Interview | Stellv. Waldbrandschutzbeauftragter - "Die Waldbrandgefahr in Brandenburg ist vergleichbar mit der in Südeuropa"

Di 17.05.22 | 14:34 Uhr
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Blick auf eine Rauchwolke während eines Waldbrandes im Loben-Moor zwischen Gorden-Staupitz, Hohenleipisch und Plessa. (Quelle: dpa/Veit Rösler)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 16.05.2022 | Stephanie Teistler | Bild: dpa/Veit Rösler

Etwa jeder dritte Waldbrand, der in Deutschland registriert wird, lodert in Brandenburg. In diesem Jahr brannte es schon fast 120 Mal. Warum die Region europaweit zu den gefährdetsten gehört, erklärt der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Philipp Haase.

rbb|24: Herr Haase, nach wie vor fällt kaum Regen in der Region. Vorige Woche lag mit der Gemeinde Wiesenburg sogar deutschlandweit der trockenste Ort in Brandenburg. Führt die Trockenheit auch zu mehr Waldbränden?

Philipp Haase: Wir sind noch an einem sehr frühen Punkt der Saison. Und hier zeigt sich schon die Brisanz: Wir haben Stand Dienstag in diesem Jahr bereits 118 Waldbrände registriert, vor einem Jahr hatten wir diesen Wert erst Mitte Juni erreicht. Selbst im heißen und trockenen Jahr 2018, als es viele große Waldbrände in Brandenburg gab, hatten wir diese Zahl erst Ende Mai. Die aktuelle Waldbrand-Statistik zeigt also: Wir sind wegen der fehlenden Niederschläge in einer angespannten Situation.

Philipp Haase, stellvertretender Waldbrandschutzbeauftragte Brandenburgs (Quelle: privat)
Philipp Haase, stellvertretender Waldbrandschutzbeauftragte in Brandenburg | Bild: privat

Laut regelmäßiger Auswertung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) brennt der Brandenburger Wald im Schnitt bundesweit am häufigsten und wird am großflächigsten zerstört [ble.de]. Rund jeder dritte Waldbrand in Deutschland findet hier statt. Woran liegt das?

Das hat mehrere Gründe. Einen haben Sie eben schon angesprochen: Es gibt vergleichsweise deutlich weniger Niederschlag im Nordostdeutschen Tiefland, zu dem Brandenburg und auch Berlin gehören. Genau deshalb waren beide Regionen im vergangenen Jahr auch wieder die trockensten Bundesländer.

Die Bäume sind gestresst. Der laufend aktualisierte Dürremonitor des Helmholtzzentrums für Umweltforschung zeigt für Brandenburg aktuell eine außergewöhnliche Dürre im Boden bis 1,8 Meter Tiefe [ufz.de]. Daran sehen wir, dass die Niederschläge im Winter nicht ausgereicht haben, um das zu kompensieren. Im März dieses Jahres haben wir beispielsweise erlebt, dass in vielen Regionen Brandenburgs gerade mal ein Zehntel des Regens gefallen ist, der im vieljährigen Mittel eigentlich fallen sollte. Und Regen ist elementar für die Gesundheit von Brandenburger Wäldern.

Hinzu kommt, dass wir in Brandenburg einfach sehr viel Wald haben. Knapp 35 Prozent der Landesfläche sind Wald. Wir haben insgesamt mehr als eine Million Hektar Wald, zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen haben jeweils nur halb so viel. Und unser Wald besteht zu einem Großteil aus Kiefernbeständen. Dort gibt es eine wesentlich höhere Temperatur auf dem Waldboden als beispielsweise in einem Buchen- oder einem Mischwald.

Das in Verbindung mit geringen Niederschlägen ergibt eine hohe Waldbrandgefahr, übrigens eine Gefahr, die vergleichbar ist mit Südeuropa. Brandenburg ist bereits 1993 durch die EU-Kommission als Waldbrand-Risikogebiet mit hoher Gefahr, analog der südeuropäischen Länder, eingestuft worden.

Wie kann diese Gefahr reduziert werden?

Wir müssen den Waldumbau weiter forcieren. Die Kiefern-Monokulturen müssen zu klimastabilen Mischwäldern umgebaut werden, wir brauchen quasi Diversität im Wald. Durch das Einmischen mehrerer Baumarten hätten wir dann beispielsweise nicht mehr so aufgeheizte Waldböden.

Was dazu aber gesagt werden muss: Wir als Forstverwaltung können nur an die Waldbesitzer mit Rat und Anleitung herantreten und mit Fachexpertise unterstützen. Rund 60 Prozent des Brandenburger Waldes sind in Privatbesitz, es gibt bis zu 100.000 verschiedene Waldbesitzer, diese haben das letzte Wort. Aber da merken wir eine grundsätzliche Bereitschaft, es wurden Fördermittel für den Waldumbau und den vorbeugenden Waldbrandschutz abgerufen. So konnte zum Beispiel seit 2019 die Zahl der Löschwasserentnahmestellen deutlich um 147 auf 3.148 erhöht werden.

