Imker in Brandenburg - Zwischen Honig-Boom und Wildbienensterben

Imker (Quelle: Ludger Smolka)
Bild: Ludger Smolka

Der Klimawandel, aber auch menschliche Einflüsse machen das Leben für Honig- und Wildbienen immer schwerer. Zwar hat die Zahl der Imker und der Bienenvölker deutlich zugenommen. Doch den Wildbienen hilft das nicht. Von Ludger Smolka

Holger Ackermann aus Groß Schauen bei Storkow (Oder-Spree) ist Imker aus Leidenschaft. 15 Völker stehen bei ihm im Garten, einen Schutzanzug gegen Stiche trägt er nicht. Ihm reicht ein weißes Hemd: "Einfach nicht schnell bewegen, das macht die Bienen nervös", sagt Ackermann.

Seine Leidenschaft teilen immer mehr Menschen – und das nicht erst seit der Corona-Pandemie: In Brandenburg wuchs die Zahl der Imker seit 2014 laut Tierschutzreport des Landes von 3.424 auf 6.034 in 2020, die Zahl der Bienenvölker von 40.000 auf über 57.000. Das stimmt den Sprecher des Imkerverbands Brandenburgs froh.

Andererseits blickt er mit Sorge auf seine Honigwaben, wenn er die aus seinen Stöcken herauszieht: "Die müssten normalerweise um diese Zeit schon ziemlich voll sein. Leider hatten wir es in der letzten Zeit aber ziemlich kalt gehabt. Meine Bienen haben einen Entwicklungsstand von Ende April. Wir werden weniger Honig ernten."

Honigertrag sinkt seit Jahren

Schwankungen seien normal, sagt Ackermann, doch er sehe eine langfristige Veränderung: "Wir haben deutlich zu warme Winter und weniger stabile Wetterlagen im Gegensatz zu früher. Das bringt unsere possierlichen Stachelträger durcheinander." Ist es früh im Jahr warm, fangen die Bienen auch früh zu brüten an. Wenn es dann wieder kälter wird, müssen die Tiere drinnen bleiben. Reicht der Honigvorrat nicht aus, um Wärme zu produzieren, können Völker im Frühjahr zusammenbrechen. Das sei in diesem Jahr bereits häufig passiert, so Ackermann.

Der Honigertrag pro Bienenvolk sinkt seit Jahren sehr stark - trotz der gestiegenen Zahl an Imkern und Bienenvölkern: Waren es 2016 noch 35 Kilo, die ein Volk durchschnittlich produzierte, kamen 2020 nur 24,2 Kilo auf die Waage.

"Der Klimawandel hat den Imkern übel mitgespielt"

Das ist besonders dramatisch für Imker, die mit Honig ihren Lebensunterhalt verdienen. Wanderimkerin Karin Lang kommt mit ihren rund 800 Bienenvölkern seit mehr als 20 Jahren zur Akazienblüte nach Brandenburg. In der märkischen Schweiz gibt es den größten zusammenhängenden Akazienwald Deutschlands - bei Imkern bekannt und beliebt.

"Der Klimawandel hat den Imkern übel mitgespielt. Die letzten zwei Jahre waren sehr trocken, wir haben sehr viel weniger Honig geerntet als in normalen Jahren", sagt die Imkerin. Der Honig-Preis sei gestiegen. Wenn aber ein Glas im Supermarkt über sechs Euro koste, zögerten die Kunden zuzugreifen, sagt Lang weiter.

Viele Wildbienenarten vom Aussterben bedroht

Karin Lang liefert Bio-Honig an den Handelskonzern Rewe. Um die notwendigen Mengen zusammenzubekommen, arbeitet sie mit anderen Bio-Imkern zusammen. Sie lässt sich deren Honig liefern, und füllt ihn dann in ihrer Firma in Bremen ab. Dass ihr Honig möglicherweise neben Produkten aus der industriellen Landwirtschaft steht, hält sie nicht von grundsätzlicher Kritik ab: "Ich glaube, dass die Industrialisierung der Landwirtschaft gestoppt werden muss. Statt Monokulturen brauchen wir vielfältigere, naturnahe Gebiete." Nur so, sagt sie, könne das immer schneller voranschreitende Artensterben aufgehalten werden.

Besonders dramatisch, sagen Imker, wirke sich das Sterben der Wildbienen aus. Von den mehr als 550 Wildbienenarten in Deutschland gelten laut Roter Liste mehr als die Hälfte bestandsgefährdet, 31 seien vom Aussterben bedroht.

Karin Lang (Quelle: Ludger Smolka)Wanderimkerin Karin Lang

Wildbienen gelten als Spezialisten

"Da haben wir ein Riesenproblem", sagt Imker Ackermann, "denn Wildbienen sind Spezialisten: bestimmte Bienenarten sind für bestimmte Blumen zuständig. So brauchen Glockenblumenscherenbienen Glockenblumen, um leben zu können. Wenn es diese Blumen nicht mehr gibt, wird es auch diese Wildbienen nicht mehr geben." So gehe es mit vielen Pflanzen, die ohne ganz bestimmte Wildbienenarten aussterben würden.

