Illustration: Die afrikanische Schweinepest, infiziertes Hausschwein, Wildschweine. (Quelle: rbb|24/Caroline Winkler)
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Hintergrund: Tierseuche in elf Illustrationen erklärt - Das macht die Afrikanische Schweinepest so bedrohlich

Wo kommt die Afrikanische Schweinepest her? Wo trat sie bisher auf? Und welche Gefahr geht von ihr aus? Die wichtigsten Antworten zu der Tierseuche auf einen Blick. Von Bettina Rehmann (Text) und Caroline Winkler (Illustration)

Seit Donnerstag (10.09.2020) steht fest: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen. Ein totes Wildschwein, das im Spree-Neiße-Kreis aufgefunden wurde, ist an der Afrikanischen Schweinepest verendet. Die Krankheit ist für Menschen nicht gefährlich, führt aber bei Wild- und Hausschweinen fast immer zum Tod. Es gibt keine Impfstoffe gegen die Infektion.

Eine Übersicht über die Krankheit und die Auswirkungen.

Afrikanische Schweinepest - das Virus

Illustration: Die afrikanische Schweinepest ASP. (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler)

Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die für Haus- und Wildschweine in der Regel tödlich verläuft, während sie für den Menschen ungefährlich ist. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 15 Tage. ASP äußert sich als schwere Allgemeinerkrankung mit hohem Fieber, die Tiere wollen nicht fressen, leiden unter Bewegungsstörungen, sind schwach. In der Regel stirbt das Schwein innerhalb von einer bis anderthalb Wochen.

Das Virus ist äußerst widerstandsfähig und behält lange die Fähigkeit, sich vermehren zu können - monatelang in frischem, gepökeltem, geräuchertem Fleisch oder Wurstwaren, jahrelang in Gefrierfleisch. Zudem überlebt es in Blut und Körperflüssigkeiten. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Übertragung der Afrikanischen Schweinepest

Illustration: Ansteckung/Verbreitung (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA [efsa.europe.eu], stellt in einem Dossier zur Afrikanischen Schweinepest fest: "Die Verbringung infizierter Tiere, kontaminierte[r] Schweineerzeugnisse und die illegale Entsorgung von Tierkörpern sind die wichtigsten Ausbreitungswege der Seuche." Besonders über große Distanzen wäre die Verbreitung ohne den Menschen nicht möglich.

Behörden rufen zudem seit Jahren Auto- und Lkw-Fahrer aus Osteuropa auf, keine rohe Wurst außerhalb von Mülleimern wegzuwerfen, da Fleischprodukte das Virus in sich tragen und von Wildschweinen gefressen werden könnten.

Direkte Ansteckung - Schwein zu Schwein

Illustration: Ansteckung des Schweins (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Die Übertragung des Virus ist besonders über Blut effektiv, kleinste Tropfen genügen. Wenn Gegenstände mit infiziertem Blut, Körperflüssigkeiten, Kot oder Urin kontaminiert sind, reicht das bereits aus - daher sind Hygienemaßnahmen so wichtig.

Direkt infizieren sich Wild- oder Hausschweine bei Kontakt mit dem Blut, Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen eines infizierten Tieres. Auch bei der Paarung können sich die Tiere anstecken. Der verwesende Kadaver eines infizierten Tieres ist ebenfalls ansteckend - wie lange, ist nicht hinreichend bekannt.

Indirekte Ansteckung - Wildschweine

Illustration: Rolle des Menschen bei der Verbreitung. (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Wildschweine können sich auch über achtlos weggeworfene Speisereste, die kontaminiert sind, anstecken. Offene oder kippelige Mülleimer stellen für Wildschweine kein Hindernis dar.

Auch Jagdtourismus in Gegenden, in denen das Virus verbreitet ist, kann bei der Übertragung eine Rolle spielen, wenn Ausrüstungsgegenstände kontaminiert werden und Schweine damit in Kontakt kommen.

