Kritik an Entwurf - Brandenburger Agrarminister kündigt Änderungen beim Jagdgesetz an

Di 10.05.22 | 18:47 Uhr
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Symbolbild: Jäger rufen mit dem Horn zur Jagd. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: rbb24 Inforadio | 10.05.2022 | Oliver Soos | Bild: dpa/P. Pleul

Die Kritik war groß an dem Entwurf für das neue Jagdgesetz in Brandenburg. Nun will Agrarminister Vogel umfangreiche Änderungen vornehmen. So zeigt er sich bereit, auf die geplante Senkung der Jagdreviergröße verzichten zu wollen.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) hat nach dem vorläufigen Stopp des Entwurfs für das Jagdgesetz durch die Koalition umfangreiche Änderungen angekündigt. Er zeigte sich am Dienstag auch offen für einen Verzicht auf die geplante Senkung der Jagdreviergröße, die umstritten war.

"Wir werten die in den über 70 Stellungnahmen eingegangenen Vorschläge der Verbände und Einzelpersonen sowie die Anmerkungen der anderen Ministerien aus und werden sie im überarbeiteten Gesetzentwurf berücksichtigen", sagte Vogel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die vorgeschlagene Hektargröße von zehn Hektar für ein Jagdrevier wird laut Vogel nicht mehr notwendig sein.

Jagdverband kritisiert Gesetz als wildtierfeindlich

Der Minister wollte mit der Veränderung des Jagdgesetzes eine bessere Regulierung des Wildbestandes bei mehr Tierschutz erreichen und den Wald für mehr Klimaschutz umbauen. Im neuen Jagdgesetz sollen Waldeigentümer unter anderem mit mindestens zehn Hektar eigene Jagdbezirke gründen können, nicht mehr nur ab 150 Hektar. Damit hätten viel mehr Waldbesitzer als vorher die Möglichkeit, über eine Jagd zu entscheiden.

Der Deutsche Jagdverband und andere Organisationen kritisierten, das eine solche Regelung sorge für Chaos und Zwietracht bei der Jagd. Naturschützern hingegen ging der Entwurf nicht weit genug; von einigen kam die Forderung nach noch kleineren Bezirken, die bejagt werden dürften. Die Spitzen der rot-schwarz-grünen Koalition hatten deshalb am Montag beschlossen, dass der Referentenentwurf überarbeitet werden soll.

Minister will alternative Vorschläge prüfen

CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann begrüßte die Entscheidung der Koalition. "Es steht außer Frage, dass Veränderungen im Landesjagdgesetz notwendig sind, auch um den Waldausbau und Waldumbau zu befördern", sagte er. "Sie müssen aber auch auf Akzeptanz stoßen sowohl bei den Waldbesitzern als auch bei den Jagdverbänden."

Vogel verwies auf alternative Vorschläge, die aufgegriffen werden könnten. "Dreh- und Angelpunkt für uns ist, dass Waldeigentümer, die ihren Wald umbauen wollen, Einfluss auf die Jagd als Schlüssel zum klimastabilen Wald bekommen", sagte der Minister. "Dafür gibt es auch andere interessante Vorschläge, beispielweise vom Waldbesitzerverband, die wir bereits prüfen."

Grüne sehen Zeitdruck bei Waldaufwuchs

Jäger und Interessenvertreter hatten statt kleinerer Eigenjagden ein großräumiges Wildtiermanagement vorgeschlagen.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Benjamin Raschke betonte, das Ziel sei, den Waldaufwuchs in Brandenburg voranzubringen. Er sieht dafür Zeitdruck: "Jeden Monat, den wir das nicht tun, geht uns da ein großes Stück Klimaschutz verloren." Die "Märkische Allgemeine" hatte am Montag über die Entscheidung der Koalition zum Jagdgesetz berichtet.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 10.05.2022, 19:30 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Naja, so einfach ist das nicht. Es laufen zwar viele Leute mit einem "Jagdschein" durch die Gegend, glücklicherweise fällt der echte Jagdschein nicht so einfach vom Himmel. Die Prüfung wird auch "grünes Abitur" genannt. Die "alten weißen Männer" werden weniger, Durchfallquote bei der Prüfung rd. 20% (also einfach ist anders), das Durchschnittsalter liegt bei etwa 35 Jahren, sieben Prozent Frauenanteil und Jagen hat nichts mit der Stereotype "rumballern" zu tun (vgl. alle Fahrradfahrer sind Rüpel - auch Blödsinn). Für Statistikfans: Die Wahrscheinlichkeit in den eigenen vier Wänden zu verunglücken ist 55 mal höher wie bei der Jagd. Trotzdem graust es mich vor einem, vor allem rechtlichen, Flickenteppich.
    "Gedanken" dazu: https://www.jagderleben.de/news/eigenjagd-schon-ab-10-hektar-geht-rechtlich-ueberhaupt-713321

  2. 13.

    Ja, klar... aber Sie wissen schon, was ein Eigenjagbesitzer ist!!? Der Jagdpächter hat das Jagdrecht nur gepachtet und der Eigenjagbesitzer ist Eigentümer einer entsprechenden großen Fläche, die bejagbar ist.... also keine Jagdgenossenschaft braucht.

  3. 12.