Jetzt brennt so ein Wald aber ja nicht von alleine. Wie genau kommt es zu den vielen Bränden?

Der Mensch ist die Hauptursache für Waldbrände - auch in Brandenburg. Auf die aktuellen Zahlen aus diesem Jahr bezogen: 20 Prozent der 118 Brände sind nachweislich auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen. Ein hoher Prozentsatz, der auch in den Vorjahren auf hohem Niveau war. Bei rund einem Drittel aller Brände ist Vorsatz die Ursache. Das zeigt sich dann beispielsweise an Brandmitteln vor Ort, die gefunden werden.

Dann spielt natürlich Fahrlässigkeit eine große Rolle. Also: Grillen oder Lagerfeuer im Wald. Die Zigarette, die in den Wald fliegt. Nur ein ganz kleiner Teil - aktuell drei bis sieben Prozent - geht auf Blitzschlag zurück, die einzige natürliche Waldbrandursache in Mitteleuropa.

Ist die Brandenburger Feuerwehr gewappnet?

Die Feuerwehr ist aus unserer Sicht sehr gut ausgestattet. Im letzten Jahr wurde zum Beispiel Geld in Großpumpensysteme investiert, welche aktuell ausgeliefert werden. Und zuletzt wurden ja auch einige Löschfahrzeuge bereitgestellt, die auf Waldbrände spezialisiert sind. Es passiert also in punkto Technik und Ausrüstung schon eine Menge.

Was der Feuerwehr in diesem Jahr Probleme bereitet hat, sind die Folgen der Winterstürme, die bis in den Februar hinein tobten. Es gab viele umgestürzte Bäume, die den Weg zu den Bränden versperrt haben. Zudem gibt es in Brandenburg natürlich generell das Problem von munitionsbelasteten Gebieten, die das Löschen erschweren. Eine völlige Kampfmittelfreiheit in den Wäldern herzustellen, wird allerdings Jahrzehnte dauern. Das lässt sich nicht so schnell lösen.

Ein Mitglied der Feuerwehr löscht letzte Glutnester nach einem Waldbrand. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Auch in den kommenden Tagen soll es nach einem kurzen Gewitter sehr heiß werden.

Ja, und den möglichen Starkregen bekommt ja hauptsächlich der Süden von Brandenburg ab. Für die östlichen und nördlichen Landkreise ist kaum Regen vorhergesagt, so dass für Donnerstag im östlichen Brandenburg bereits wieder eine sehr hohe Waldbrandgefahr vom Deutschen Wetterdienst prognostiziert wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Mark Perdoni, rbb|24.

Sendung: Fritz, Nachrichten, 16.05.2022, 14:30 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Das kalifornische Ökosystem, hat sich über lange Zeit auf regelmäßige Brände eingestellt. Viele Pflanzen keimen überhaupt erst nach einem Brand. Das ist mit Mitteleuropa überhaupt nicht zu vergleichen.

  2. 12.

    Was MDF Platten angeht haben sie natürlich recht
    Echtholzmöbel aus Buche, Eiche ,Kirchen, Erlen usw. Gibt es heutzutage kaum noch, es sei denn mann geht zu einem örtlichen Tischler und lässt es sich machen
    Das kann man aber als Normalverdiener sich kaum leisten
    Viele Möbel bestehen doch heute nur noch aus verkleben und gepressten holzspähnen und sollte es mal feucht werden beim putzen , ist die untere Tür plötzlich doppelt so dick wie vorherr
    Das hätte es früher beim Masdivholzmöbel nicht gegeben

  3. 11.

    Beregnungsanlagen gibt es nicht nur im Westen. Zwischen Jüterbog und Wittenberg können Sie riesige Anlagen sehen. Aber haben Sie auch eine Idee, woher in einem Dürrejahr das Wasser dafür kommen soll?

    Kiefern-Monokulturen gibt es in Brandenburg seit dem 18. Jahrhundert. Ich wusste gar nicht, dass der Alte Fritz Generalsekretär der SED war.

    In der Nazizeit, aber auch in den ersten Nachkriegsjahren sind außerdem massenhaft Pappeln gepflanzt worden, sowohl in den Städten als auch an Kanälen usw. Diese gleichaltrigen Bestände sind inzwischen überaltert und brechen in solchen Mengen zusammen, dass man nach einem Sturm gar nicht hinterherkommt mit dem Räumen und Verwerten.

  4. 10.

    Was die Fichten angehen in Sachen Borkenkäfer haben sie Recht
    Das ist ein erschreckender Anblick wenn man sieht das ganze Wälder Braun sind, zumal dieses Holz höchstens noch Papierholz ist . Ich verfluche die Kiefer nicht, jeder Baum hat seine wichtige Aufgabe
    Aber für einen Festmeter Buchen oder Eichen Stammholz bekommen Sie deutlich mehr Geld als für ein Festmeter Kiefern Stammholz
    Heiko
    Ich habe 18 Jahre im Wald als Waldarbeiter gearbeitet,
    Ich wüsste nicht das wir Kiefernholz als Bauholz für Dachbalken,oder Latten verkauft hätten
    Muss aber dazu sagen, das ich in einer Gegend wohne ,wo der Fichten/ Douglasienanteil deutlich höher ist als der Kiefernanteil
    Ist vielleicht Regional unterschiedlich

  5. 9.

