Zwei Fälle bei Nutzgeflügel in den letzten Tagen - Brandenburg ordnet wegen Geflügelpest Stallpflicht in Risikogebieten an

Fr 07.01.22 | 14:29 Uhr
Freilandhühner im Stall (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)
Audio: Inforadio | 07.01.2022 | Oliver Meurers | Bild: dpa/Roland Weihrauch

Nachdem in mehreren Geflügelbetrieben die Vogelgrippe ausgebrochen ist, hat Brandenburg eine Stallpflicht in Risikogebieten angeordnet. Insgesamt sind davon rund 15 Prozent der Landesfläche betroffen. Die Anordnung gilt ab Samstag.

Seit Oktober tritt in Deutschland verstärkt die Geflügelpest - auch Vogelgrippe genannt - bei Wild- und Nutzvögeln auf. Betroffen sind vor allem Regionen an der Nord- und Ostseeküste, aber auch in Brandenburg waren bereits Geflügelbestände betroffen. Seit Herbst wurden sechs Fälle bei Wildvögeln und vier Fälle bei Nutzgeflügel im Land festgestellt. Insgesamt mussten bereits 36.000 Tiere deshalb getötet werden.

Zwei Fälle in Nutzgeflügelbeständen stammen aus den letzten Tagen - zum Jahreswechsel sind zwei Putenbestände in Märkisch-Oderland betroffen gewesen. Die anderen beiden Fälle bei Nutzgeflügel stammen aus dem Herbst 2021, damals wurde die Geflügelpest in zwei Beständen im Landkreis Spree-Neiße nachgewiesen.

Rund 15 Prozent der Landesfläche sind ausgewiesenes Risikogebiet

Die Gefahr der Übertragung des Erregers durch Wildvögel auf Hausgeflügelbestände wird von Experten des Friedrich-Löffler-Instituts- (FLI) als hoch eingeschätzt. Das zuständige Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz gab deshalb am Freitag bekannt, dass ab Samstag eine Stallpflicht in ausgewiesenen Risikogebieten des Landes gilt.

"Eine weitere Übertragung auf Hausgeflügel gilt es unter allen Umständen zu verhindern, der Kontakt zu Wildvögeln muss unterbunden werden", wird Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnenmacher in der Pressemitteilung des Ministeriums zitiert. Sie ordnet deshalb die Aufstallungspflicht für mehrere Gebiete in Brandenburg an - insgesamt sollen rund 15 Prozent der Landesfläche betroffen sein. Bei den ausgewiesenen Risikogebieten, in denen ab dem 8. Januar das Aufstallungsgebot gilt, soll es sich vor allem um die Flächen handeln, auf oder an denen üblicherweise viele Wildvögel rasten.

Darunter fallen zum Beispiel Feuchtgebiete, Uferflächen und Flächen in der Nähe von sogenannten "Ramsar"-Gebieten (geschützte Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung). In einem Randstreifen von mindestens einem Kilometer um diese Gebiete soll aufgestallt werden. Auch Gebiete in denen besonders viel Nutzgeflügel gehalten wird, sind von der Anordnung betroffen. Die Landkreise und kreisfreien Städte sollen die jeweiligen Flächen durch ihre Amtstierärzte in Abstimmung mit Umwelt- bzw. Naturschutzbehörden festlegen und darüber informieren.

Abgrenzung von Wildvögeln mit geeigneten Abdeckungen

Der Landkreis Prignitz beispielsweise gab in einer eigenen Pressemitteilung bekannt, dass in seinem Zuständigkeitsgebiet unter anderem Teile der Städte Pritzwalk und Wittenberge betroffen seien, sowie mehrere Gemeinden. Eine detaillierte Karte sei über die Homepage des Landkreises abrufbar, heißt es in der Mitteilung. Der Landkreis Teltow-Fläming meldete, dass in seiner Zuständigkeit die gleichen Gebiete, wie bei der letzten Aufstallungspflicht ausgewiesen werden.

In den betroffenen Gebieten dürfen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten oder Gänse (Geflügel) nur noch in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung gehalten werden, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung besteht. Ein Netz sei beispielsweise nicht ausreichend, heißt es. Die Seitenwände müssen so engmaschig sein, dass ein Eindringen von Wildvögeln verhindert wird. Veranstaltungen wie Geflügelmärkte oder -ausstellungen dürften nur noch in geschlossenen Räumen durchgeführt werden, heißt es.

Berlin hat keine Verdachtsfälle und warnt trotzdem

Das Land Brandenburg will auch das Monitoring von Wildvögeln vorerst verstärken. Wer beispielsweise beim Spazierengehen ein vermehrtes Wildvogelsterben beobachtet, ist außerdem aufgerufen, das zuständige Veterinäramt zu benachrichtigen. Vor einem Jahr hatte es rund um den Winter einen der bislang schwersten Ausbrüche von Schweinepest in Brandenburg gegeben. Damals hatte es zwischen Herbst und Frühling insgesamt elf Ausbrüche in Nutzgeflügelbeständen gegeben, infolge deren fast 160.000 Tiere getötet werden mussten.

In Berlin soll es bislang keine Verdachtsfälle geben, wie das Berliner Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg meldete. Allerdings rief der Bezirk die Geflügel- und Vogelhalter im Stadtgebiet dazu auf, wegen der Nähe zu Brandenburg ebenfalls ihr Nutzgeflügel zu beobachten und sich mit den Erfordernissen im Verdachtsfall vertraut zu machen. Möglich seien auch Übertragungen auf manche Säugetiere wie Hunde oder Katzen, heißt es.

Sendung: Inforadio, 07.01.2022, 14.28 Uhr

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