    Wie soll das jeder Grundstückseigentümer tun? Darf dann iher Meinung nach jeder Waffen erwerben und rum schießen. Ober soll er Fallen aufstellen. Die 10 ha Jagdfläche beziehen sich nicht nur auf dem Wald, sondern auch auf die Acker- und Grünlanndflächen. Fazit, in einem riesegen Maisschlag könnten mehrere Eigentümer sein und jeder gejagt seine Fläche! Welch ein Chaos!!

  4. 11.

    Warum soll es nur in großen Revieren möglich sein, Sauen „im Zaun zu halten“? Für Sauen gibt es keine Abschusspläne und was spricht dagegen, wenn jeder Grundstücksbesitzer Sauen erlegen darf? Nur nebenbei: der Unterzeichner hat 55 Jahresjagdscheine!

  5. 10.

    Die Jäger halten das Wild nicht im Zaum.
    Das ist das Problem. Der kleine Waldbesitzer ist da vielleicht ganz anders hinterher.

  6. 9.

    Nach der Logik sind die 150 Hektar ja genauso sinnlos, weil die Wildschweine sich ja auch in diesem Fall auf viel größeren Flächen bewegen... :-)

  7. 8.

    Ist "Wildtiermanagement " jetzt der neue Ausdruck für Tiere erschießen? Klingt natürlich edler... :-)

  8. 7.

    Wie die Art des Schreibens doch die Kommentare beeinflusst...
    Im kürzlich hier erschienenen Beitrag zum Entwurf des Gesetzes waren die verschiedenen Kritiker zitier worden, zu denen auch die Naturschutz- und Umweltverbände zählten. Letztlich war von allen so deutliche Kritik, logisch erläutert, vorhanden, dass für mich als Unwissender auf dem Gebiet klar war, dass auch die Verfasser des Entwurfs so ahnungslos waren wie ich. Und die Kommentare unterschieden sich entsprechend deutlich.

  9. 6.

    Den wievielten Waldumbau erleben wir gerade?

    So ein Wald braucht so ca 50 Jahre, damit man den Umbau erkennen kann. Also nicht, daß ich für Kiefernfarmen wäre - aber die Idee ist nicht neu:
    August Bier hat das in Sauen (bei Beeskow) schon vor fast 100 Jahren erfolgreich durchziehen dürfen.
    Ob es damals nötig war, Rehe und Hirsche auszurotten, weiß ich nicht - es gibt aber eine Stiftung, die werden sicher Auskunft geben können.

    Evtl. könnte sich auch der Herr Minister dort mal beraten lassen, wie ein Waldumbau erfolgreich wird?

    Auch andere "aktivistisch Veranlagte" könnten dort Fachwissen erlangen, sofern ernsthaft an der Sache interessiert.

  10. 5.

    10 Hektar sind im Wald ein "Vorgarten" - 0,1 Quadratkilometer, 100000 Quadratmeter. Eine Wildschweinrotte hat einen Bewegungsspielraum von 1000 - 6000 Hektar, Rotwild kann bis zu 120 Km pro Tag zurücklegen. Was soll da eine Zerstückelung der Fläche bringen? Die Viecher machen nunmal selten eine Polonäse.
    Zur Verdeutlichung:
    10 Ha etwa 14 Fußballfelder - 150 Hektar rd. 210 Fußballfelder. Eine Wildschweinrotte spielt im Mittel auf 4200 Fußballfeldern. Vll. klappts damit am Stammtisch.

  11. 4.

    @ Heiko | Lübbenau | Dienstag, 10.05.2022 | 19:29 Uhr
    @ Günther | Berlin | Dienstag, 10.05.2022 | 21:22 Uhr
    Es ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, wenn in unserem Land die Interessen einiger als Kompromiss unter einen Hut kommen. Agrarminister Vogel ist nicht eingeknickt, sondern reagiert auf die Argumente eben jender, die das Wild im Zaum halten. Und das funktioniert nur bei großen Jagdrevieren. Zeigen Sie mir mal eine Rotwild- oder Wildschweinherde in Brandenburger Wäldern, die sich nur auf 10 Hektar bewegen. Wenn die in das nächste dann kleine Jagdrevier wechseln, ist da keiner mehr evtl. zum bejagen. So kann man den Wald vor Verbiss nicht schützen. Gerade wenn es an den Waldumbau geht, der mehr auf langsam wachsenden Laubwald setzt. Der Waldbauernverband Land Brandenburg ist bei diesen Kompromissen stark engagiert und hat auch gute Argumente für beide Seiten - Waldbesitzer, Jäger und Landeswaldgesetz.

  12. 3.

    Die Loden-Lobby hat sich mal wieder durchgesetzt. Wo kämen diese Herren auch hin, wenn so ein kleiner Waldbesitzer in Brandenburg ganz ohne sie auskäme.

  13. 2.

    Die Jagdpächter und Eigenjagdbesitzer sind eine verschworene Gemeinschaft in die möglichst kein Außenstehender eindringen darf. Revierverpachtungen erfolgen meistens durch gute Beziehungen und Lobby. Da wird jede Neuerung erstmal abgelehnt, da die angestammten Pfründe in Gefahr sind!

  14. 1.

    Da ist mal wieder einer eingeknickt!
    Einfach nur noch traurig.

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