Flusskreuzfahrtschiff MS Princess am Anleger in Schwedt/Oder
Bild: Uta Schleiermacher/rbb

- Kreuzfahrt nach Schwedt

Rund 100 Mal werden Flusskreuzfahrtschiffe dieses Jahr in Schwedt anlegen – doppelt so oft wie im Vorjahr. Die Stadt freut sich darüber und findet, es könnten ruhig noch mehr kommen. Doch die Gäste nutzen die Angebote direkt in der Stadt Schwedt bisher kaum. Von Uta Schleiermacher

Der Trend zu mehr Kreuzfahrten, ob auf dem Meer oder Flüssen hat offenbar auch den Nordosten von Brandenburg erreicht. Knapp 100 Flusskreuzfahrtschiffe werden in diesem Jahr in Schwedt an der Oder anlegen. Gegenüber dem Vorjahr eine Verdopplung. Doch was Städten an Elbe, Donau und Rhein mehr Besucher beschert, funktioniert in Schwedt noch nicht nicht so ganz.

Schiffsanlegestelle in Schwedt/Oder
Bild: Uta Schleiermacher/rbb

Immer mehr Reiseveranstalter und Reedereien steuern Schwedt an

Als die MS Princess gegen Mittag in Schwedt anlegt, schäumt die Bugwelle. Das zweistöckige Flusskreuzfahrtschiff ist auf dem Weg von Stralsund nach Berlin. Am Fähranleger Schwedt können die Schiffe Strom bekommen und ihre Wassertanks auffüllen. Der Stadt Schwedt helfen die Kreuzfahrtschiffe, bekannter zu werden, sagt Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl. Es könnten gern noch mehr Schiffe kommen, hofft der SPD-Politiker. "Wir nutzen damit unsere touristischen Potenziale, wir haben den Nationalpark Unteres Odertal, Kultur und die interessante Innenstadt – wenn sich das herumspricht, ist das gut für alle hier."
Den Flusskreuzfahrtschiffanleger in Schwedt gibt es seit 2005 – nun freut sich die Stadt, dass Reiseveranstalter und Reedereien ihn immer öfter ansteuern. Vor zwei Jahren legten nach Auskunft der Stadt 25 mal Schiffe dort an, 2016 waren es schon 50 mal. In diesem Jahr rechnet die Stadt mit 100 so genannten "Anlegevorgängen", darunter auch Schiffahrtslinien aus den Niederlanden und der Schweiz. "Da geht noch viel nach oben, vor allem, weil noch nicht alle auch Programme an Land wahrnehmen, sondern viele Schiffe nur einen technischen Halt machen", sagt Polzehl.

Jürgen Polzehl, der Bürgermeister der Stadt Schwedt in der Uckermark am 15.09.2014 (Quelle: dpa).
Bild: dpa

Über sieben Stunden Zeit für Kultur und Natur in Schwedt und Umgebung

Die Schiffe bleiben im Schnitt 7,5 Stunden in Schwedt. Genug Zeit für einen Stadtrundgang oder eine Radtour durch den Nationalpark Unteres Odertal. Doch viele Reisegruppen steigen in Schwedt in einen Bus, um das Kloster Chorin zu besichtigen. Die Stadt hätte auch kulturell etwas zu bieten, sagt Polzehl. Die Uckermärkischen Bühnen und die Freiluftbühne Odertal liegen in Sichtweite des Anlegers. "Die Passagiere könnten ins Theater gehen, wenn man die Ankunftszeiten mit den Theaterzeiten kombiniert", sagt Polzehl. Da könne man sich Kooperationen zwischen Tourismusverein und den Uckermärkischen Bühnen vorstellen, um auf Bedürfnisse der Reiseveranstalter einzugehen.

