Gesundheitsministerium - Zwei Schweinepest-Kerngebiete in Brandenburg können aufgehoben werden

Fr 20.05.22 | 18:56 Uhr
Warnschild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest" an einem Zaun (Bild: picture alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow)
Bild: picture alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow

Weil mehrere Monate lang kein neuer Fall bekannt geworden ist, kann ein Großteil der Schutzmaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) von den betroffenen Landkreisen aufgehoben werden. Das teilte das Brandenburger Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz am Freitag mit.

Demnach konnten nun zwei sogenannte Kerngebiete, also die Bereiche, in denen infizierte Tiere gefunden worden waren, wieder aufgehoben werden. Dabei handelt es sich um das Kerngebiet 1, das sich in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree befindet, und um das Kerngebiet 3 in Dahme-Spreewald und ebenfalls Oder-Spree. Insgesamt gibt es in Brandenburg acht infizierte Gebiete.

"Wir haben mehr Licht am Ende des Tunnels bei der ASP-Bekämpfung", sagte am Freitag Anna Heyer-Stuffer, Leiterin des ASP Landeskrisenstabes, dem rbb. Wegen der Grenznähe zu Polen wird das Kerngebiet 1 nun in einen Schutzkorridor umgewandelt, das Kerngebiet 3 gehört nun zur sogenannten Weißen Zone. Durch die Umdeklarierung der Gebiete gibt es nun Lockerungen, insbesondere für die Land- und Forstwirtschaft.

Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg (Bild: MSGIV)
Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in BrandenburgBild: MSGIV

Tierärzte fordern Abschuss der Wildschweine

Ob der Kampf gegen die ASP wirklich erfolgreich war, werde sich allerdings erst bei der Suche nach weiteren Wildschweinkadavern nach den Ernten zeigen, sagte die ASP-Stabsleiterin des Landkreises Dahme-Spreewald, Heike Zettwitz.

Unabhängig von dem Zaun fordern Tierärzte nach wie vor einen intensiven Abschuss der Wildschweine. "Wichtig ist, die Schwarzwild-Population auf maximal fünf Prozent der Ausgansposition zu reduzieren", sagte Stephan Nickisch, Brandenburger Landestierarzt, dem rbb. Damit könnten nach Auffassung des Tierarztes weitere ASP-Kerngebiete in Brandenburg aufgehoben werden.

Freilandhaltung von Hausschweinen wieder möglich

Seit September 2020 war die Tierseuche aus Westpolen nach Brandenburg eingetragen worden. In Dahme-Spreewald wurde die Schweinepest am 18. Februar 2021 erstmals amtlich nachgewiesen. Seitdem war das Kerngebiet doppelt eingezäunt worden und zahlreiche Suchaktionen, die sogenannte Fallwildsuche aufgebaut worden. Dabei waren Landwirte und Jäger, aber auch die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und Mitarbeiter des Landkreises im Einsatz. Bei der Suche nach Kadavern halfen zudem spezielle Spürhunde, Drohnen und Hubschrauber.

Das bisher letzte infizierte Wildschwein war am 21. Oktober des vergangenen Jahres gefunden worden. Im Kerngebiet 3 sind laut Landkreis Dahme-Spreewald insgesamt 357 infizierte Tiere gefunden worden. In ganz Brandenburg wurden bislang 2.542 ASP-Fälle bei Wildschweinen nachgewiesen.

Schutzkorridor an der polnischen Grenze fertiggestellt

Gleichzeitig ist nach Angaben des Brandenburger Verbraucherschutzministeriums der Schutzkorridor entlang der polnischen Grenze endgültig fertiggestellt. Der Schutzkorridor wurde mit einem doppelten Zaun auf einer Länge von rund 280 Kilometern aufgestellt. Bereits im vergangenen Sommer war der erste 255 Kilometer lange Zaun errichtet worden.

Doch laut einem Rechtsgutachten, das die Umweltschutzorganisation WWF beauftragt hat, ist der ASP Schutzzaun rechtswidrig. Der Landeskrisenstab sei im Gespräch mit dem WWF, so die Leiterin Heyer-Stuffer. Sie wisse, dass eine entsprechende Beschwerde bei der EU-Komission eingereicht worden sei. "Da hoffen wir auch auf eine Klärung auf der europäischen Ebene."

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.05.2022, 14:30 Uhr

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