Eberswalder Marktplatz - früher stand das Rathaus hier | Bild: Uta Schleiermacher|rbb

Neues Eberswalder Theaterprojekt - Baulücken als Tatorte

Jede Lücke im Stadtbild hat ihre eigene Geschichte. Diese Geschichten will das Museum Eberswalde zusammen mit dem Kanaltheater erforschen und erzählen. Die Bürger können sich vielfältig beteiligen.

Baulücken. Wo mal ein Wohnhaus oder öffentliches Gebäude stand, das längst verschwunden oder abgerissen ist. Eberswalde will die Geschichte von solchen Lücken in der Stadt mit einem Theaterprojekt wieder beleben. Zum Beispiel auf dem weitläufigen, glatt gepflasterten Marktplatz. Denn dort, wo heute der Löwenbrunnen ist, stand früher das Rathaus. Doch die Gebäude gibt es nicht mehr.

Verschwundene Rathäuser

„Das erste Rathaus ist im 17. Jahrhundert abgebrochen worden, und das zweite ist 1825 aus baulichen Gründen abgebrochen worden, eine Rekonstruktion wäre damals zu teuer gewesen“, sagt Birgit Klitzke, die das Stadtmuseum Eberswalde leitet. Aber woher ist bekannt, wie die Rathäuser aussahen? „Zum zweiten Rathaus gibt es Abbildungen und auch ein Gemälde, das zeigt die Dauerausstellung im Museum“, sagt sie. “Zum ersten Rathaus sind mir keine Abbildungen bekannt.“

Wie im Krimi...

Deshalb will das Museum gemeinsam mit dem Eberswalder Kanaltheater die Leerstellen der Stadt erforschen. Die Baulücken im Stadtbild sind Kulisse für eine Art Krimi, sagt Katja Kettner, Dramaturgin am Kanaltheater. „Krimi bietet sich natürlich an, denn im Krimi gibt es Fundstücke, es gibt Spuren, es gibt irgendetwas, was man sich nicht erklären kann, man muss etwas ins Labor schicken – das heißt, man fängt an, zu untersuchen, was hier stattgefunden haben könnte.“

Labor im Stadtmuseum

Im „Tatort Lücke“ gehen die Schauspieler zusammen mit den Bürgern der Stadt auf Spurensuche. „Die Bürger können uns schreiben welche Geschichte ihnen wichtig ist, welche Baulücke sie interessiert, was ihnen in der Stadtgeschichte fehlt oder was sie gern erforschen würden“, sagt Kettner. Das Stadtmuseum hat dafür im Dachgeschoss ein für alle offenes „Labor“ eingerichtet. Mit Geschichtsbüchern, alten Stadtplänen, Bildern und sogar vier Mikroskopen. Hier werden die Geschichten und die Vorschläge der Bürger gesammelt.

Erinnerungen an Las Vegas

Bisher ist noch gar nicht entschieden, um welche Lücken in der Stadt es gehen soll, sagt Stefan Neubacher, Leiter des Kulturamts Eberswalde. „Mich würde besonders das Las Vegas interessieren, das ist das ehemalige Kulturzentrum zwischen Eberswalde und Finow“, sagt er. Wo Las Vegas war, wächst nun seit Jahren Gras. 1994 wurde das Haus geschlossen, 2011 abgerissen. Stefan Neubacher ist gerade deshalb gespannt, welche Erinnerungen die Eberswalder an das Kulturhaus und die ehemalige Disco haben. „Das entführt in die Kulturgeschichte der DDR, einerseits was die Freizeitgestaltung angeht, aber auch was das Leben insgesamt betrifft.“

Vergangenheitsreise mit dem Theater

Das Museum und das Theater wollen aber nicht nur Informationen sammeln. Denn übers Jahr verteilt soll zu jeder Lücke auch ein Theaterstück entstehen, das das Kanaltheater vor Ort aufführt. Auch hier können sich die Bürger gern einbringen, sagt Dramaturgin Katja Kettner. „Wenn ich versuche, in eine Figur hineinzuschlüpfen und zu verstehen, wie es ihr in dem Moment an diesem Ort ging, das ist noch mal eine andere Erfahrung“, sagt sie.

 

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