Dass die gestiegene Zahl an Imkern mit ihren Honigbienen für das Aussterben der Wildbienen verantwortlich seien, weisen beide von sich: Einen Kampf ums Futter gebe es zwischen den Bienen nicht. Im Gegenteil: Der Mangel an Bestäubungsleistung, der durch die verschwindenden Wildbienen herrsche, würde durch die Honigbienen teilweise aufgefangen, so Karin Lang. "Wenn es in Deutschland nicht so viele Imker gäbe, würden wir den Artenrückgang ganz anders bemerken", sagt sie. "Was wir Imker quasi ausgleichen, würden die sterbenden und schwächer werdenden Wildbienenrassen alleine niemals auffangen."

Appell an die Verbraucher

Helfen könnte eine neue Pflanzenschutzmittelverordnung der Bundesregierung. Doch die steckt kurz vor der Sommerpause im Gesetzgebungsverfahren fest, genauso wie ein Insektenschutzgesetz im Brandenburger Landtag.

Holger Ackermann und Karin Lang aber wollen, dass schnell gehandelt wird. Sie appellieren deshalb an die Verbraucher, regionale Imker zu unterstützen, indem man ihren Honig kaufe. Einen besonderen Rat hat Ackermann für Grundbesitzer: "Liebe Leute, lasst ein bisschen mehr Unordnung zu, mäht nicht alle 14 Tage euren Rasen. Und einfach mal gucken: Was steht denn da? Und vielleicht auch mal bestimmen: Da ist dann zum Beispiel mal ein Storchenschnabel, eine kleine Blume, ganz unscheinbar, und dann gibt es da Wildbienen, die genau diesen Storchenschnabel brauchen, die diese Blüten zum Überleben brauchen. Das hilft."

29 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 29.

    Ich kann da jetzt nicht sagen wie es bei Ihnen ist, aber die Solarflächen die ich kenne sind für die Wildbienen erste Sahne. Keine Monokultur, sondern bunte Wiese die entweder extensiv gemäht oder mit Schafen beweidet wird. Wieso wollen Sie nicht verstehen das Solarflächen für die Vielfalt der Natur ein Segen sein können?

  2. 28.

    Um Gottes Willen. Nicht so negativ. Niemand erwartet, dass Sie die Welt retten oder Berlin mit Frischfleisch versorgen. Aber jeder kann ein wenig tun. Ich habe in Berlin nur einen Balkon. Damit verhindere ich mit meiner Bepflanzung nur ganz ganz wenig das Insektensterben. Aber als ich von der Arbeit kam habe ich mich mit einem prickelnden Kaltgetränk auf den Balkongesetzt und eine dicke Hummel in den Blüten beobachtet. Das mache ich für mich. Echte win win Situation.

  3. 27.

    Also obwohl ich Städter bin achte ich die Arbeit der Landwirte wirklich sehr hoch. Das drücke ich beim Einkauf aus. Auf dem Wochenmarkt und dem Metzger meines Vertrauens. Hier geht es aber um die riesigen Monokulturen, die ja zum großen Teil nicht mehr dem "normalen" Landwirt,sondern großen Konzernen gehören. Verfehlte Politik was Subventionen betrifft. Da ziehen der romantische Städter und der bemühte Landwirt am selben Strang.

  4. 26.

    Ich! Hab zwar keine Hühner (leider) doch ich habe allehand Stauden. Und wenn es sein muss, wässere ich die auch im Dunkeln. Mit Stirnlampe. :)

  5. 25.

    Ich, aber damit bin ich hier im Ort auch die einzige. Und ich kann damit natürlich nicht Städte ernähren. Aber die Ansiedlung von Ställen werden eben genau durch die zugezogenen Städter verhindert. Lieber Solarpark auf dem Acker. Essen kommt doch aus dem Supermarkt.

  6. 24.

    Ja dann sind sie eine Außnahme, bei mir in der Nachbarschaft gibt es jedenfalls nur solche Gärten. Vorallem diese Neubaugebiete, wo jedes Haus wie das anderer Aussieht, sehen so aus.

  7. 23.

    Ein Garten, in der man der Natur etwas Raum lässt sich zu entfalten, und nicht jedes Hälmchen mit schwerem Gerät angreift sobald es drei Millimeter von der Geraden abweicht, ist in jeder Hinsicht einem überlegen, der schon aus der Entfernung signalisiert "hier wohnt jemand mit einem Ordnungsfimmel".

  8. 22.

