Micah Brashear aus New York war früher Jazz - Musiker. Dann nutzte er die Chance und ging in Berlin als Lehrer an eine Schule (Quelle: rbb-Abendschau).
Video: Abendschau | 31.08.2017 | Heike Bettermann | Bild: rbb-Abendschau

Quereinsteiger gegen Lehrermangel - Von der Bühne in New York an die Tafel in Berlin

3.000 neue Lehrer gibt es im kommenden Schuljahr an Berliner Schulen. Bei weitem nicht alle von ihnen kommen von der Universität. Viele haben andere Berufe erlernt - wie zum Beispiel ein Jazzmusiker aus den USA.

Micah Brashear aus New York war früher Jazzmusiker. Dann nutzte er die Chance und ging diesen Sommer als Musiklehrer an eine Schule in Berlin. Eine ziemliche Umstellung: "Als frei beruflicher Musiker in Berlin ist man gewohnt, ziemlich spät mit der Arbeit anzufangen und in der Schule ist es natürlich anders." Um acht Uhr geht es für ihn los.

Unter den neuen Lehrern an Berliner Schulen sind viele wie Micah Brashear - Seiteneinsteiger, so viele, wie noch nie. Zwei Fünftel - insgesamt 1.247 Personen - wechselten aus anderen Berufen an die Schulen. Der Anteil dieser Lehrer an den Grundschulen erhöhe sich auf sechs Prozent, an den Sekundarschulen auf vier Prozent und an den Gymnasien auf 1,7 Prozent. Das teilte die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mit.

"Es gibt keine Alternative."

Scheeres wies Bedenken von Gewerkschaften und Personalvertretungen zurück, dies könne zu Lasten der Qualität im Unterricht gehen, weil Quereinsteigern zunächst pädagogische Kenntnisse fehlten. Scheeres wiederholte im Gespräch mit dem rbb mehrfach: "Es gibt keine Alternative." Weder Unterrichtsaufall, längere Arbeitszeiten für Lehrkräfte noch größere Klassen seien für sie eine Option.

Micah Brashear aus New York war früher Jazz - Musiker. Dann nutzte er die Chance und ging in Berlin als Lehrer an eine Schule (Quelle: rbb-Abendschau).
"Das war schon eine Umstellung, auf jeden Fall, was die Zeiten angeht." | Bild: rbb-Abendschau

"Senat versucht, überall Lehrer zu bekommen"

Die Quereinsteiger seien Fachkräfte mit einem abgeschlossenen Studium, die eine 18-monatige berufsbegleitende Ausbildung absolvierten, sagte die Senatorin. Sie legten dann eine Staatsprüfung ab und seien somit ausgebildete Lehrkräfte. Viele hätten zuvor etwa an Hochschulen, Instituten, im künstlerischen oder im sportlichen Bereich gearbeitet. Ein Teil sei zuvor schon als Vertretungslehrer im Einsatz gewesen.

Aus einem schulfremden Beruf zum Lehrer zu werden, findet Micah Brashear eigenen Worten zufolge grundsätzlich gut, dennoch sehe er Quereinsteiger wie sich auch als Lückenbüßer: "Jetzt steht der Senat vor der Situation, dass er einfach nicht genug Lehrer hat und versucht, überall Lehrer zu bekommen - und das kann auch nicht das richtige sein", sagt Brashear.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf, bezeichnete Quereinsteiger im Lehrberuf als "Notwendigkeit". Es sei aber notwendig, die Qualität nicht aus dem Auge zu verlieren. "So sollte eine längere Qualifizierungsphase vor dem ersten Unterricht liegen und es dürfen gewisse Mindeststandards bei der Rekrutierung nicht unterschritten werden", sagte Fresdorf am Donnerstag.

