Im Kuhstall liegen mehrere Kühne in ihren Boxen
Bild: imago/Eibner

Immer weniger Milchbauern in Brandenburg - Die Milch machts, aber wer macht die Milch?

Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe. Bringen aber auch viel Milch und daraus wird dann auch Butter, Quark und Käse gemacht. Die Preise dafür waren in den letzten Monaten gestiegen, sehr zur Freude der Bauern: Denn konnten sie doch erstmals seit dem Wegfall der Milchquote, kostendeckend produzieren. Doch immer weniger Milchbauern im Land Brandenburg konnten sich über das gute Geschäft freuen. Doch jetzt fallen die Milchpreise wieder. Das hat Folgen.

In den vergangenen  zwei Jahren haben mehr  als einhundert Milchbauern landesweit das Handtuch geschmissen. Auch in Sauen, Kieselwitz, Schadow, nur drei  Orte aus dem Beeskower Land, stehen keine Milchkühe mehr. Ganz anders sieht es in Ziltendorf aus. Hier stehen gelich 2450  Holstein - Frisian- Kühe.

Brandenburgs beliebteste und beste Milchkühe. In den modernen Ställen der Bauerngesellschaft Ziltendorf tummelt sich also die größte Herde des Landes. Rund um die Uhr, Sonn- und Feiertags bemuttert von 49 der insgesamt 80 Angestellten der Bauerngesellschaft. Und weil sich die Kühe offensichtlich wohl fühlen, geben sie auch viel Milch, das bringt gerade Geld - so Geschäftsführer Roman Reinke. "Das Wirtschaftsjahr 2017/2018 war ein gutes Jahr und wenn der Milchpreis nicht weiter fällt, dann erwirtschaften wir ein Plus", so hofft der  junge Bauernchef.

Der Milchpreis fällt

Aber leider ist der Milchpreis schon wieder am Fallen. Doch dank eines ausgeklügelten Wirtschaftskreislaufes kann man in Ziltendorf gut puffern, denn die Gülle geht komplett in die 3 Biogasanlagen. Auch das  Viehfutter wird auf den Äckern und Wiesen der Ziltendorfer Niederung komplett selbst angebaut und die Düngung für die Felder stammt aus dem eigenen Stall.

Notlösung Schlachthof

30 Kilometer südlich von Ziltendorf, in Klein  Muckrow  am Rand des Schlaubetals, stehen auch "Schwarz Bunte" im Stall. 350 Stück, das ist auch die durchschnittliche Herdengröße in Brandenburg. Seit über 40 Jahren  produziert  die Agrargenossenschaft  Trebitz/ Klein Muckrow  Milch. Doch schon jetzt macht man wegen der fallenden Milchpreise Minus, erklärt die Vorstandsvorsitzende Sylvia Balzer. Die  Genossenschaft zieht die Reißleine. "Wir werden die Milchproduktion einstellen. Die Arbeitsplätze in der Tierproduktion würden wegfallen. Das würde 12 Arbeitsplätze betreffen. Und auch die Anbaustrukturen müsse auch geändert werden."

Gesunde Milchkühe zum Schlachter zu führen, nur weil der Einzelhandel Milch, Joghurt und Quark billiger verkauft, ist für Bauern einfach fürchterlich. Doch selbst beim Lohn kann man nicht mehr sparen. Die Chefin der Agrargenossenschaft ist sauer. "Wenn wir uns leicht gemacht hätten, dann  hätten wir schon vor zwei Jahren aufhören müssen. Aber wir werden wohl die Kühe abschaffen müssen." Die Milch machts.... Aber wer macht noch die Milch? Immer weniger Milchbauern gibt es in Brandenburg, Überlebenschancen haben wohl nur noch die ganz "Großen" - mit mehr als tausend Tieren im Stall.

 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Bienen auf einer Wabe (Quelle: dpa/Pleul)
dpa-Zentralbild

Bienensterben geht weiter - Biene Maja geht es richtig schlecht

Das Thema Bienensterben hat es in diesem Jahr sogar bis in den Rosenmontagsumzug in Köln geschafft. Denn das Sterben ganzer Bienenvölker ist immer noch das größte Problem der Imker in ganz Deutschland. Und das hat mehrere Ursachen. Von Elke Bader

Baufällige Schleuse Kannenburg bei Templin
rbb|Björn Haase-Wendt

2020 soll wieder geschleust werden - Bund sagt Neubau der Kannenburger Schleuse zu

Es war für die Tourismusanbieter rund um Templin alles andere als ein Weihnachtsgeschenk, als im Dezember 2017 die Nachricht kam: die Schleuse Kannenburg wird sofort geschlossen. Viele fürchten seitdem um ihre Existenz oder mussten bereits Mitarbeiter entlassen. Nun gibt es Hoffnung. Von Björn Haase-Wendt

Bild in groß
Bildunterschrift