Audio: Antenne Brandenburg | 03.01.2018

Stasi gewinnt vorerst Schnipsel-Jagd - Unlösbares Akten-Puzzle

Noch immer liegen Millionen Schnipsel zerrissener Stasi-Akten ungenutzt in Säcken. Das wird vorerst so bleiben. Denn die massenhafte Rekonstruktion per Computer kommt nicht voran. Dabei sind bereits Millionen in das Projekt geflossen.

 

Ein Keller in der Fürstenwalder Poststraße in Frankfurt (Oder). Hier stapeln sich bis unter die Decke Säcke mit Schnipseln von Stasiakten. Herr der blauen Säcke und Papiertüten ist Rüdiger Sielaff. Der Leiter der Außenstelle für Stasiunterlagen kennt seine Bestände genau. Doch was drin ist in den Säcken, das bleibt jetzt ein Rätsel. Fakt ist, die Säcke bergen ein gigantisches Puzzle mit vielen unterschiedlichen Teilen - alle aus den ehemaligen DDR-Bezirken Frankfurt (Oder) und Cottbus.

Vorsortiert sind die Schnipsel schon. Aber nun passiert nix mehr mit ihnen. Die Zusammensetzung per Hand ist im Archiv in Frankfurt nicht mehr möglich. Derzeit fehlen die Gelder für die Mitarbeiter. Und auch die Hoffnung auf eine technische Lösung ist in weite Ferne gerückt. Zwar gibt es seit Jahren eine Software, die die Schnipsel erkennen, zuordnen bzw. zusammensetzen könnte, aber offenbar funktioniert die Software nur theoretisch, aber nicht praktisch. Für Rüdiger Sielaff ist das keine echte Überraschung. Dabei konnte das Computerprogramm  bereits Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel mussten per Hand in herkömmliche Scanner eingelegt werden.

Säcke mit zerstörten Stasiakten

Es muss aber eine Lösung gefunden werden, sagt der Historiker Christian Sachse. Denn die Aufarbeitung sei weiter notwendig. Sachse hat dafür gute Gründe: Er hat sich mit den Kindes-Missbrauchsfällen in einem DDR-Jugendheim in Wriezen beschäftigt. Seine Studie hatte kurz vor Weihnachten für Aufsehen gesorgt. 150 Fälle von Missbräuchen hatte er näher untersucht. Vor allem aber deren systematische Vertuschung.

"Ohne die alten Akten, wären die Schandtaten auch der Stasi nie ans Licht gekommen", sagt Christian Sachse. Doch Sachse hat auch das Gefühl, dass kaum einer noch eine Aufarbeitung richtig will. Das merkt der Historiker auch daran, dass er kaum noch Unterstützung erfährt. Rüdiger Sielaff, der Leiter der Frankfurter Außenstelle der Stasiunterlagen-Behörde sieht das anders. Er denkt, dass es in Zukunft eine Lösung für das Zusammensetzen der zerrissenen Akten-Schnipsel geben wird. Auch, wenn es noch ein bisschen dauert.

Um die Rekonstruktion der Stasi-Akten weiter voranzutreiben, sei also der Wille der Politik nötig und Geld muss her. Denn die Aktenschnipsel sind zwar gut verwahrt  und gesichert, aber um sie auszuwerten braucht es eine größere Kraftanstrengung als gedacht.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das Kindelspiel heißt nicht Schnipseljagd, sondern Schnitzeljagd, weil dabei Holzschnitzel zur Wegerkennung gestreut wurden. Ihre Generation kennt aber nur noch Computerspiele und die müssen viel Gewalt emthalten. Mal Opa fragen, von uns Alten kann man viel lernen.

  2. 1.

    Prüfen Sie doch bitte die Rechtschreibung der Überschrift. Das ist ja haarsträubend!

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