6.700 mehr Schüler

Dass Berlin wächst und deshalb mehr Lehrer braucht, zeigt sich an den aktuellen Schülerzahlen. Im neuen Schuljahr, das am 4. September beginnt, lernen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen 441.330 Schüler. Das sind 6.700 mehr als zuletzt, wie Sandra Scheeres am Donnerstag mitteilte.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Lehrer mit Schuljahresbeginn um 2.000 auf 33.383. Insgesamt seien im Kalenderjahr sogar 3.000 Lehrer eingestellt worden, so Scheeres.  Die Anzahl der Referendariatsplätze verblieb im Vergleich zum vergangenen Schuljahr auf dem hohen Niveau von 2.700 Plätzen.

An der Grundschule werden die Erstklässler begrüßt. (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)
Mehr als 444.000 Schülerinnen und Schüler lernen ab September an Berlins Schulen - ein Plus von 6.700 Menschen. | Bild: dpa-Zentralbild

46 weniger Erstklässler als 2016

Ein leichtes Minus gibt es hingegen bei den Erstklässlern, die erst am 9. September eingeschult werden. Die Bildungsverwaltung geht von 31.880 Schülern aus. Das sind 46 weniger als im vergangenen Schuljahr.

Etwa 50 Schülerinnen oder Schüler wissen noch nicht, in welche Schule sie gehen werden, da am Amtsgericht noch Verfahren darüber laufen. In diesem Jahr hatten mit rund 300 Eltern mehr als im Vorjahr den Rechtsweg beschritten, um ihr Kind an die Wunsch-Schule zu bekommen.

Wie Scheeres weiter sagte, lernen derzeit 20.000 Flüchtlingskinder und -jugendliche an Berliner Schulen, viele in Willkommensklassen. "Dies war eine Riesenherausforderung", sagte die Senatorin. Allein 1.200 Lehrkräfte seien für diesen Bereich eingestellt worden. Mittlerweile seien 250 davon fest übernommen worden. "Wir sind damit einer Forderung der Gewerkschaften nachgekommen, personelle Ressourcen der Willkommensklassen in das reguläre Schulsystem zu übernehmen", sagte Scheeres. Auch dabei handele es sich zumeist um Seiteneinsteiger.

Auch die Zahl der Erzieher ist gestiegen

Die Anzahl der zum Schuljahresbeginn zur Verfügung stehenden Stellen für Erzieherinnen und Erzieher ist um 114 auf 4.847 gestiegen. Hinzu kommen 2.504 Erzieherstellen von freien Trägern, das ist ein Plus von 119 Stellen im Vergleich zum Vorjahr.

Auch Schulen werden vom Platz her wachsen

Weil in allen Berliner Bezirken die Schülerzahlen wachsen, müssen auch die Kapazitäten der Schulen erweitert werden. Scheeres verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Berliner Senat deshalb im April 2017 die "Berliner Schulbauoffensive" beschlossen habe. Diese solle dazu dienen, Schulen instand halten zu können, aber auch 42 neue Schulen möglichst schnell bauen zu können. In den kommenden zehn Jahren seien dafür 5,5 Milliarden Euro vorgesehen, heißt es in einer Mitteilung der Bildungsverwaltung.

Damit das alles funktioniert, hat das Bildungsressort eine Taskforce eingerichtet, die einen Sanierungsfahrplan erstellen soll. Der Projektgruppe gehören Vertreter der Senatskanzlei, der Senatsverwaltungen für Finanzen sowie Stadtentwicklung und Wohnen, der Berliner Immobiliengesellschaft (BIM) und der Bezirke an.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das ist eine Katastrophe! Wer kontrolliert die Qualität? Was ist denn der langfristige Plan? Löcher stopfen! Diese Kinder sin unsere Zukunft!

  2. 1.

    In Brb. will man sich weiter zum Gespött machen: um das Problem mit den Mathestunden zu lösen, soll die zweite Fremdsprache als Pflichtfach abgeschafft werden! Das sind typische "Lösungen" von "Excelschubsern" in weit entfernten Büro's.
    Toll, nun soll das Plib den Mathelehrern Logarithmus beibringen ;-)

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