Indirekte Ansteckung - Hausschweine

Illustration: Rolle des Menschen bei der Verbreitung. (Quelle: rbb/Caroline Winkler
Bild: rbb/Caroline Winkler

Wie Wildschweine können sich auch Hausschweine beim Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder Futtermitteln anstecken. Das Verfüttern von Fleischabfällen an Schweine ist verboten.

Vorsichtsmaßnahmen

Illustration: Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln ASP (direkte Ansteckung). (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
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Bundesweit sind inzwischen die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben, in Brandenburg werden Abschussprämien für Schwarzwild gezahlt. Jäger sind aufgerufen, Proben von Fallwild (Tiere, die durch Gewalteinwirkung gestorben sind) untersuchen zu lassen, um schnellstmöglich festzustellen, ob die Seuche irgendwo auftritt.

Für Schweinehalter und Mastbetriebe gilt die Schweinehaltungs-Hygieneverordnung, um den Bestand vor Einschleppung der Schweinepest oder anderer Krankheiten zu schützen. Dazu gehört etwa bei großen Betrieben die Umzäunung des Geländes.

Deutsche Behörden haben rechtliche und organisatorische Regeln und Schutzvorkehrungen für den Fall eines Ausbruchs festgelegt.

Hygienemaßnahmen

Illustration: Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln ASP (indirekte Ansteckung). (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Zur Schweinehaltungshygieneverordnung [gesetze-im-internet.de] gehören auch Regeln zum Reinigen und Desinfizieren von Schuhwerk, Ställen oder Transportfahrzeugen. Jäger müssen möglicherweise kontaminierte Gegenstände wie Messer, Stiefel, Wildwannen, Lappen oder Kleidungsstücke gründlich reinigen und desinfizieren.

Illustration: Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln ASP (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Aus Nicht-EU-Ländern dürfen keine Fleischerzeugnisse mitgebracht werden. Speiseabfälle sollten in geschlossenen Mülleimern entsorgt werden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat Warnplakate zur Afrikanischen Schweinepest in mehreren Sprachen erstellen lassen, die etwa an Autobahnraststätten aufgehängt werden.

Das Verfüttern von Fleischabfällen an Schweine ist verboten. ASP ist eine meldepflichtige Krankheit.

Seuchenfall - Hausschweine

Illustration: Seuchenfall (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Sollte die Schweinepest in einem deutschen Schweinestall vorkommen, greift die sogenannte Schweinepestverordnung. In Betrieben mit positiv auf das Virus getesteten Tieren müssen alle anderen Tiere vorsorglich getötet werden, es werden Sperrbezirke und Überwachungszonen eingerichtet, Transport und Handel werden erheblich eingeschränkt. Über Stallpflicht für nicht-betroffene Betriebe entscheiden die Behörden im Einzelfall.

Seuchenfall - Wildschweine

Illustration: Seuchenfall (Quelle: rbb/Caroline Winkler)
Bild: rbb/Caroline Winkler

Für den Fall eines Ausbruchs der Seuche unter Wildschweinen hatte das Friedrich-Löffler-Institut bereits vor dem Nachweis der Infektion in Brandenburg zusammen mit dem Deutschen Jagdverband einen Maßnahmenkatalog herausgegeben [pdf:fli.de]. Demnach soll - wie in anderen EU-Ländern schon geschehen - nach einem Ausbruch ein sogenanntes Restriktionsgebiet festgelegt werden. Auch für dieses Gebiet gelten dann Handelsbeschränkungen für Fleischerzeugnisse.

Ein Krisenstab soll laut Maßnahmenkatalog die Einrichtung einer umzäunten Kernzone um den Fundort, eines gefährdeten Bereichs um die Kernzone und eine weit gefasste Pufferzone organisieren. Je näher der Fundort, desto intensiver die Maßnahmen zur Reduktion des Bestands: Ziel ist es, unbedingt zu vermeiden, dass möglicherweise erkrankte Tiere aus der Kernzone auswandern. Der Krisenstab organisiert Personal für Drückjagden, die Kadarversuche und die Einrichtung von Sammelstellen. In Tschechien hat so nach dem Ausbruch bei Zlín im Juni 2017 die Eindämmung der Seuche gut funktioniert.

Wie sich die Afrikanische Schweinepest ausgebreitet hat

Die Afrikanische Schweinepest stammt aus einem Gebiet südlich der Sahara, seit 1978 ist sie zudem auf Sardinien verbreitet. 2007 kam das Virus nach Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Russland, Weißrussland und die Ukraine.

Im Jahr 2014 wurde bei Wildschweinen in Litauen der erste Fall von ASP innerhalb der EU nachgewiesen. Einen Monat später bereits folgte Polen, dann Lettland und Estland. Seitdem wurde das Virus auch bei Tieren in Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Serbien, der Slowakei, Moldawien, Griechenland und in Belgien festgestellt. Am 10. September 2020 wurde der erste Fall in Deutschland nachgewiesen.

Die große Verbreitung in Osteuropa, wo oft auch Hausschweine betroffen sind, wird zum Teil damit erklärt, dass kleinstrukturierte Landwirtschaft mit offenen Ställen oder Freilandhaltung den Kontakt zwischen Wild- und Hausschweinpopulationen leicht möglich macht.

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Würden sich alle Menschen nur für das interessieren, was sie unmittelbar selbst betrifft, würden wir noch in Höhlen leben.

  2. 11.

    Dem kann ich nur beipflichten, eine sehr gute und verständliche Beschreibung der Lage. Vielen Dank. :)

    Das Virus ist für alle anderen Tiere scheinbar ungefährlich, Hasen, Rehe...?

  3. 10.

    So wie Corona, könnte es auch mutieren....
    ##### Das Virus ist äußerst widerstandsfähig und behält lange die Fähigkeit, sich vermehren zu können - monatelang in frischem, gepökeltem, geräuchertem Fleisch oder Wurstwaren, jahrelang in Gefrierfleisch. Zudem überlebt es in Blut und Körperflüssigkeiten. Einen Impfstoff gibt es nicht.####

  4. 8.

    Wenn das Virus für den Menschen ungefährlich ist, dann braucht es uns auch nicht zu interessieren.

  5. 7.

    Es waren ja wohl FESTE ZÄUNE GEPLANT????? Warum immer erst wenn es zu spät ist!!!!

  6. 6.

    SCHWEINEPEST IST EINE ANZEIGEPFLICHTIGE TIERSEUCHE

  7. 5.

    Ich lese immer für den Menschen ungefährlich. Was wenn das Virus mutiert? Hausschweine sind nah am Menschen. Gott bewahre, wenn das passiert.

  8. 4.

    Sehr gute und verständliche Erläuterung zum Thema ASP. Wenn Speiseabfälle grundsätzlich in geschlossenen Mülleimern entsorgt werden sollten, stellt sich bei mir die Frage, warum dann aus Seuchenschutzgründen überhaupt noch die Restmüllsackabfuhr zugelassen ist (z.B. in der Region Hannover, Entsorgungsbetrieb AHA)

  9. 3.

    Keiner spricht über evtl Schäden bei Futterbetriebe/Ackerbau wenn er verwendetes Tier dort gefunden wird. Sollte/ muss man sich da auch versichern?

  10. 2.

    Wow, Frau Winkler! Mit den Illustrationen könnte man ganz Kleinmachnow und Stahnsdorf aufklären - wo die Wildschweinrotten aus dem Abfalleimern, Komposthaufen und von Schülerstullen leben. Die Übertragungswege sind meist glaube ich gar nicht so klar...

  11. 1.

    Gelungener Überblick! Das Friedrich-Loeffler-Institut (Loeffler mit oe) aktualisiert die ASP-Karte + Zahlen sogar wöchentlich, nicht monatlich.

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