    Guten Morgen in die Runde.
    Glaubt ihr wirklich, dass Ihr mir ungemähtem Rasen die Bienenpopulation rettet? Wer von Euch hat denn noch Lust jeden Tag nach der Arbeit seine Staudenbeete zu wässern? Wer hat denn noch einen Gemüsegarten und/ oder Hühner, Enten usw.? Ohne Massenproduktion sind insbesondere Städte gar nicht zu ernähren.....!
    Due Blauäugigkeit ist unendlich .....

  9. 21.

    Vollkommen richtig. Viele Leute mähen stets und ständig ihren Garten, mal abgesehen von den noch viel schlimmeren Menschen, die nur noch Steingärten haben. Traurig.

  10. 20.

    Stimmt; kenne hier keine einzige. Habe neulich gestaunt wie toll die Kastanien ( nach Starkbeschnitt ) in Vorstadt wieder ausgetrieben haben. TRAM88 grüßt TRAM89. ;=)

  11. 19.

    Wir haben hier eine teilüberdachte Tiefgarage. Das Flachdach ist extern begrünt. Noch blüht nicht alles aber kommt noch. Kenne doch das Oderbruch seit der Kindheit. Wir blicken auf Rotahorn, Linden und nur etwas weg Rotbuchen. Bin Baumfreund. Wer mit der Natur aufwächst hat zu allem ein anderes Verhältnis.

  12. 18.

    Also in meinem Garten sind seit Jahren Hummeln und Wildbienen unterschiedlicher Art zu hause und habe hier ihre Nester. Da ich neben meinen Nutzgarten einen Blühgarten von Februar/ März bis weit in den November habe, fühlen sie sich hier wohl.
    Vögel habe ich von Nachtigall über Kuckuck bis Haussperling alles. Sie plündern die Regenwürmer aus der Wiese. Einzig die Schmetterlinge sind mehr als deutlich zurückgegangen. Hummeln fliegen früher und auch bei Wetter, bei dem keine Honigbiene aus ihrem Stock kommt.

  13. 17.

    In Brandenburg gibt es keine Akazienwälder, ich schätze, nicht mal eine einzige Akazie. Was hier wächst, ist die aus Nordamerika eingeführte Gewöhnliche Robinie, Robinia preudoacacia. Bitte etwas genauer recherchieren, lieber Herr Smolka.

  14. 16.

    Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Wasserhahn und das Fleisch kauft man an der Kühltheke. So einfach ist das ;-)

  15. 15.

    ... Der Aufschrei der Klimaaktivisten... Wo ist der Aufschrei von den Landwirten gegen diese Herabsetzung ihrer Arbeit und die dafür sorgen das die Städter etwas zu essen bekommen. Es ist einfach einfach auf andere zu zeigen richtig? Dann muss man ans einem eigenen Verhalten nichts ändern. 7,6 %von 100% heisst das an den 92,9 % auch Sie mitschuldig sind! Was also tun Sie um Ihren CO2 Fussabdruck zu senken?

  16. 14.

    Also hier im wunderschönen Oderbruch blüht und gedeiht so viel schönes. Tramm 88 ,wir haben auch sämtliche Arten von Vögeln, was so schön ist den zuzusehen. Es gibt sogar Blühwiesen, abgetrennt vom Grundstück! Wenn einer meint, hier wird nichts für die Umwelt getan, der sollte sich hier mal genauer umschauen. Im Moment fahren eh sehr viele Berliner durchs Oderbruch. Könnt ihr durch unsere schöne Landschaft nicht lieber mit dem Fahrrad durchziehen, das wäre doch mal was!!!

  17. 13.

    "Nicht diese Dinger aus dem Discounter."

    Ist sicherlich viel Geschäftemacherei dabei. Aber ich habe vor vielen Jahren, als das noch nicht hip war, für wenig Geld ein Insektenhotel bei einer Kette eines sparsamen Schotten gekauft (vermutlich auch noch made in China). Auslastung liegt mittlerweile bei über 30 Röhren.

    Entscheidender ist das Nahrungsangebot in der Nähe.

  18. 12.

    Rotklee ist eine Futterpflanze in der Landwirtschaft.

  19. 11.

    Ich habe einen Kleingärten in Brandenburg. Wir müssen 30 % der Fläche kleingärtnerisch nutzen - ist auch richtig so. Bei den neuen Nutzern kommt es gar nicht gut an - wenn es geht: Rasen, Pool und Grill. Es wird um jeden cm Fläche gefeilscht - nicht zum aushalten.

  20. 10.

    2 Blaubeerbüsche sind fast abgeblüht-aber voll mit werdenden Beeren. Derzeit blüht unser riesiger Feuerdornbusch und auch noch Cotoneaster. Hummeln und Wildbienen kann ich ausmachen. Im Winter finden sich hier stets Amseln ein. 2 Hausrotschwänzchen haben hier wieder erfolgreich gebrütet. Die brüten mitunter auch nochmals. Schlau sind die auch; unterm Dach auf Rohren-bester Schutz vor Elstern.

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift