt die Tiere, ihren Lebensraum zu verlassen und andere, nicht überflutete Gebiete aufzusuchen.

Zäune auf 250 Kilometer geplant

Der erste Schweinepest-Ausbruch bei Wildschweinen in Deutschland war am 10. September 2020 in Brandenburg amtlich festgestellt worden. Bis Mitte Februar wurden in dem Bundesland rund 640 tote infizierte Wildschweine gezählt, mehr als die Hälfte davon im Landkreis Oder-Spree.

Um eine Zuwanderung von weiterer infizierter Wildschweine aus dem Osten und eine Ausdehnung der Schweinepest nach Westen zu verhindern, wurden um die betroffenen Gebiete, unter anderem entlang der Oder, Zäune aufgestellt. Zunächst wurden Gewebezäune genutzt, inzwischen wird ein fester Zaun gebaut. Nach Angaben von Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) wurde bereits auf mehr als 185 Kilometer Zaun errichtet - insgesamt sollen es etwa 250 Kilometer werden. Um drei Kerngebiete würden sogar Doppelzäune errichtet, bestätigt die obere Jagdbehörde rbb|24 am Freitag. Sie befänden sich unmittelbar vor der Fertigstellung.

Auch Saufänge zur Bejagung erlaubt

Die Wildschweine innerhalb der Umzäunung sollen, sobald die Zäune fertig gestellt sind, komplett "entnommen", also getötet, werden. Das sei in einem von drei Kerngebieten bereits der Fall, sagt Malte Glässer von der Oberen Jagdbehörde. Dabei schießen die Jäger sowohl einzelne Tiere (Einzeljagd), es kämen zudem drei verschiedene Fallenarten zum Einsatz.

Der ASP-Krisenstab hat dazu die Anschaffung von 30 sogenannten Saufänge in Auftrag gegeben [dahme-spreewald.de]. Lebendfallen zur Wildschweinjagd sind in Brandenburg umstritten. In diesem Fall handelt es sich um eine seuchenrechtliche Maßnahme. Die Strategie für die Bejagung hat das zuständige MSGIV am Donnerstag mit einem entsprechenden Erlass konkretisiert.

27 Kommentare

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  1. 27.

    Es sollte jeden Meter Flatterband an den Zaun, damit jeder, egal ob Zwei-oder Vierbeiner den Zaun auch sehen kann. Wer den Zaun sehen kann, bremst und sucht sich ohne Hatz einen anderen Weg (oder bleibt im gezäunten Bereich, was die Wildschweine ja sollen). Vor allen Dingen da, wo man aus Errfahrung schon weiss, dass dort Rotwildwechsel sind, sollte Flatterband dran.

  2. 26.

    Sowas habe ich vorher noch nicht gesehen, geschweige denn geahnt. Eindrucksvoll.

  3. 25.

    Und wieder beeindruckt mich Ihr Kommentar. Weil dieser vollkommen zutrifft. Danke dafür.

  4. 24.

    Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu. Allerdings hätte bei dem Zaun ein Unterqueren verhindert werden müssen, mindestens indem er am unteren Ende durch eine. Draht so gestrafft wird, dass ein Anheben nicht möglich ist. Das hätte dieses Drama hier wahrscheinlich verhindert. Möchte nicht wissen, wie viele Kleintiere das selbe Schicksal ereilt.

  5. 23.

    Ökologie und Biologie ist "politisches Gespür" egal. Krankheiten richten sich nicht nach großen Worten, wie von "jedem Mittel, das recht sein müsse". - ASP bleibt an Gegenständen haften und verbreitet sich auch durch Kontakt mit diesen. Um "mechanische" Ausbreitung zuverlässig zu verhindern, muss das ganze Land mit wirklich undurchdringlichen Schneisen zerteilt und auch Menschen (!), Autos und Hunden den Zugang zu Waldgebieten dauerhaft untersagt werden: Zeitliche und räumliche Begrenzung der Maßnahmen nicht absehbar. Ist echt auch das recht? - Jede weitere Zerteilung natürlicher Lebensräume, wie sie bereits durch viele Verkehrswege erfolgt, hat massive negative Auswirkungen auf viele unterschiedliche Tiere. Z.B. Inzucht; Folge: erhöhte Krankheitsanfälligkeit. - Anlass der Zäune ist die Angst der Schweineproduzenten vor Absatzverlusten z.B. durch Exportverbote. Das mag man verständlich und richtig finden. Aber dass es hier um deren Interessen geht, ist simpler Fakt, keine Ideologie.

  6. 22.

    Habe einen Bericht aus Beyern gesehen nach dem die Wildunfälle um München um 500% in Worten fünfhundert seit dem Lockdown zugenommen hätten.

    Mehr Spaziergänger, Jogger und nicht angeleinte Hunde versetzen das Wild anscheinend in einen Dauer Flucht Modus. Diese Flucht endet nicht selten vor einem Auto, in einem Gewässer oder anderem Hinderniss (z. B. Zaun) tötlich.

    Klar, ein "neues" Hinderniss wie dieser Zaun ist natürlich mit Schuld. Allerdings denke ich, dass ein wesentlicher Teil der Verantwortung bei nicht angeleinten Vierbeinern respektive ihren zweibeinigen Herrchen liegt.

  7. 21.

    Also der ÖKOLOGISCHE JAGDVERBAND ist froh über jedes tote Reh( sind Rohkostselektierer). Die fressen alle Bäume ( Terminaltriebe) ab. Und verhindern damit den Waldumbau, hin zu mehr Laub- und Mischholzbeständen. Herr Graf von Schwerin ( Waldbesitzer) und Herr Vogel ( Minister) können Ihnen das bestätigen.

  8. 20.

    So schlau können ja die Schweine nicht sein, sonst würden sie sich nicht in diesem Zaun, dessen Funktion und Schutz ich nicht in Frage stelle und deren Wichtigkeit ich ausdrücklich befürworte, verfangen. Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest muss jedes Mittel recht sein, auch wenn der Zaun die Dezimierung der Überpopulation von Wildschweinen entgegen wirkt. Letztlich, um andere Tiere, die sich im Zaun verfangen haben, zu erlösen, sollte der Zaun regelmäßig von Förstern bestreift werden, um die verletzten Tiere zu entnehmen. Hier von "massivste Eingriffe in die Natur vorzunehmen" zu fabulieren und den Zaun als "Eisernen Vorhang" zubetiteln, zeugt von geringen Problembewusstsein und fehlenden politischen Gespür. Leider untergraben Bürger aus falschverstandenen Tierwohlgedanken die Maßnahmen und zerstören mutwillig die Zaunanlagen. Denen muss man habhaft werden und mit einer empfindlichen Geldstrafe begegnen.

  9. 19.

    Welche Haltung hat eigentlich der NaBu zu diesem Geschehen, könntet ihr darüber berichten?

  10. 18.

    Mit Zäunen können Sie keinen Konflikt haben, es sind Gegenstände. Und was soll das mit der Fleischindustrie? Bleiben Sie bitte beim Thema statt hier Ihre Ideologie zu verkünden

  11. 17.

    Die Konflikte mit diesen Zäunen werden zunehmen, sobald das Wetter besser wird. Ganz Brandburg ist von Zäunen umzogen. Ohne Mitsprache von Bürgern werden Wanderwege und Wälder abgezäunt. Ohne Möglichkeit zum Durchqueren. Die Schweine sind so schlau und finden die Lücken in den Zäunen. Selbst durch Naturschutzgebiete hat man es geschafft Zäune zu ziehen. Alles nur für die Fleischindustrie und die zahlt keinen Cent. Da eine Fleischsteuer fehlt.

    Das Ausmaß ist nicht mehr erträglich und der Sinn ist an viele Gebieten nicht erkennbar. Vom Schreibtisch aus geplant und keine Ahnung vor den Bedingungen vor Ort.

  12. 16.

    "Das glauben nur diese Spinner von Rot-Rot-Grün! "
    Absolut, wie ja auch jeder Blau-Wähler weiß: in Branenburg regiert RRG... -.-

    Man kann vielleicht Seuchen durch Zäune und Maßnahmen nur verlangsamen, aber Unwissenheit ist leicht durch gute Bildung zu bereinigen.

    Und Fanatiker sind weder durch das eine noch durch das andere aufzuhalten. Die glauben halt ihre eigene Religion.

  13. 15.

    "... da dieser Zaun für Wildsäue gebaut wurde, hätten 80 cm locker ausgereicht."
    Das dachte ich bis vor kurzem auch.
    1,50 m hohe Sprünge sind wohl keine Seltenheit bei Wildschweinen.
    https://www.youtube.com/watch?v=GIZawPqpN7Y

  14. 14.

    Rehwild ist bekanntlich ein Fluchttier. Ich bezweifele es, das es in der Lage ist auf der Flucht einen grauen Zaun vor dem Hintergrund eines Dickichts zu erkennen. Letztlich kann man Rehe mit Zäunen und Netzen fangen.
    1,20 M sind für ein gesundes Tier kein grosses Problem, da dieser Zaun für Wildsäue gebaut wurde, hätten 80 cm locker ausgereicht. Wie im Film zu erkennen ist, haben die Tiere den Zaun "Volley" genommen - die Beschädigungen lassen eigentlich nichts anderes zu.
    Bei einer anderen Bauweise hätte dies nicht "in Kauf genommen" werden müssen. Ebenso hätte es höchstwahrscheinlich keine "Kollateralschäden" gegeben. Um "RRG" noch abzufrühstücken ... eine Rot-Rot-Grüne Warnmarkierungen am Zaun hätten dem Wild auch geholfen. Und ja, sowas ist kein Schwachsinn, man muss es zeigen und die Musik passt dazu "Not my Problem" - so der Titel.

  15. 13.

    Oh hab mal wieder nen Maulkorb bekommen,

    Dankeschön

  16. 12.

    Wer daß eine will muß daß andere mögen. Es ist zwar schade daß durch diesen Zaun auch Rehwild ums Leben kommt.

  17. 11.

    Ich ärgere mich ebenfalls maßlos über das Video mit der unpassenden Musik zu einem verzweifelten Tier, dass sich gerade die Kehle am Zaun aufreisst. Was soll das, was denkt Ihr Euch beim Rbb bei sowas, soll das witzig sein?
    Abgesehen davon, werden diese Zäune jetzt zum Frühling hin noch viel mehr Tiertragödien bewirken und seit wann verhindern Zäune eigentlich Seuchen?

  18. 10.

    Tierseuchenbekämpfung ist auch Tierschutz! Wenn sich die Seuche weiter ausbreitet, sterben viele Schweine qualvoll oder müssen in Massen getötet werden. Das sich einzelne Tiere im Zaun vergangen ist tragisch, muss aber leider in Kauf genommen werden.

  19. 9.

    Das glauben nur diese Spinner von Rot-Rot-Grün!
    So wie man mit Lockdowns auch Corona bekämpf statt mal ordentlich zu impfen.

  20. 8.

    Wie kann man solch einen Schwachsinn veröffentlichen. Wer das eine will muss das andere mögen. Tote Rehe sind mir lieber wie ASP.

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