Karpfen a la Marco Müller, Quelle: rbb/ W. Groh
Audio: Antenne am Nachmittag, 16:40 Uhr; Autorin: Monika Kophal

Familientradition zum Jahreswechsel - Silvesterkarpfen sind mehr als eine Mahlzeit

Für viele Brandenburger gehört der Karpfen zu Silvester wie die Gans zu Weihnachten. Oft werden an der Festtafel Erinnerungen an Kindheit und Familie wach. Nicht selten gelangt hier und dort sogar noch eine Karpfenschuppe als Glücksbringer fürs neue Jahr ins Portemonnaie.

Beitrag von Monika Kophal

Die Brandenburger Karpfenteiche waren voll vor Silvester. Die traditionsreichsten finden sich in Peitz. Bei einem Kilopreis von sechs Euro, kostet der Karpfen zum Jahresende 2017 ähnlich viel wie im Vorjahr. Die Nachfrage nach Karpfen ist groß. Viele Brandenburger kochen, grillen oder backen für die Familie und Freunde zu Silvester gern einen Karpfen. Obwohl Kormorane und Silberreiher die ersten Verkoster des Speisefisches, direkt frisch aus den Teichen sind, blieb noch genügend Fisch für den Verkauf. Das Teichgut Peitz zählt zu den größten Karpfengebieten im Land und hat seinen großen Anteil an der Erntemenge in diesem Jahr. Immerhin werden mehr als 600 Tonnen Karpfen abgefischt.

Ein Mitarbeiter der Peitzer Edelfisch GmbH Peitz in einen fast abgelassenen Hälterteich zwischen unzähligen Karpfen (Quelle: dpa)
Bild: dpa-Zentralbild

Jungen Kunden fehlen

Etliche Menschen kamen deshalb am Freitag zum Supermarkt-Parkplatz in Briesen. Denn hier stand für genau zwanzig Minuten der mobile Fischladen der Schlaube-Fischer, bevor es weiter nach Petershagen ging. Quer durch Ostbrandenburg fährt Bulli an diesem Tag, ein letztes Mal vor Silvester. Mit im Gepäck: Rund 300 Kilo lebende Karpfen, ein paar Forellen, Zander und Hechte. Ein Drittel davon wurde bereits am Vormittag in Wilmersdorf, Berkenbrück und Falkenhagen verkauft. So gut wie erhofft, läuft das Silvestergeschäft für den Fischer in den Dörfern von Oder-Spree aber noch nicht. Fischer Toralf Sturzebecher vermutet, dass die älteren Leute, die bei ihm in den Jahren zuvor den frischen Fisch gekauft haben, versterben und die Jungen ihren Fisch in den städtischen Großmärkten kaufen.

Spiegelkarpfen in einem Kescher (dpa-Bild)
Bild:

Kormorane und Fischotter verringern den Ertrag

Insgesamt 50 Tonnen Karpfen hat die Fischerei aus Schlaube in diesem Jahr aus ihren Teichen geholt. Ein zufriedenstellendes Ergebnis. Etwa gleich groß war der Ertrag bei der Fischzucht Tusche aus Frankfurt- Laut Inhaber Helmut Tusche somit ein durchschnittliches Jahr. Nur wenige seiner Tiere hat er durch Krankheit verloren, dafür aber etliche durch Kormorane und Fischotter. Die Verkaufszahlen steigen nun zu Silvester noch einmal richtig an. In seinem Hofladen bringt er noch einmal etwa eine Tonne frischen Fisch an seine Kundschaft.

Karpfen blau in der Pfanne, Quelle: rbb

"Wir soll'n Karpfen kofen"

Viele Ostbrandenburger bestehen bei der Zubereitung ihres Silvesterkarpfens auf Biersoße. Aber auch untereinander, beim Warten auf den Silvesterkarpfen tauschen die Kunden schon mal ihre ganz speziellen Rezepte aus. Zum Beispiel Karpfen mit Kokosmilch, Butter, Schnittkäse, Wurzeln und als Gewürz Kurkuma- klingt ungewöhnlich, soll aber schmecken.

Und dann noch diese Frage. Warum kaufen sie eigentlich den Karpfen? Die Antworten der Kunden: "weil Oma jesacht hat, wir soll'n Karpfen kofen." "Ham wa imma jegessen, als Kinder schon, meine Mutter, Eltern, meine Großeltern." "Dit isso Tradition. Dit is von unse Oma und denn mach'n wa dit och so." Und wer zum Jahresende die Tradition des Karpfenessens beibehalten will, der hat auch am Samstag bis 17 Uhr Gelegenheit im Booßener Fischladen, einen zu besorgen.

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