    Grundsätzlich richtig das man aus Buche und Eiche auch Nutzholz gewinnt, aber das Wort billig passt zu den genannten Anwendungen eher nicht. Die Preise unserer Erlenmöbel sind schon gepfeffert aber auch vom lokalen Tischler gebaut.
    Der Fichte macht in Deutschland der Borkenkäfer den Garaus. War erst vor einer Woche im Harz. Schreckliches Bild welches überhaupt nicht zu den Erinnerungen nur einige Jahre zurück passt.
    Will auch nur den Hinweis geben, die hiesige Kiefer "verfluchen", bedeutet auch höhere Preise am Holzmarkt akzeptieren, allein schon weil die Erntezyklen deutlich länger und somit die verfügbare Menge kleiner werden. Und auch der Ertrag/Fläche im Misch- oder Laubwald geringer sein dürfte, sofern die Kiefer Sturm und Feuer überlebt.

  6. 8.

    Kiefern werden zumindest in Brandenburg oft als Bauholz genutzt. Fichte ist anscheinend noch billiger.
    Buche wird auch genutzt für MDF-Platten.

  7. 7.

    Danke für dir Info zu den wassersprenglern in der Schweiz,
    Was aber Buchen und Eichen angeht , bin ich nicht ganz Ihrer Meinung
    Das sind Wertvolle Bäume für Möbel, Funierholz Fassholz (Eichen )
    Aus Eichenholz werden Weinfässer usw. Hergestellt
    Aus Buchen zb. Funier für Möbel usw.
    Kiefern werden sie zb selten als Dachbalken,oder andere Bauhölzer sehen, da ist die Fichte oder Douglasie besser
    Kiefernholz bricht leichter als Fichte,

  8. 6.

    "im Wald habe ich noch keine Sprenger gesehen "
    In der Schweiz oberhalb von Brig hab ich das tatsächlich mal gesehen, um die Bäume am Hang zu stärken und somit das Gleis einer Eisenbahn zu schützen. Musste man beim Wandern bissel aufpassen bzw. jederzeit mit Beregnung rechnen.
    War aber Wasser von irgendeinem Bach am Hang, also kein Grund- oder Trinkwasser.
    Ansonsten haben Sie natürlich Recht, als vorbeugende Brandbekämpfung taugt das sicher nicht. Irgendwelche Scheichs können sich das vielleicht leisten aber die leben ja seltener in westdeutschen Bundesländern.
    Nicht vergessen, die Kiefernmonokulturen haben uns jahrelang billiges Holz für alles mögliche geliefert, wofür Buchen und Eichen weder als Bauholz noch in der Papierherstellung leider nicht taugen.

  9. 5.

    Das Ziel ist anscheinend klar, sogar der Weg.
    Das Problem sind nun einmal die Umstände.
    Der Waldumbau kostet Zeit, Geld und Personal.
    Sparen könnte man wenn es weniger Wild gäbe, folglich keine Schutzzäune bauen müsste.
    Ausreichend Pflanzen müssen auch da sein und wachsen müssen die Bäume auch noch.
    Dann muss man auch noch die Eigentümer überzeugen, nicht jeder interessiert sich für seine Parzelle.
    Wie das mit der Fahrlässigkeit in den Griff zu bekommen ist wird schwierig, von Brandstiftung ganz zu schweigen.
    Es wird ein weiter Weg.

  10. 4.

    Schön das sie so einfache Lösungen haben. Kaufen wir uns einfach Regen und mehr Grundwasser. Oder sind da auch andere Länder Schuld, weil wir denen unseren Regen gegeben haben?

  11. 3.

    Wenn die Feuerwehren die richtige Technik haben, sich weiter schulen, dann ist das schon sehr viel. Zu gut darf man auch nicht sein. Dann passiert das, was in den USA als neues Problem erkannt ist: Wenn man alle Brände löschen/bekämpfen kann, ja dann wird es der Natur über die Jahre "zu viel" und "schlägt grausam zurück"...

  12. 2.

    Die haben die Feldsprenger aufgestellt um ihr Gemüse, Getreide usw. Zu Gießen, nicht um den Wald vor Waldbrände zu schützen, im Wald habe ich noch keine Sprenger gesehen
    Die Waldbrandgefahr besteht wegen der Trockenheit,
    Damit hat die DDR auch nichts zu tun
    Monokulturen ausrichten oder Kiefern können sie auch im Westen finden
    In dem Punkt haben Sie aber recht
    Solche monokulturen brennen leichter als Mischwälder

  13. 1.

    Weil überall eingespart wird. Ich kenne es noch aus dem.Westen, das die Bauern ab Mai immer dutzende RFeldsprenger aufgestellt hatten.
    Und die Waldbrände sind das Erbe der DDR und dessen Kiefer Monokulturwald..... !!!
    Deutschland spart sich das eigene.Lqnd kaputt und schmeißt lieber das Geld in andere Länder.

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