Jerome Boateng, Maximilian Philipp, Alexander Walke , Robert Huth , Leonardo Bittencourt, Antonio Rüdiger. (Quelle: dpa)
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Datenanalyse | Diese 105 Kicker spielen in Profi-Klubs - Aus Berlin und Brandenburg in den internationalen Fußball-Zirkus

Millionen Kinder träumen davon, mit Fußball mal Geld zu verdienen. Doch die wenigsten schaffen das: rbb|24 hat die weltweiten Ligen durchforstet - und erstmals alle aktuellen Berliner und Brandenburger Fußball-Profis aufgespürt. Von Götz Gringmuth-Dallmer, John Hennig und Dominik Wurnig

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Das Transferfenster in Deutschland ist seit Donnerstagabend geschlossen, die Mannschaften für die kommende Fußball-Saison stehen fest. Doch wie viele Fußballer aus Berlin und Brandenburg stehen eigentlich zurzeit bei Profi-Klubs unter Vertrag?

Auf die beiden Boateng-Brüder kommt eigentlich jeder Fußballfan sofort. Auch die im Sommer für viele Millionen Euro gewechselten Antonio Rüdiger (vom AS Rom zum FC Chelsea) und Maximilian Philipp (vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund) verbinden viele mit Berlin oder in Philipps Fall auch Cottbus. Dort weiß jeder, der es mit Energie hält, dass Leonardo Bittencourt vom 1. FC Köln ein Cottbuser Eigengewächs war.

Und bei Union sind sie auf die Entwicklung von Steven Skrzybski besonders stolz, zumal er fast die gesamte Nachwuchs-Abteilung durchlaufen hat. Doch kennen Sie auch Laurin von Piechowski, Darryl Geurts oder Patrick Reichelt? Und wussten Sie, dass der bosnische WM-2014-Teilnehmer Muhamed Besic genauso ein waschechter Berliner ist wie der türkische EM-2016-Teilnehmer Hakan Balta? Oder dass die beiden mittlerweile international spielenden Torhüter Alexander Walke (Red Bull Salzburg) und Sebastian Mielitz (SönderjyskE) beide aus Brandenburg stammen?

Das rbb|24-Datenteam hat 105 aktuell bei Profiklubs im In- und Ausland spielende Fußballer aus Berlin und Brandenburg ausfindig gemacht.

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Daten und Datenschutzhinweise

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Nicht alle Fußball-Profis erfüllten die Kriterien

Dabei gelten als Berliner oder Brandenburger Fußballer all jene, die ihre ersten fußballerischen Schritte hier absolviert haben, unabhängig davon, wo sie geboren sind. Deshalb taucht wiederum zum Beispiel Thomas Eisfeld vom Zweitligisten VfL Bochum, gebürtig in Finsterwalde, nicht auf, weil der beim SV Quitt Ankum in Niedersachsen groß geworden ist. Auch Martin Kobylanski, Sohn des früheren Tennis-Borussia- und Energie-Cottbus-Profis Andrzej Kobylanski konnten wir nicht berücksichtigen, da er zuerst in der Jugend von Hannover 96 und erst dann viele Jahre in Cottbus gekickt hat.

Und auch zurzeit vertragslose Profis wie Ashkan Dejagah, Patrick Ebert, Sejad Salihovic oder Änis Ben-Hatira zählen trotz ihrer zahlreichen Erstliga-Einsätze nicht als aktuelle Profis. Gleiches gilt für Spieler, die in einer der Regionalligen oder noch unterklassiger aktiv sind, also auch die Spieler von Energie Cottbus. Trotz der harten Kriterien stammen tatsächlich 105 Fußball-Profis, die zurzeit in einer der drei höchsten deutschen Spielklassen oder in einer ausländischen Profi-Liga kicken, aus der Region.

Weltmeister, Champions-League-Gewinner, Deutscher Meister und Pokalsieger, Deutschlands Fußballer des Jahres - Jérôme Boateng hat fast alles gewonnen, was es als Fußballer zu gewinnen gibt. Er ist der große Star des Berliner Fußballs. Ihn kennt jeder.

Aber nicht alle Fußballer sind so erfolgreich und schaffen es bis ganz nach oben. Fast die Hälfte unserer aktuellen Profis kickt heute in der 3. Fußball-Liga, ein Viertel im Ausland und dabei mitunter auch in kleineren Ligen, unter anderem in Aserbaidschan, Dänemark und Thailand. Aber auch bei Topklubs in England sind zwei gebürtige Berliner gelandet: Robert Huth feierte mit Leicester City im vorigen Sommer sogar eine der sensationellsten Meisterschaften im modernen Fußball und der zweite aktuelle Berliner Nationalspieler Antonio Rüdiger sorgte in diesem Sommer mit seinem Millionentransfer zum FC Chelsea für Schlagzeilen.