Uckermärkische Bühnen Schwedt
© Uckermärkische Bühnen Schwedt | Bild: © Uckermärkische Bühnen Schwedt

Kreuzfahrtschiffe bringen weniger Besucher als kleine Motorboote

 "Von den Kreuzfahrtschiffen haben wir hier gar nichts", sagt Doreen Grabowski, die seit fünf Jahren in Sichtweite des Anlegers Gastronomie betreibt. "Hier kommen am Tag 20 bis 30 Motorboote vorbei. Wenn wir ein paar kleine Anleger hätten, kämen auch mehr Besucher in die Stadt, die hier anhalten, flanieren, etwas essen oder trinken", meint sie. In Eberswalde oder Oderberg funktioniere das auch gut. "Die Stadt nutzt das Potenzial, das das Wasser bietet, noch nicht genug aus."

Blick vom Dach der Uckermärkischen Bühnen in Schwedt / Oder auf den Kanal (Quelle: rbb online / Schneider).
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Kreuzfahrt auf der Oder durch Natur, Fahrwasser und Schiffshebewerk attraktiv

Die Reedereien schätzen vor allem die Natur an der Oder, sagt Kelvin Dietermann, Kapitän der Princess und Miteigner der Reederei Dutch Cruise Line. "Das ist wunderschöne Natur hier und absolute Ruhe", sagt er. "Wenn man es vergleicht mit Rhein oder Donau ist hier weniger Schiffahrt und auch für uns weniger Konkurrenz." Die Gäste seien überall direkt im Zentrum und bekämen so viel zu sehen.
Anka Eich von Eich Touristik organisiert und betreut die Reisen des Hotelschiffs Sans Souci. Die Sans Souci legt auf der Strecke zwischen Berlin und Stralsund in Schwedt an und bleibt dort immer über Nacht, erklärt sie. Die Passagiere haben dann am Abend noch Zeit, sich die Stadt anzusehen – teilweise gehen sie auch in Oderberg von Bord und kommen nach einem Ausflug in Schwedt auf das Schiff zurück.

Schiffshebewerk Niederfinow (Quelle: imago)

Sechs Mal werde die Sans Souci in diesem Jahr in Schwedt anlegen, sagt Eich. „Es wird sich in Zukunft noch steigern. Besonders im Sommer. Denn wenn die Elbe Niedrigwasser hat, ist sie für die Flusskreuzfahrtschiffe, die sonst dort verkehren, nicht befahrbar“, erklärt sie. Daher weichen sie gern auf die Oder aus.  "Die Strecke ist außerdem attraktiv. Das Schiffshebewerk in Niederfinow ist sehr beliebt bei den Passagieren, und Richtung Stettiner Haff und Greifswalder Bodden bekommt man schon einen Eindruck vom Meer, es ist landschaftlich sehr abwechslungsreich."

Ausblick aus dem Flusskreuzfahrtschiff MS Princess

Statt Oderberg nun Halt in Schwedt - Oderberger freut es

Dass mehr Schiffe in Schwedt anlegen liegt auch daran, dass einige Reedereien nun Oderberg auslassen und stattdessen Schwedt ansteuern. In Oderberg ist man nicht unglücklich darüber: der dortige Fähranleger war sowieso nicht für die Kreuzfahrtschiffe geeignet, die Schiffe mit Bugsteilruder haben dort die Bollwerke unterspült. "Wir sind froh, dass wir die Flusskreuzfahrtschiffe in Oderberg nicht mehr haben", sagt Jens Schlößin, Betreiber der Fahrgastschifffahrt in Oderberg. Der Anleger in Lunow sei deshalb schon geschlossen worden.
"Nun kriegt Schwedt das Aufkommen ab, sie haben dort einen richtigen Anleger. Allerdings fehlt da noch die Infrastruktur, weil nicht genug Trinkwasser an Bord genommen werden kann", meint er. Es sei außerdem fraglich, wie viel Geld die Flusskreuzfahrten in die Anrainergemeinden bringe. "Bei Vollverpflegung auf dem Schiff geht wohl kaum jemand in die örtlichen Restaurants. Und für einen Museums- oder Theaterbesuch reicht die Zeit meist nicht."

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