Aktueller Verein im Inland

Berliner zieht's nach Chemnitz, Jena - und Würzburg

Schwaben ziehen bekanntlich nach Berlin - so einige Berliner Fußballer gehen (naturgemäß) den entgegengesetzten Weg. Mit Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin gibt es zurzeit zwei Profiklubs in der Region. Naheliegend wechseln viele Berliner und Brandenburger Spieler zu ostdeutschen Drittligisten, etwa zum Chemnitzer FC, Carl Zeiss Jena oder Hansa Rostock.

Etwas überraschend aber ist auch Würzburg zum Berliner und Brandenburger Exil-Treffpunkt geworden. Gleich sechs Profis spielen zurzeit bei dem Zweitliga-Absteiger. Bei genauem Hinsehen gibt es dafür aber durchaus eine Erklärung, die mit einer Person zusammenhängt: Stephan Schmidt. Schmidt ist selbst Berliner, war bei mehreren Berliner Vereinen selbst Spieler und später Nachwuchstrainer mit Stationen in Cottbus und bei Hertha. Seit Mai nun ist eben dieser Schmidt Trainer beim Drittligisten Würzburg und spielte im Sommer wohl sogleich seine Kontakte in die alte Heimat aus. Manchmal also sind die Erkärungen über den Verbleib der Berliner Spieler dann doch ganz einfach.   

Beim Hauptstadtklub Hertha BSC spielen mit Florian Baak, Julius Kade, Maximilian Mittelstädt und Arne Maier drei Berliner sowie ein Brandenburger aus Ludwigsfelde. Bei Union Berlin gehört mit Steven Skrzybski nur noch ein gebürtiger Berliner zum Profiteam, nachdem im Sommer mit Christopher Lenz (Holstein Kiel), Eroll Zejnullahu (SV Sandhausen) und Lukas Lämmel (vereinslos) gleich drei Berliner den Verein verließen.

Wo alles anfing ...

Von den 105 aktuellen Profis stammen 83 aus Berlin und 22 aus Brandenburg.

Bei den Berliner Bezirken sticht vor allem Charlottenburg mit Hertha BSC und Tennis Borussia hervor. Insgesamt sind 17 Kicker hier groß geworden. Kein einziger aktueller Profi stammt dagegen aus Pankow.

64 Vereine in Berlin und Brandenburg waren nach unserer Datenanalyse der Ausgangspunkt für Profi-Karrieren, wobei natürlich noch viel mehr Vereine involviert waren. Welches aber sind die erfolgreichsten Erstausbildungsvereine?

Es ist nicht Hertha BSC und es ist auch nicht der 1. FC Union - der erfolgreichste Nachwuchsverein in Berlin und Brandenburg ist Tennis Borussia Berlin. Zumindest wenn man danach geht, wie viele spätere Profis dort mit dem Kicken angefangen haben. Neun Spieler haben beim Oberliga Nordost-Verein ihre ersten Ballberührungen gehabt, darunter der jetztige Weltmeister und FC-Bayern-Spieler Jérôme Boateng. Zweiterfolgreichster Verein ist Hertha Zehlendorf, wo unter anderem der zweifache Nationalspieler Malik Fathi (mittlerweile bei Atletico Baleares) oder Jerome Kiesewetter von Fortuna Düsseldorf und Jan Hochscheidt von Eintracht Braunschweig mit dem Fußballspielen angefangen haben. Erst an dritter Stelle kommt der dominierende Nachwuchsverein der Region: Hertha BSC. Kevin-Prince Boateng, Maximilian Philipp, Hakan Balta, Leon Balogun und Aydin Karabulut begannen direkt beim Aushängeschild.

Jeder zweite Profi spielte mal für Hertha BSC

Insgesamt ist an der Vormachtstellung von Hertha BSC als Talenteschmiede der Hautpstadtregion aber nicht zu rütteln: Fast jeder zweite aktuelle Profi aus Berlin und Brandenburg hat irgendwann in der Jugend bei den Blau-Weißen gespielt. Auf Rang zwei folgt Tennis Borussia (22 Spieler) vor einer weiteren Hertha - der aus Zehlendorf (21). Die Topadresse für Jugendspieler in Brandenburg ist Energie Cottbus (18): Gleich 16 der gebürtigen 22 Brandenburger Profis haben in der Jugend für Energie gespielt, und auch zwei Berliner (Maximilian Philipp und Jan Hochscheidt) spielten dort in der Jugend.

"Erst" auf dem fünften Platz folgt die aktuelle Nummer 2 der Hauptstadt, Union Berlin, wo immerhin 17 Spieler mal gekickt haben. Auch Tasmania Berlin und die Reinickendorfer Füchse können auf eine zweistellige Zahl aktueller Profis verweisen, die ihre Jugend durchlaufen haben.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Interessante und scheinbar aufwendige Analyse... schade nur, dass es wie immer nicht gelungen ist, das seit Jahren (!!!) gültige Vereinslogo von Hertha BSC zu aktualisieren...

  2. 3.

    Berkan Taz laut Transfermarkt.de in Berlin geboren

  3. 1.

    spielt noch Nils Miatke (ursprünglich Cottbuser Bengel)

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